Die großen Filmregisseure und ihre Geheimnisse
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Die Macken der Macher
Wie nähert man sich den großen Legenden der Filmregie am besten in Buchform an? Mit prächtigen Bildbänden, penibel recherchierten Biographien oder einer Buchreihe? Ja, sicher, das ist eine Form der Beschäftigung mit den großen Regisseuren der Filmgeschichte. Einen anderen und zugleich sehr amüsanten Weg wählte hingegen der erst vor kurzem an den Start gegangene Schweizer Verlag Walde & Graf, der nach dem Erfolg des Buchs Die großen Künstler und ihre Geheimnisse nun selbiges mit den bekanntesten Filmemachern der Geschichte veranstaltet hat. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und ist nicht nur für Filmfans eine echte Entdeckung. Dass das Konzept aus knackigen kurzen Texten, einer rotzfrechen Sichtweise auf die Ikonen des Films und die im Comic-Stil gehaltenen Illustrationen Mario Zuccas (der Robert Crumb als sein wichtigstes Vorbild ansieht, was man auch an den Bildern sofort bemerkt) zuvor bereits auf dem Feld der bildenden Kunst erprobt wurde, merkt man jedenfalls an keiner Stelle des herrlich sarkastischen Buches. Im Gegenteil: Die großen Filmregisseure und ihre Macher ist ein Buch wie aus einem Guss.
Die Absicht des Buchs ist ebenso verblüffend wie respektlos: Als professionelle Voyeure, so argumentiert das Buch, seien Regisseure häufig darauf aus, "das Abgründige und Verborgene der menschlichen Existenz nach außen zu kehren" und auf die Leinwand zu bringen. Da, so ist auf dem Klappentext weiter zu lesen, sei es nur fair, "den Spieß umzudrehen und in ihr Fenster zum Hof zu blicken". Von D.W. Griffith, den "George Washington unter den Regisseuren" und Cecil B. De Mille, den Schnakenberg als "irrer Bibliothekar" bezeichnet und ausführlich über dessen Fußfetisch berichtet, stellt (und führt) das Buch der Chronologie des Geburtsjahres folgend viele namhafte Regisseure vor - unter ihnen natürlich Charlie Chaplin, John Ford, Howard Hawks, Frank Capra, Luis Bunuel, Leni Riefenstahl, Elia Kazan und Orson Welles, aber auch Ikonen des jüngeren Films wie Pedro Almodóvar, die Coen-Brüder, Spike Lee und Quentin Tarantino.
Im Prinzip setzt Die großen Filmregisseure und ihre Geheimnisse da an, wo Kenneth Angers im Jahre 1959 erschienene Skandalchronik Hollywood Babylon aufhörte. Es geht vor allem um Klatsch und Tratsch, um schmutzige kleine Stories und die versammelten Neurosen der großen Filmemacher. Doch wie gesagt, Schnakenberg belässt es nicht dabei, lediglich die schmutzige Wäsche vor dem staunenden Leser auszubreiten, seine Anekdoten und Geschichten verbinden sich zugleich mit profunden Bewertungen der Hauptwerke der Filmemacher und bieten einen guten ersten Eindruck von deren Leben und Werk. Manche der zahlreichen, stets mit leicht süffisantem Unterton verfassten Anekdötchen dürften selbst eingefleischten Filmfans neu sein.
Die großen Filmregisseure und ihre Geheimnisse ist ein Buch, das Spaß macht, ohne jeden Zweifel. Manchem Filmhistoriker dürfte es zwar ob der unorthodoxen Betrachtungsweise der größten Filmkünstler etwas grausen – der Rest der hoffentlich recht zahlreichen Leserschaft dieses Buches kann sich aber sehr wahrscheinlich umso mehr an dem respektlosen Querfeldeinritt durch die Macken der Macher ergötzen.
(Joachim Kurz)
Die Absicht des Buchs ist ebenso verblüffend wie respektlos: Als professionelle Voyeure, so argumentiert das Buch, seien Regisseure häufig darauf aus, "das Abgründige und Verborgene der menschlichen Existenz nach außen zu kehren" und auf die Leinwand zu bringen. Da, so ist auf dem Klappentext weiter zu lesen, sei es nur fair, "den Spieß umzudrehen und in ihr Fenster zum Hof zu blicken". Von D.W. Griffith, den "George Washington unter den Regisseuren" und Cecil B. De Mille, den Schnakenberg als "irrer Bibliothekar" bezeichnet und ausführlich über dessen Fußfetisch berichtet, stellt (und führt) das Buch der Chronologie des Geburtsjahres folgend viele namhafte Regisseure vor - unter ihnen natürlich Charlie Chaplin, John Ford, Howard Hawks, Frank Capra, Luis Bunuel, Leni Riefenstahl, Elia Kazan und Orson Welles, aber auch Ikonen des jüngeren Films wie Pedro Almodóvar, die Coen-Brüder, Spike Lee und Quentin Tarantino.
Im Prinzip setzt Die großen Filmregisseure und ihre Geheimnisse da an, wo Kenneth Angers im Jahre 1959 erschienene Skandalchronik Hollywood Babylon aufhörte. Es geht vor allem um Klatsch und Tratsch, um schmutzige kleine Stories und die versammelten Neurosen der großen Filmemacher. Doch wie gesagt, Schnakenberg belässt es nicht dabei, lediglich die schmutzige Wäsche vor dem staunenden Leser auszubreiten, seine Anekdoten und Geschichten verbinden sich zugleich mit profunden Bewertungen der Hauptwerke der Filmemacher und bieten einen guten ersten Eindruck von deren Leben und Werk. Manche der zahlreichen, stets mit leicht süffisantem Unterton verfassten Anekdötchen dürften selbst eingefleischten Filmfans neu sein.
Die großen Filmregisseure und ihre Geheimnisse ist ein Buch, das Spaß macht, ohne jeden Zweifel. Manchem Filmhistoriker dürfte es zwar ob der unorthodoxen Betrachtungsweise der größten Filmkünstler etwas grausen – der Rest der hoffentlich recht zahlreichen Leserschaft dieses Buches kann sich aber sehr wahrscheinlich umso mehr an dem respektlosen Querfeldeinritt durch die Macken der Macher ergötzen.
(Joachim Kurz)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Die großen Filmregisseure und ihre Geheimnisse
Autor:
Robert Schnakenberg
Erscheinungsort:
Zürich
Erscheinungsdatum:
2010
Seiten:
288
ISBN:
978-3-03774-013-2
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