Die Simpsons und die Philosophie – Schlauer werden mit der berühmtesten Fernsehfamilie der Welt
Kinostart:
11.07.2007
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Aristoteles, Nietzsche und Co. zu Besuch in Springfield
Pünktlich zum Sommerloch sollen es also Harry Potter und die berühmteste Fernsehfamilie der Welt, die Simpsons richten. Während der Zauberlehrling aus der Feder von Joanne K. Rowling ab dem 12. Juli die deutschen Kinosäle füllen soll, startet Die Simpsons - Der Film zwei Wochen später zu seinem Siegeszug an den Kinokassen. Pünktlich zum Start des Filmes erscheint im Tropen Verlag ein Buch, das dem subversiven Clan Matt Groenings nun endlich mit Hilfe der Philosophie auf den quittengelben Leib rückt und erforscht, für welche Denkrichtungen die einzelnen Charaktere stehen. Ein Mammutprojekt, das übrigens in den USA in einer Tradition steht, denn unter der Ägide der Herausgeber William Irwin, Mark T. Conrad und Aeon J. Skoble entstand unter dem Titel Seinfeld and Philosophy: A Book about Everything and Nothing bereits eine höchst vergnügliche Abhandlung über Jerry Seinfeld und seine chaotische Show, die leider nie auf Deutsch erschienen ist.
"Cartoons haben keine tiefere Bedeutung. Es sind nur doofe Zeichnungen, die auf billige Lacher aus sind", so formulierte es Homer Simpson einmal selbst, doch wie so häufig täuscht er sich auch hier. Denn kaum eine Fernsehserie ist so voller "Doppeldeutigkeiten, Anspielungen auf Hoch- und Populärkultur, visuelle Witze, Parodien und selbstreferentiellen Humor". Und mehr noch: Gerade in seiner Vieldeutigkeit und den intellektuellen Spielereien liegt das Geheimnis des Erfolgs der Simpsons. Ein gefundenes Fressen also für jeden Philosophen.
In elf Essays nähern sich verschiedene Autoren – allesamt gestandene Philosophen von US-amerikanischen Universitäten oder Autoren bei renommierten Publikationen – dem durchgeknallten Personal von Springfield an. Die Bandbreite reicht von Homer Simpson, an dem Raja Halwani die aristotelische Lehre von der Tugend trefflich darzustellen weiß, über Lisa, die Aeon J. Skoble mit dem amerikanischen Antiintellektualismus in Verbindung bringt, bis hin zu Bart und seiner philosophischen Entsprechung, dem "bad boy" Friedrich Nieztsche. Doch die fröhlichen Philosophen des Essaybandes lassen es nicht allein bei den Figuren bewenden, sondern widmen sich auch dem Mikrokosmos Springfield insgesamt und schreiben über Aspekte wie den Marxismus in der Kleinstadt oder nehmen die ethischen Aspekte der allgegenwärtigen Heuchelei in der Serie aufs Korn.
Im Vorwort des Buches wird die – wohl eher rhetorisch gemeinte – Frage gestellt, ob es denn legitim sei, "philosophische Essays über Popkultur zu schreiben?" Nach der Lektüre dieses kleinen, feinen Buches – am besten bei gleichzeitiger Durchsicht aller Folgen der Simpsons – ist man nicht nur geneigt, dies zu bejahen, sondern auch mehr Bücher zu fordern, die sich so tiefsinnig, vergnüglich und ohne Schranken im Kopf mit den Erzeugnissen der modernen Medien auseinandersetzen. Vor allem aber kann nun der Film über Homer, Marge, Bart, Lisa und all die anderen kommen. Denn wir sind ja jetzt bestens intellektuell ausgestattet, um die Simpsons endgültig philosophisch zu durchdringen.
(Joachim Kurz)
"Cartoons haben keine tiefere Bedeutung. Es sind nur doofe Zeichnungen, die auf billige Lacher aus sind", so formulierte es Homer Simpson einmal selbst, doch wie so häufig täuscht er sich auch hier. Denn kaum eine Fernsehserie ist so voller "Doppeldeutigkeiten, Anspielungen auf Hoch- und Populärkultur, visuelle Witze, Parodien und selbstreferentiellen Humor". Und mehr noch: Gerade in seiner Vieldeutigkeit und den intellektuellen Spielereien liegt das Geheimnis des Erfolgs der Simpsons. Ein gefundenes Fressen also für jeden Philosophen.
In elf Essays nähern sich verschiedene Autoren – allesamt gestandene Philosophen von US-amerikanischen Universitäten oder Autoren bei renommierten Publikationen – dem durchgeknallten Personal von Springfield an. Die Bandbreite reicht von Homer Simpson, an dem Raja Halwani die aristotelische Lehre von der Tugend trefflich darzustellen weiß, über Lisa, die Aeon J. Skoble mit dem amerikanischen Antiintellektualismus in Verbindung bringt, bis hin zu Bart und seiner philosophischen Entsprechung, dem "bad boy" Friedrich Nieztsche. Doch die fröhlichen Philosophen des Essaybandes lassen es nicht allein bei den Figuren bewenden, sondern widmen sich auch dem Mikrokosmos Springfield insgesamt und schreiben über Aspekte wie den Marxismus in der Kleinstadt oder nehmen die ethischen Aspekte der allgegenwärtigen Heuchelei in der Serie aufs Korn.
Im Vorwort des Buches wird die – wohl eher rhetorisch gemeinte – Frage gestellt, ob es denn legitim sei, "philosophische Essays über Popkultur zu schreiben?" Nach der Lektüre dieses kleinen, feinen Buches – am besten bei gleichzeitiger Durchsicht aller Folgen der Simpsons – ist man nicht nur geneigt, dies zu bejahen, sondern auch mehr Bücher zu fordern, die sich so tiefsinnig, vergnüglich und ohne Schranken im Kopf mit den Erzeugnissen der modernen Medien auseinandersetzen. Vor allem aber kann nun der Film über Homer, Marge, Bart, Lisa und all die anderen kommen. Denn wir sind ja jetzt bestens intellektuell ausgestattet, um die Simpsons endgültig philosophisch zu durchdringen.
(Joachim Kurz)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Die Simpsons und die Philosophie – Schlauer werden mit der berühmtesten Fernsehfamilie der Welt
Erscheinungsort:
Berlin
Erscheinungsdatum:
2007
Seiten:
256
Verlag:
Tropen Verlag
ISBN:
3-932170-97-3
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