'Die österreichische Hure'
Kinostart:
01.06.2005
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Peep-Show ins Rokoko
Es beginnt mit einem Oscar. Regisseurin Sibylle Schlick bekommt ihn für ihren letzten Film. Später "steht er im Keller, zwischen ausgemisteten CD-Ständern und den Skiern" und Sibylle beginnt ein neues Projekt. "Ich will den Prozess gegen Marie Antoinette verfilmen", erklärt sie Filmproduzentin Rita Sander. "Das Ganze spielt im Gerichtssaal. Bänke für die Zeugen und die Geschworenen, zwei Tische , zwei Stühle für den Chefankläger und den Verteidiger, sonst nichts. Für Marie Antoinette brauchen wir nur einen Sessel."
Um den Film auf die Beine zu stellen, bittet sie die Produzentin, einen Ausstatter, eine Historikerin sowie drei Schauspielerinnen, die für die Hauptrolle in Frage kommen, zu sich. Mit 38 Jahren sind sie alle so alt wie Marie Antoinette im Jahr ihrer Hinrichtung. Die Frauen und der feminine Mann führen - so auch der Untertitel des Dialogromans - "13 Unterhaltungen über Königin Marie Antoinette und die Pornographie". In der Geschichte der Königin von Frankreich entdecken die Actricen schmerzliche Parallelen zu ihren eigenen Leben. Als Marie Antoinette am 16. Oktober 1793 geköpft wurde, war sie zum Opfer einer pornografischen Kampagne geworden, die sie nicht nur als Repräsentantin des Ancien Regime, sondern auch als Frau von besonderer Schönheit demütigen und vernichten sollte. Als die Schauspielerinnen Korinna, Jenny und Nicole erfahren, wie grausam der Pöbel seinerzeit mit der gestürzten Königin umging, und als ihnen bewusst wird, wie nahe das Schicksal der erst so strahlenden und dann so erniedrigten Marie Antoinette ihrem eigenen steht, ziehen sie sich eine nach der anderen zurück.
Mit ihrem dritten Roman "Die österreichische Hure" gelingt der Autorin Lea Singer (Wahnsinns Liebe) eine ebenso unterhaltsame wie gescheite Darstellung des fatalen Schicksals jener schönen und berühmten Frauen, die öffentlich verehrt und öffentlich diffamiert werden. Hübsch und prominent - das fordert sexuelle "Enthüllungen" heraus und gibt Anlass zu Verdächtigungen aller Art. Singer zitiert aus historischen Schriften und zeigt, dass die Mechanismen sich seit dem 18. Jahrhundert kaum geändert haben. Da sind Lady Di, Sibel Kekilli und Jennifer Nitsch nicht fern.
(Stefan Otto)
Um den Film auf die Beine zu stellen, bittet sie die Produzentin, einen Ausstatter, eine Historikerin sowie drei Schauspielerinnen, die für die Hauptrolle in Frage kommen, zu sich. Mit 38 Jahren sind sie alle so alt wie Marie Antoinette im Jahr ihrer Hinrichtung. Die Frauen und der feminine Mann führen - so auch der Untertitel des Dialogromans - "13 Unterhaltungen über Königin Marie Antoinette und die Pornographie". In der Geschichte der Königin von Frankreich entdecken die Actricen schmerzliche Parallelen zu ihren eigenen Leben. Als Marie Antoinette am 16. Oktober 1793 geköpft wurde, war sie zum Opfer einer pornografischen Kampagne geworden, die sie nicht nur als Repräsentantin des Ancien Regime, sondern auch als Frau von besonderer Schönheit demütigen und vernichten sollte. Als die Schauspielerinnen Korinna, Jenny und Nicole erfahren, wie grausam der Pöbel seinerzeit mit der gestürzten Königin umging, und als ihnen bewusst wird, wie nahe das Schicksal der erst so strahlenden und dann so erniedrigten Marie Antoinette ihrem eigenen steht, ziehen sie sich eine nach der anderen zurück.
Mit ihrem dritten Roman "Die österreichische Hure" gelingt der Autorin Lea Singer (Wahnsinns Liebe) eine ebenso unterhaltsame wie gescheite Darstellung des fatalen Schicksals jener schönen und berühmten Frauen, die öffentlich verehrt und öffentlich diffamiert werden. Hübsch und prominent - das fordert sexuelle "Enthüllungen" heraus und gibt Anlass zu Verdächtigungen aller Art. Singer zitiert aus historischen Schriften und zeigt, dass die Mechanismen sich seit dem 18. Jahrhundert kaum geändert haben. Da sind Lady Di, Sibel Kekilli und Jennifer Nitsch nicht fern.
(Stefan Otto)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
'Die österreichische Hure'
Autor:
Lea Singer
Erscheinungsort:
München
Erscheinungsdatum:
2005
Seiten:
179
Verlag:
Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN:
3-423-24454-2
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