Die Wahrheit über Deep Throat
Kinostart:
10.02.2006
Leserbewertung:
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Der Traum vom großen Glück
Deep Throat – zwei Wörter, die Menschen zu den unterschiedlichsten Reaktionen verleiten: Die einen nicken ernst und wissend. Sie denken an den Mann, der mit seinen Informationen letztendlich zur Aufklärung der Nixon- alias Watergate-Affäre beigetragen hat. Und die anderen, die lächeln eher süffisant und denken an den wohl best verkauften Pornofilm aller Zeiten. Seit 2005 gibt es noch eine weitere Assoziationsmöglichkeit: Man denkt an den Dokumentarfilm Inside Deep Throat; gerade auf DVD heraus gekommen und vergangenes Jahr von der Kritik viel beachtet im Kino gelaufen. In diesem Film lassen Fenton Bailey und Randy Barbato Zeitzeugen der Nixon-Ära und der vermeintlichen sexuellen Revolution zu Wort kommen. Dass dabei recht wenig über die Geschichte der eigentlichen Hauptfigur des besagten Pornos – Linda Lovelace – geredet wird, ist schade. Liest sich ihre Geschichte doch wie ein schaurig-brutaler Schundroman. Bei Heyne ist Linda Lovelaces Die Wahrheit über Deep Throat erschienen.
Es wirkt auf jeder Seite wie eine Art Selbsttherapie, ein Versuch, sich endlich von den Dämonen der Vergangenheit zu lösen und gleichzeitig endlich klar zu stellen, wie es denn nun war, damals als sie zum Star des bis heute erfolgreichsten Pornofilms wurde. Die Wahrheit über Deep Throat ist in erster Linie die erschütternde Geschichte eines jungen, endlos naiven jungen Mädchens, das zur falschen Zeit an den falschen Kerl gerät. Auf der Flucht vor einem zu Hause, das keines ist, einer Mutter, die ihre Liebe mit Schlägen manifestiert. Dass sie dabei, fast stereotyp, vom Regen in die Traufe gerät, von einer schlagenden Hand in die nächste flüchtet und ausgerechnet in den Armen des kranken Sadisten Chuck Taynors landet, wird fast bestürzend emotionslos geschildert. Und so geht es Seite um Seite weiter: Linda beschreibt wie sie immer mehr zum Spielball perverser Machtspielchen wird. Unverblümt beschreibt sie, wie ihr ganzes Leben nur noch von einem bestimmt wird – Chuck Taynor, dem Ex-Zuhälter, wie sie erst nach und nach herausfindet. Ein Leben voller Erniedrigungen, Perversionen, Vergewaltigungen, Demütigungen und grausamer Brutalität. Soviel sexueller Missbrauch an einer einzigen Person ist beim Lesen kaum zu ertragen und steht in deutlichem Kontrast zu dem Bild, das in der Öffentlichkeit von Linda Lovelace gezeichnet wurde, dem einer Ikone der sexuellen Revolution.
„Ich schwöre bei allen Göttern, dass ich bestimmt keinen Menschen schlecht machen will; aber das hier ist die Wahrheit, genauso ist alles geschehen“, beginnt Linda Lovelace etwas pathetisch mit ihrer Art der Autobiographie. Kaum bei Chuck Taynor eingezogen, sinkt Linda tiefer und tiefer in den Sumpf. Am Ende spielt sie in letztklassigen Pornostreifchen mit, empfindet dies fast als Befreiung im Vergleich zu allem anderen, was sie bis dahin schon erleiden musste. Und irgendwann landet sie schließlich am Set von Damiano, dem Regisseur von Deep Throat. „Deep Throat sollte auf viele Arten für mich sehr wichtig werden, aber damals hatte ich keine Ahnung davon.“ Beschreibt Linda den Beginn der Dreharbeiten. Und ein paar Seiten weiter: „Für mich war Deep Throat überhaupt kein richtiger Film. Nicht ein Film, der vernünftige Menschen interessieren konnte.“ Dass Deep Throat schließlich doch noch von so vielen so genannt vernünftigen Menschen gesehen wurde, dass er erfolgreich wurde und ihr half sich von Chuck Taynor zu lösen, all’ das beschreibt sie eindringlich und gleichzeitig sehr nüchtern.
Zum ersten Mal ist diese Enthüllungsgeschichte bereits in den Achtzigern erschienen. Mittlerweile ist Linda Lovelace verstorben und das Buch wurde, passend zum erschienenen Dokumentarfilm, neu aufgelegt. Die Wahrheit über Deep Throat ist alles andere als leichte Lektüre. Vielmehr ist es die erschütternde Geschichte eines naiven Mädchens, mit Träumen von einem besseren Leben: „Es ist komisch, aber ich wäre tatsächlich glücklich, eine richtige Schauspielerin sein zu dürfen. Weil ich gut bin. Ich weiß, ich hätte es gebracht. Ich träume immer noch davon, einen guten Film zu machen und einen Preis zu bekommen.“ Eine Geschichte also, wie sie sicher noch häufiger – zwar nicht so, aber doch so ähnlich – geschrieben werden könnte. Und angesichts von so viel Tragik in einem einzelnen Leben, werden die zwei Wörter Deep Throat bei den Lesern dieses Buches noch eine weitere Reaktion hervorrufen: Mitleid.
(Jasmin Haery)
Es wirkt auf jeder Seite wie eine Art Selbsttherapie, ein Versuch, sich endlich von den Dämonen der Vergangenheit zu lösen und gleichzeitig endlich klar zu stellen, wie es denn nun war, damals als sie zum Star des bis heute erfolgreichsten Pornofilms wurde. Die Wahrheit über Deep Throat ist in erster Linie die erschütternde Geschichte eines jungen, endlos naiven jungen Mädchens, das zur falschen Zeit an den falschen Kerl gerät. Auf der Flucht vor einem zu Hause, das keines ist, einer Mutter, die ihre Liebe mit Schlägen manifestiert. Dass sie dabei, fast stereotyp, vom Regen in die Traufe gerät, von einer schlagenden Hand in die nächste flüchtet und ausgerechnet in den Armen des kranken Sadisten Chuck Taynors landet, wird fast bestürzend emotionslos geschildert. Und so geht es Seite um Seite weiter: Linda beschreibt wie sie immer mehr zum Spielball perverser Machtspielchen wird. Unverblümt beschreibt sie, wie ihr ganzes Leben nur noch von einem bestimmt wird – Chuck Taynor, dem Ex-Zuhälter, wie sie erst nach und nach herausfindet. Ein Leben voller Erniedrigungen, Perversionen, Vergewaltigungen, Demütigungen und grausamer Brutalität. Soviel sexueller Missbrauch an einer einzigen Person ist beim Lesen kaum zu ertragen und steht in deutlichem Kontrast zu dem Bild, das in der Öffentlichkeit von Linda Lovelace gezeichnet wurde, dem einer Ikone der sexuellen Revolution.
„Ich schwöre bei allen Göttern, dass ich bestimmt keinen Menschen schlecht machen will; aber das hier ist die Wahrheit, genauso ist alles geschehen“, beginnt Linda Lovelace etwas pathetisch mit ihrer Art der Autobiographie. Kaum bei Chuck Taynor eingezogen, sinkt Linda tiefer und tiefer in den Sumpf. Am Ende spielt sie in letztklassigen Pornostreifchen mit, empfindet dies fast als Befreiung im Vergleich zu allem anderen, was sie bis dahin schon erleiden musste. Und irgendwann landet sie schließlich am Set von Damiano, dem Regisseur von Deep Throat. „Deep Throat sollte auf viele Arten für mich sehr wichtig werden, aber damals hatte ich keine Ahnung davon.“ Beschreibt Linda den Beginn der Dreharbeiten. Und ein paar Seiten weiter: „Für mich war Deep Throat überhaupt kein richtiger Film. Nicht ein Film, der vernünftige Menschen interessieren konnte.“ Dass Deep Throat schließlich doch noch von so vielen so genannt vernünftigen Menschen gesehen wurde, dass er erfolgreich wurde und ihr half sich von Chuck Taynor zu lösen, all’ das beschreibt sie eindringlich und gleichzeitig sehr nüchtern.
Zum ersten Mal ist diese Enthüllungsgeschichte bereits in den Achtzigern erschienen. Mittlerweile ist Linda Lovelace verstorben und das Buch wurde, passend zum erschienenen Dokumentarfilm, neu aufgelegt. Die Wahrheit über Deep Throat ist alles andere als leichte Lektüre. Vielmehr ist es die erschütternde Geschichte eines naiven Mädchens, mit Träumen von einem besseren Leben: „Es ist komisch, aber ich wäre tatsächlich glücklich, eine richtige Schauspielerin sein zu dürfen. Weil ich gut bin. Ich weiß, ich hätte es gebracht. Ich träume immer noch davon, einen guten Film zu machen und einen Preis zu bekommen.“ Eine Geschichte also, wie sie sicher noch häufiger – zwar nicht so, aber doch so ähnlich – geschrieben werden könnte. Und angesichts von so viel Tragik in einem einzelnen Leben, werden die zwei Wörter Deep Throat bei den Lesern dieses Buches noch eine weitere Reaktion hervorrufen: Mitleid.
(Jasmin Haery)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Die Wahrheit über Deep Throat
Autor:
Linda Lovelance
Erscheinungsort:
München
Erscheinungsdatum:
2005
Seiten:
284
Verlag:
Heyne Verlag
ISBN:
3-453-67505-3
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