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Die Göttliche - Sarah Bernhardt

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Dramen eines Lebens

1844 geboren und 1923 verstorben, blieb die Schauspielerin Sarah Bernhardt bis heute ein Begriff. Weniger durch das Dutzend Filme, in dem sie bereits von 1900 an spielte, als zum Beispiel durch Marcel Proust, der eine Figur in Auf der Suche nach der verlorenen Zeit nach ihrem Vorbild formte, und durch den Jugendstil, dessen Ästhetik Sarah Bernhardt perfekt verkörperte oder durch eine Pfingstrose, die ihren Namen trägt.

"Ihr Name", schreibt Robert Gottlieb in Die Göttliche - Sarah Bernhardt, "steht für 'große Schauspielerin', so wie der Name der Pavlova für 'Ballerina' oder der Name Einstein für 'Genie' steht. Bis heute ist sie die berühmteste Französin nach Jeanne d'Arc und nach Napoleon die berühmteste französische Persönlichkeit des 19. Jahrhunderts."

Der Amerikaner Gottlieb (Lives and Letters) zeichnet in seiner Biografie ein äußerst schillerndes Bild der Französin, die zugleich als die erste europäische Diva gilt. Ihr Schauspiel war offenbar legendär, ihr Liebesleben atemberaubend und beide Talente wurden wohl nur noch übertroffen von ihrer Fähigkeit, sowohl aus dem einen wie aus dem anderen Geld zu machen.

In dem spannenden und gut bebilderten Buch arbeitet der Autor ihre vielschichtige Persönlichkeit heraus und zeigt sie als eine Pariserin von zarter Gesundheit und mit starkem Willen. Er porträtiert die Bernhardt als eine Frau, die sich weder durch ihre Herkunft als ungeliebtes Kind einer Kurtisane noch durch den Dünkel in der Comédie Française von ihrem Ziel abbringen ließ, sowohl die beste als auch die bestbezahlte Schauspielerin ihrer Zeit zu werden.

Gottlieb kämpft sich ehrenhaft durch unterschiedliche Fassungen ihres Lebens, wie sie selbst, wie Zeitzeugen oder wie spätere Autoren es überlieferten. Er arbeitet sich durch Ungereimtheiten, Skandale, Marketing-Coups und unzuverlässige Aussagen, durch exaltierte Geschichten, in denen die Bernhardt sich einrichtete, und muss immer wieder spekulieren, bemüht sich dabei aber nach Kräften, zu einem seriösen Ergebnis zu kommen. Die dröge Wirklichkeit, so sein Urteil, "war nicht gerade Sarah Bernhardts Stärke. Wenn sie ihren Alltag bewältigte, war sie vollkommen realistisch, aber wenn sie davon erzählte, geriet sie ins Fabulieren."

(Stefan Otto)

Daten & Fakten

Titel: Die Göttliche - Sarah Bernhardt
Autor: Robert Gottlieb
Erscheinungsort: Göttingen
Erscheinungsdatum: 2012
Seiten: 288
Verlag: Steidl
ISBN: 978-3-86930-471-7

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