1995 verließ die gebürtige Kölnerin Pia Frankenberg Deutschland und zog nach New York. 1996 wurde ihr erster Roman veröffentlicht: Die Kellner & ich. Zuvor war sie eine erfolgreiche Filmregisseurin, besonders in den achtziger Jahren. Ihre Komödie Nicht nichts ohne Dich erhielt 1986 in Saarbrücken den Max-Ophüls-Preis, der Nachfolger Brennende Betten kam 1988 in die Kinos. In beiden Filmen spielte sie die weibliche Hauptrolle, in Brennende Betten neben dem Rockmusiker Ian Dury. Mit ihrem neuen, dem mittlerweile vierten Roman kehrt Pia Frankenberg (geb. 1957) nun ins deutsche Filmgeschäft jener Zeit zurück.
Der letzte Dreh beginnt mit dem Jahreswechsel 2000, als Maria im argentinischen Grasland eine Dokumentation über Pinguine dreht und ihre Familie, zu der noch Johan und Sohn Philip gehören, sich entzweit. "Wann hatte es angefangen, schief zu gehen?" fragt Maria sich, und so blendet der Roman zurück zum Beginn der Beziehung von Maria und Johan, zurück in die frühen Achtziger.
Maria ist da eine reiche Erbin, die ihren Status verwünscht, weil der sie in ihren Kreisen zu einer Außenseiterin macht. So investiert sie in Filme, ohne Rücksicht auf finanzielle Verluste. (Wer Nicht nichts ohne dich kennt, dem fällt hier eine Übereinstimmung auf.) Auf einem Festival begegnet sie dem Flamen Johan van Eyck, dem "Megaphon des deutschen Films". Pia Frankenberg verleiht ihm, der "Speerspitze des Jungen Deutschen Films", wie er auch einmal genannt wird, Züge von Rainer Werner Fassbinder. Sie porträtiert Johan als bauerngesichtigen, bärtigen, dickbäuchigen, Zigaretten qualmenden Charismatiker. Als Produzent und Verleiher setzt er sich vehement für den unabhängigen deutschen Film abseits des Mainstream ein. "Du nimmst also den Kampf auf", sagt er zu Maria, als sie sich kennenlernen. "Den Kampf?" fragt sie zurück. "Gegen das Publikumskino", meint er. So passen sie freilich zusammen, die Frau, die Filme ohne Rücksicht auf Verluste produziert, und der Mann, bei dessen Produktionen mit Verlusten zu rechnen ist.
In dreizehn Kapiteln, die jeweils Orts- und Zeitwechsel markieren und vom Leser verlangen, dass er sich immer wieder neu orientiert, führt Pia Frankenberg die geschäftliche und private Beziehung von Maria und Johan vor. Von der Berlinale über die Geburt und Entwicklung des gemeinsamen Kindes Philip, Filmdreharbeiten und überzeichnete Familientreffen geht es dabei nach Belgien, an die Mosel und zu den Pinguinen in Patagonien.
Mit einfühlsamer Ironie und gröberen satirischen Strichen zeichnet Frankenberg eine Kreativen-Ehe, die symbiotisch ist und gleichwohl tragikomisch scheitert. Maria, Johan und die Figuren um sie herum bleiben dabei recht eindimensional, denn die Autorin stattet sie mit nur wenig persönlicher Geschichte aus. Mit Liebe zu ausschmückenden, aussagekräftigen und witzigen Details schildert sie demgegenüber die Filmarbeit, besonders die Phase der so genannten Vorproduktion, die Auseinandersetzungen mit den Finanziers und Fernsehredakteuren, die Einfluss auf das Produkt nehmen wollen. Ihre eigene Beteiligung am Filmgeschäft und die Einblicke, die sie nahm, kamen Pia Frankenberg hier offensichtlich sehr zugute.
(Stefan Otto)
Der letzte Dreh beginnt mit dem Jahreswechsel 2000, als Maria im argentinischen Grasland eine Dokumentation über Pinguine dreht und ihre Familie, zu der noch Johan und Sohn Philip gehören, sich entzweit. "Wann hatte es angefangen, schief zu gehen?" fragt Maria sich, und so blendet der Roman zurück zum Beginn der Beziehung von Maria und Johan, zurück in die frühen Achtziger.
Maria ist da eine reiche Erbin, die ihren Status verwünscht, weil der sie in ihren Kreisen zu einer Außenseiterin macht. So investiert sie in Filme, ohne Rücksicht auf finanzielle Verluste. (Wer Nicht nichts ohne dich kennt, dem fällt hier eine Übereinstimmung auf.) Auf einem Festival begegnet sie dem Flamen Johan van Eyck, dem "Megaphon des deutschen Films". Pia Frankenberg verleiht ihm, der "Speerspitze des Jungen Deutschen Films", wie er auch einmal genannt wird, Züge von Rainer Werner Fassbinder. Sie porträtiert Johan als bauerngesichtigen, bärtigen, dickbäuchigen, Zigaretten qualmenden Charismatiker. Als Produzent und Verleiher setzt er sich vehement für den unabhängigen deutschen Film abseits des Mainstream ein. "Du nimmst also den Kampf auf", sagt er zu Maria, als sie sich kennenlernen. "Den Kampf?" fragt sie zurück. "Gegen das Publikumskino", meint er. So passen sie freilich zusammen, die Frau, die Filme ohne Rücksicht auf Verluste produziert, und der Mann, bei dessen Produktionen mit Verlusten zu rechnen ist.
In dreizehn Kapiteln, die jeweils Orts- und Zeitwechsel markieren und vom Leser verlangen, dass er sich immer wieder neu orientiert, führt Pia Frankenberg die geschäftliche und private Beziehung von Maria und Johan vor. Von der Berlinale über die Geburt und Entwicklung des gemeinsamen Kindes Philip, Filmdreharbeiten und überzeichnete Familientreffen geht es dabei nach Belgien, an die Mosel und zu den Pinguinen in Patagonien.
Mit einfühlsamer Ironie und gröberen satirischen Strichen zeichnet Frankenberg eine Kreativen-Ehe, die symbiotisch ist und gleichwohl tragikomisch scheitert. Maria, Johan und die Figuren um sie herum bleiben dabei recht eindimensional, denn die Autorin stattet sie mit nur wenig persönlicher Geschichte aus. Mit Liebe zu ausschmückenden, aussagekräftigen und witzigen Details schildert sie demgegenüber die Filmarbeit, besonders die Phase der so genannten Vorproduktion, die Auseinandersetzungen mit den Finanziers und Fernsehredakteuren, die Einfluss auf das Produkt nehmen wollen. Ihre eigene Beteiligung am Filmgeschäft und die Einblicke, die sie nahm, kamen Pia Frankenberg hier offensichtlich sehr zugute.
(Stefan Otto)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Der letzte Dreh
Autor:
Pia Frankenberg
Erscheinungsort:
Berlin
Erscheinungsdatum:
2009
Seiten:
253
Verlag:
Rowohlt Berlin
ISBN:
978-3-87134-628-6
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