Fernsehbulletten
Der Kommissar ist schon lange Legende, Der Alte ermittelt im Vorabendprogramm und Derrick ist zur Comic-Figur geworden. Zur Primetime haben in den Fernsehkrimis zunehmend die Frauen führende - und überführende - Positionen eingenommen. Heute gibt es kaum einen Sender, der nicht wenigstens eine Kommissarin beschäftigt: Hannelore Elsner und Eva Mattes ermitteln für die ARD, Iris Berben und Hannelore Hoger für das ZDF, Despina Pajanou für RTL und Corinna Harfouch für Sat1. Und das sind nur sechs von derzeit etwa vierzig aktiven Bildschirmermittlerinnen. Die Offensive der Kommissarinnen setzte in den neunziger Jahren ein, zunächst im öffentlich-rechtlichen, dann auch im privat-kommerziellen Fernsehen. Der Trend begann 1989 mit Ulrike Folkerts als Ludwigshafener Tatort-Kommissarin. Über einhundert Schauspielerinnen haben seitdem als Töchter Emma Peels ihren Dienst verrichtet, Verbrecher gejagt und Verbrechen aufgedeckt. "Mit List und Raffinesse," heißt es im Editorial des Buches, "mit Intelligenz, Intuition und Charme. Kompromisslos, wenn es der Fall erforderte, und immer wieder mit einem ausgeprägten Bewusstsein von jenen gesellschaftlichen Zusammenhängen, die kriminelle Energie erzeugen."
Die Kommissarinnen erscheint anlässlich der gleichnamigen Ausstellung des Filmmuseums Berlin/Fernsehmuseum, die noch bis zum 8. März 2005 im Filmhaus am Potsdamer Platz in Berlin zu sehen ist. Das großformatige Buch vereint Fotografien, eine Kurzgeschichte, einen Essay und einen lexikalischen Teil.
Die Bilder der Fotografin Herlinde Koelbl (Spuren der Macht) zeigen uns die vertrauten Kommissarinnen in einem neuen Licht. Koelbl sieht die Ermittlerinnen auf eine Weise, die über das hinausgeht, was uns die Fernsehbilder täglich vorspielen und vermitteln. Es stehen jeweils eine Aufnahme der Schuhe (wieso eigentlich der Schuhe?), eine der Kommissarin mit ihrer Dienstwaffe und drei Porträts nebeneinander. Die Krimi-Autorin Thea Dorn (Die Brut) liefert mit "Am Ende dieses Abends" eine witzige, längere Kurzgeschichte über eine TV-Show, die aus dem Ruder läuft, eine Art 'Deutschland sucht die Super-Kommissarin'. Die Kulturwissenschaftlerin Gabriele Dietze nimmt in ihrem Essay die Voraussetzungen und Folgen der fernsehpolizeilichen Frauenkarrieren in den Blick und porträtiert unter anderem verschiedene Typen von TV-Kommissarinnen (die Genossin, die Amazone u. a.). Der abschließende lexikalische Teil versammelt die Viten von 55 Protagonistinnen von Katharina Abt (Kommissarin Julia Gerling) bis Dennenesch Zoudé (Carol Reeding).
(Stefan Otto)
Die Kommissarinnen erscheint anlässlich der gleichnamigen Ausstellung des Filmmuseums Berlin/Fernsehmuseum, die noch bis zum 8. März 2005 im Filmhaus am Potsdamer Platz in Berlin zu sehen ist. Das großformatige Buch vereint Fotografien, eine Kurzgeschichte, einen Essay und einen lexikalischen Teil.
Die Bilder der Fotografin Herlinde Koelbl (Spuren der Macht) zeigen uns die vertrauten Kommissarinnen in einem neuen Licht. Koelbl sieht die Ermittlerinnen auf eine Weise, die über das hinausgeht, was uns die Fernsehbilder täglich vorspielen und vermitteln. Es stehen jeweils eine Aufnahme der Schuhe (wieso eigentlich der Schuhe?), eine der Kommissarin mit ihrer Dienstwaffe und drei Porträts nebeneinander. Die Krimi-Autorin Thea Dorn (Die Brut) liefert mit "Am Ende dieses Abends" eine witzige, längere Kurzgeschichte über eine TV-Show, die aus dem Ruder läuft, eine Art 'Deutschland sucht die Super-Kommissarin'. Die Kulturwissenschaftlerin Gabriele Dietze nimmt in ihrem Essay die Voraussetzungen und Folgen der fernsehpolizeilichen Frauenkarrieren in den Blick und porträtiert unter anderem verschiedene Typen von TV-Kommissarinnen (die Genossin, die Amazone u. a.). Der abschließende lexikalische Teil versammelt die Viten von 55 Protagonistinnen von Katharina Abt (Kommissarin Julia Gerling) bis Dennenesch Zoudé (Carol Reeding).
(Stefan Otto)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Die Kommissarinnen
Erscheinungsort:
Berlin
Erscheinungsdatum:
2004
Seiten:
179
Verlag:
Nicolai Verlag
ISBN:
3-89479-192-6
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