Der Sonnensucher - Konrad Wolf
Kinostart:
19.05.2005
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Der Stoff Deutschland
Ein blasser Rotarmist, dem Jungenalter noch nicht recht entwachsen, macht tastend und suchend die ersten Schritte auf unbekanntem Territorium. Gregor Hecker ist ein Sowjetbürger in Deutschland und 1945 neunzehn Jahre alt. Gregor Hecker ist das Alter Ego von Konrad Wolf, geboren im Oktober 1925, im DEFA-Klassiker Ich war neunzehn.
Konrad Wolf, später als Filmregisseur "Repräsentant eines aufrechten Sozialismus" und quasi das Gewissen der Filmkunst der DDR, wurde im Schwäbischen geboren und emigrierte als Kind mit seinen Eltern und Geschwistern nach Moskau. Die Familie wurde von Deutschland ausgebürgert und erhielt die sowjetische Staatsbürgerschaft. Im Krieg wurde er Soldat der Roten Armee mit Marschweg "Richtung Westen. Durch Polen, über die Oder nach Deutschland. Bis vor Berlin." Er erklärte später in einem Interview: "Deutschland war das Land, wo der Faschismus herrschte, wo wir nicht leben durften. (...) Ich kämpfte in der Roten Armee gegen die Faschisten, und so betrat ich zum ersten Mal bewusst deutschen Boden, zunächst eigentlich ohne irgendwelche Heimatgefühle." Nach Kriegsende war er an der Gründung der DEFA beteiligt und als Kulturreferent der sowjetischen Militäradministration verantwortlich für Presse, Theater und Film im Land Sachsen-Anhalt. 1949 erlebte er die Gründung der DDR wieder in Moskau, wo er an der Filmhochschule WGIK studierte. Sein Studium schloss Wolf - seit 1952 Bürger der DDR und SED-Mitglied - 1955 mit dem DEFA-Film Einmal ist keinmal ab. Nach diesem Debüt im Heimatfilm realisierte er mit Lissy (1957), Professor Mamlock (1961), Der geteilte Himmel (1964), Goya (1971), Solo Sunny (1979) und anderen einige Filme, die ihn zum vielleicht international anerkanntesten DEFA-Regisseur jener Zeit machten.
In der sichtbar mit großer Gewissenhaftigkeit erarbeiteten Biografie Der Sonnensucher - Konrad Wolf nehmen die Filme nicht den größten Raum ein. Die Autoren Wolfgang Jacobsen und Rolf Aurich widmen sich in weiten Teilen der politischen und persönlichen Geschichte der Famillie Wolf, die mit Konrads Vater, dem Schriftsteller Friedrich Wolf, Konrads Bruder, dem DDR-Spionagechef Markus Wolf, und Konrad selbst drei Persönlichkeiten hervorbrachte, die Zeitgeschichte hautnah erlebten und gestalteten. Ihr Buch ist in erster Linie eine politische Biografie. Es schildert weniger die Entwicklung eines Filmmenschen, als die eines politisch denkenden Menschen. "Es spricht einiges dafür, Wolf mehr als filmenden Politiker denn als Künstler mit einem politischen Anliegen zu verstehen", resümieren Jacobsen und Aurich im letzten Kapitel ihres Buches. Ihre fundierte, umfassende und wichtige Biografie Der Sonnensucher - Konrad Wolf stützt diesen Gedanken.
(Stefan Otto)
Konrad Wolf, später als Filmregisseur "Repräsentant eines aufrechten Sozialismus" und quasi das Gewissen der Filmkunst der DDR, wurde im Schwäbischen geboren und emigrierte als Kind mit seinen Eltern und Geschwistern nach Moskau. Die Familie wurde von Deutschland ausgebürgert und erhielt die sowjetische Staatsbürgerschaft. Im Krieg wurde er Soldat der Roten Armee mit Marschweg "Richtung Westen. Durch Polen, über die Oder nach Deutschland. Bis vor Berlin." Er erklärte später in einem Interview: "Deutschland war das Land, wo der Faschismus herrschte, wo wir nicht leben durften. (...) Ich kämpfte in der Roten Armee gegen die Faschisten, und so betrat ich zum ersten Mal bewusst deutschen Boden, zunächst eigentlich ohne irgendwelche Heimatgefühle." Nach Kriegsende war er an der Gründung der DEFA beteiligt und als Kulturreferent der sowjetischen Militäradministration verantwortlich für Presse, Theater und Film im Land Sachsen-Anhalt. 1949 erlebte er die Gründung der DDR wieder in Moskau, wo er an der Filmhochschule WGIK studierte. Sein Studium schloss Wolf - seit 1952 Bürger der DDR und SED-Mitglied - 1955 mit dem DEFA-Film Einmal ist keinmal ab. Nach diesem Debüt im Heimatfilm realisierte er mit Lissy (1957), Professor Mamlock (1961), Der geteilte Himmel (1964), Goya (1971), Solo Sunny (1979) und anderen einige Filme, die ihn zum vielleicht international anerkanntesten DEFA-Regisseur jener Zeit machten.
In der sichtbar mit großer Gewissenhaftigkeit erarbeiteten Biografie Der Sonnensucher - Konrad Wolf nehmen die Filme nicht den größten Raum ein. Die Autoren Wolfgang Jacobsen und Rolf Aurich widmen sich in weiten Teilen der politischen und persönlichen Geschichte der Famillie Wolf, die mit Konrads Vater, dem Schriftsteller Friedrich Wolf, Konrads Bruder, dem DDR-Spionagechef Markus Wolf, und Konrad selbst drei Persönlichkeiten hervorbrachte, die Zeitgeschichte hautnah erlebten und gestalteten. Ihr Buch ist in erster Linie eine politische Biografie. Es schildert weniger die Entwicklung eines Filmmenschen, als die eines politisch denkenden Menschen. "Es spricht einiges dafür, Wolf mehr als filmenden Politiker denn als Künstler mit einem politischen Anliegen zu verstehen", resümieren Jacobsen und Aurich im letzten Kapitel ihres Buches. Ihre fundierte, umfassende und wichtige Biografie Der Sonnensucher - Konrad Wolf stützt diesen Gedanken.
(Stefan Otto)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Der Sonnensucher - Konrad Wolf
Autor:
Wolfgang Jacobsen, Rolf Aurich
Erscheinungsort:
Berlin
Erscheinungsdatum:
2005
Seiten:
589
Verlag:
Aufbau-Verlag
ISBN:
3-351-02589-0
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