Filme auf Rezept
Die einzige "Erkenntnis, die man fürs Drehbuchschreiben braucht", so Joachim Hammann, ist, "dass es auf das Wieder-heil-Werden der Heldin oder des Helden ankommt. Denn der Kampf darum ist es, was die Leute sehen wollen." In Die Heldenreise im Film versucht der Drehbuchautor und ehemalige Leiter von Wim Wenders' Produktionsfirma Road Movies mit dieser Weisheit zu erklären, "warum der Krieg der Sterne-Zyklus, die Herr der Ringe-Trilogie, die Harry Potter-Filme, Titanic, Matrix und Gladiator solch weltbewegende Kinoereignisse sind, aber kaum ein Hahn nach deutschen Filmen kräht."
In seinem Buch mit dem Untertitel Drehbücher, aus denen die Filme gemacht werden, die wirklich berühren geht es ihm um die eigentliche Geschichte unterhalb der visuell sichtbaren Plot-Oberfläche, um die Struktur und innere Story. Die Story ist laut Hammann die dramatische Geschichte einer Heil- oder Heldwerdung, die die Entwicklung des Protagonisten durch die Begegnung mit neuen Menschen und unbewussten psychischen Mächten begleitet. Die ideale Drehbuchkonstruktion besteht für ihn aus den Stationen dieser Heldwerdung oder Heldenreise. "Schauen Sie sich eine Literaturverfilmung an oder eine Filmbiografie", schreibt er. "Sie werden sehen, dass die Drehbuchautoren ein geschichtliches Ereignis, eine Biografie, eine Romanvorlage oder eine überlieferte Erzählung nicht in die Bildsprache übersetzen, sondern in die Struktur, die wir Heldenreise nennen." Diese Reise führe, wenn sie in der richtigen Weise beschritten werde, zu einer wertvollen Erfahrung oder Einsicht, die durchschnittliche Frauen und Männer in Heldinnen und Helden verwandle.
Hammann zeigt in seiner Dramaturgie anhand von ein paar hundert Filmbeispielen (mit einer großen Bandbreite von A Woman of Paris (1923) bis zu 50 First Dates (2004)), warum bestimmte Szenarien seiner Ansicht nach scheitern müssen und erklärt ausführlich eine Grundstruktur, die - wie zumindest der Verlag verspricht -Drehbuchentwürfe zu Vorlagen für künftige Blockbuster und Filmklassiker mache.
Die obskur-esoterischen und darum befremdlichen Thesen und Formulierungen, wenn Hammann beispielsweise von Medizinmännern und dem Ich-Tod spricht, von Märchen, Zeremonien und Ritualen, vom "Schlaraffenland eines neuen Verständnisses von Filmen und Drehbüchern" und von Filmen in der Tradition von Heilwerdung und Therapie, sind äußerst gewöhnungsbedürftig und befremdend, ändern aber nichts daran, dass Die Heldenreise im Film letzten Endes doch mit einigem Gewinn zu lesen ist.
(Stefan Otto)
In seinem Buch mit dem Untertitel Drehbücher, aus denen die Filme gemacht werden, die wirklich berühren geht es ihm um die eigentliche Geschichte unterhalb der visuell sichtbaren Plot-Oberfläche, um die Struktur und innere Story. Die Story ist laut Hammann die dramatische Geschichte einer Heil- oder Heldwerdung, die die Entwicklung des Protagonisten durch die Begegnung mit neuen Menschen und unbewussten psychischen Mächten begleitet. Die ideale Drehbuchkonstruktion besteht für ihn aus den Stationen dieser Heldwerdung oder Heldenreise. "Schauen Sie sich eine Literaturverfilmung an oder eine Filmbiografie", schreibt er. "Sie werden sehen, dass die Drehbuchautoren ein geschichtliches Ereignis, eine Biografie, eine Romanvorlage oder eine überlieferte Erzählung nicht in die Bildsprache übersetzen, sondern in die Struktur, die wir Heldenreise nennen." Diese Reise führe, wenn sie in der richtigen Weise beschritten werde, zu einer wertvollen Erfahrung oder Einsicht, die durchschnittliche Frauen und Männer in Heldinnen und Helden verwandle.
Hammann zeigt in seiner Dramaturgie anhand von ein paar hundert Filmbeispielen (mit einer großen Bandbreite von A Woman of Paris (1923) bis zu 50 First Dates (2004)), warum bestimmte Szenarien seiner Ansicht nach scheitern müssen und erklärt ausführlich eine Grundstruktur, die - wie zumindest der Verlag verspricht -Drehbuchentwürfe zu Vorlagen für künftige Blockbuster und Filmklassiker mache.
Die obskur-esoterischen und darum befremdlichen Thesen und Formulierungen, wenn Hammann beispielsweise von Medizinmännern und dem Ich-Tod spricht, von Märchen, Zeremonien und Ritualen, vom "Schlaraffenland eines neuen Verständnisses von Filmen und Drehbüchern" und von Filmen in der Tradition von Heilwerdung und Therapie, sind äußerst gewöhnungsbedürftig und befremdend, ändern aber nichts daran, dass Die Heldenreise im Film letzten Endes doch mit einigem Gewinn zu lesen ist.
(Stefan Otto)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Die Heldenreise im Film
Autor:
Joachim Hammann
Erscheinungsort:
Frankfurt am Main
Erscheinungsdatum:
2007
Seiten:
598
Verlag:
Zweitausendeins
ISBN:
978-3-86150-762-8
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