Verknüpfungen von filmischen Geschichten
Mehrere Handlungen zusammenfließen zu lassen und in einem Film zu präsentieren, ist in Mode gekommen: Spätestens seit Robert Altmans Short Cuts und Quentin Tarantinos Pulp Fiction finden sich mehrsträngig erzählte Film zunächst vor allem im Arthouse-Kino. Aber auch vor dem Mainstream-Kino Hollywoodscher Provenienz macht die Multiplot-Struktur nicht Halt: Immer mehr populäre Produktionen – nicht nur aus Hollywood, sondern auch kleiner Filmländer – bedienen sich des episodischen Erzählens. Elke Brugger setzt sich in ihrer Studie Die Multiplot Stuktur im Film ausführlich mit dieser Form des Erzählens auseinander.
Eine Klärung des Begriffes 'Episodenfilm' und seine Abgrenzung von benachbarten Phänomenen wie dem 'Kompilations'- oder 'Omnibusfilm' sowie so genannten 'Multiplot-Filmen' war schon mehr als überfällig. So fasst beispielsweise Karsten Treber, die bislang ausführlichste Studie im deutschsprachigen Raum, alles unter die Wendung 'episodisches Erzählen' und damit verschiedenste Arten von Filmen zusammen. Deren notwendige erzähltheoretische Klassifizierung nimmt nun Brugger in ihrer Studie vor, wobei sie sich im Hauptteil der Arbeit auf Filme konzentriert, "in welcher die Handlungsstränge diegetisch miteinander verknüpft und über einen Großteil des Films hinweg parallel erzählt werden". Diese beiden Merkmale unterscheiden dann auch den Multiplot-Film vom reinen Episodenfilm, welcher – wie gut an Jim Jarmuschs Night On Earth gezeigt werden kann – mehrere verschiedene Handlungsstränge jeweils als geschlossene und ununterbrochene Einheit präsentiere, was dann auch eine sukzessive Erzählweise bedinge.
Mehr noch als beim Episodenfilm interessiert beim Multiplot-Film die Frage, wie die einzelnen Teile zum Ganzen zusammengebracht werden. Diese Frage stellt Brugger ins Zentrum ihrer Arbeit und zeigt, wie die Verknüpfung der Handlungen einerseits innerhalb des Filmuniversums, also auf der Ebene der Diegese geschieht, und andererseits wie diese Verknüpfungen präsentiert werden. Anhand von schematisierten Analysen der Filme Magnolia, Leben und Lieben in L.A., Wonderland, 21 Gramm und Die Viertelliterklasse illustriert sie ihre Ergebnisse.
Bruggers Untersuchung zeichnet sich gerade im ersten Teil der Arbeit durch begriffliche Schärfe und Reflektiertheit aus. Dennoch lässt die Studie bisweilen den vertieften Blick in die Forschungsliteratur vermissen. Die Analysen bieten einen verständnisfördernden Weg durch die komplexen Filme, doch hätte man sich jeweils ein Zwischenfazit gewünscht, das die jeweiligen Erkenntnisse zusammenfasst und ausführlicher auf die Funktionen des filmischen Erzählens eingeht. Sehr hilfreich sind die Kurzkapitel mit Ausblick auf weitere Filmbeispiele, die eine Analyse jeweils beschließen und die Variationsmöglichkeiten eines Verknüpfungsprinzips aufzeigen. Mit dem Anhang, ausführlichen Sequenzprotokollen zu den analysierten Filmen, liefert Brugger wertvolles Analysematerial.
Die Multiplot Stuktur im Film ist ein wissenschaftliches Buch, das sich auch für Nicht-Wissenschaftler eignet: Die Verfasserin schreibt einfach und verständlich und verzichtet auf verkomplizierende Wissenschaftssprache, wenn auch die schematische Abhandlung der Verknüpfungsmechanismen bisweilen ermüden mag. Gleichzeitig ist die Studie für die Filmwissenschaft interessant, weil sie eine wichtige Forschungslücke innerhalb der Filmnarratologie schließt und spannende Denkanstöße zur Vertiefung des Themas gibt.
(Verena Schmöller)
Eine Klärung des Begriffes 'Episodenfilm' und seine Abgrenzung von benachbarten Phänomenen wie dem 'Kompilations'- oder 'Omnibusfilm' sowie so genannten 'Multiplot-Filmen' war schon mehr als überfällig. So fasst beispielsweise Karsten Treber, die bislang ausführlichste Studie im deutschsprachigen Raum, alles unter die Wendung 'episodisches Erzählen' und damit verschiedenste Arten von Filmen zusammen. Deren notwendige erzähltheoretische Klassifizierung nimmt nun Brugger in ihrer Studie vor, wobei sie sich im Hauptteil der Arbeit auf Filme konzentriert, "in welcher die Handlungsstränge diegetisch miteinander verknüpft und über einen Großteil des Films hinweg parallel erzählt werden". Diese beiden Merkmale unterscheiden dann auch den Multiplot-Film vom reinen Episodenfilm, welcher – wie gut an Jim Jarmuschs Night On Earth gezeigt werden kann – mehrere verschiedene Handlungsstränge jeweils als geschlossene und ununterbrochene Einheit präsentiere, was dann auch eine sukzessive Erzählweise bedinge.
Mehr noch als beim Episodenfilm interessiert beim Multiplot-Film die Frage, wie die einzelnen Teile zum Ganzen zusammengebracht werden. Diese Frage stellt Brugger ins Zentrum ihrer Arbeit und zeigt, wie die Verknüpfung der Handlungen einerseits innerhalb des Filmuniversums, also auf der Ebene der Diegese geschieht, und andererseits wie diese Verknüpfungen präsentiert werden. Anhand von schematisierten Analysen der Filme Magnolia, Leben und Lieben in L.A., Wonderland, 21 Gramm und Die Viertelliterklasse illustriert sie ihre Ergebnisse.
Bruggers Untersuchung zeichnet sich gerade im ersten Teil der Arbeit durch begriffliche Schärfe und Reflektiertheit aus. Dennoch lässt die Studie bisweilen den vertieften Blick in die Forschungsliteratur vermissen. Die Analysen bieten einen verständnisfördernden Weg durch die komplexen Filme, doch hätte man sich jeweils ein Zwischenfazit gewünscht, das die jeweiligen Erkenntnisse zusammenfasst und ausführlicher auf die Funktionen des filmischen Erzählens eingeht. Sehr hilfreich sind die Kurzkapitel mit Ausblick auf weitere Filmbeispiele, die eine Analyse jeweils beschließen und die Variationsmöglichkeiten eines Verknüpfungsprinzips aufzeigen. Mit dem Anhang, ausführlichen Sequenzprotokollen zu den analysierten Filmen, liefert Brugger wertvolles Analysematerial.
Die Multiplot Stuktur im Film ist ein wissenschaftliches Buch, das sich auch für Nicht-Wissenschaftler eignet: Die Verfasserin schreibt einfach und verständlich und verzichtet auf verkomplizierende Wissenschaftssprache, wenn auch die schematische Abhandlung der Verknüpfungsmechanismen bisweilen ermüden mag. Gleichzeitig ist die Studie für die Filmwissenschaft interessant, weil sie eine wichtige Forschungslücke innerhalb der Filmnarratologie schließt und spannende Denkanstöße zur Vertiefung des Themas gibt.
(Verena Schmöller)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Die Multiplot Struktur im Film.
Autor:
Elke Brugger
Erscheinungsdatum:
2010
Seiten:
110
Verlag:
LIT Verlag
ISBN:
987-3-643-50209-4
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Bisherige Kommentare
(Anzeige: 1 von insgesamt 1)
Von: Jürgen Grill am: 19.12.11
"...nicht verkomplizierend formuliert...", "...für Nicht-Wissenschaftler geeignet..." -
wer diese Autorin persönlich kennen darf, ist in der glücklichen Position, von ihrem charmanten Auftreten und ihrem gewinnenden Charisma voll vereinnahmt zu sein.
Im persönlichen Gespräch zeigt sich ihre Fachkenntnis, die weit über das - in ihrem Buch - geschriebene Wort hinausgeht und auf weitere, eloquente, sowie leicht verständliche Bücher hoffen lässt.





