Dennis Hopper: Photographs 1961-1967

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Fünf Kilo Kult

Im vergangenen Jahr, am 29. Mai 2010, verstarb Dennis Hopper, der vielen als Schauspieler (...denn sie wissen nicht, was sie tun, Giganten, Apocalypse Now, Blue Velvet, Speed und viele mehr) und Regisseur (Easy Rider, The Last Movie, Colors – Farben der Gewalt) ein Begriff war. Was man zwar immer wieder in Artikeln über Hopper lesen konnte, was aber (zumindest in Deutschland) dennoch nie so recht greifbar war, war Hoppers Leidenschaft für die Bildende Kunst und die Fotografie. Auf beiden Gebieten war er nicht nur ein leidenschaftlicher Sammler, sondern auch ein überaus aktiver und hochgeschätzter Künstler, dessen Werk bislang einem breiten internationalen Publikum weitgehend verborgen geblieben ist. Mit der gerade vom Taschen Verlag herausgebrachten Werkschau der Fotografien Dennis Hoppers sollte sich das eigentlich ändern lassen – zumal das Buch einen aufregenden Blick in das Leben des Hollywood-Rebellen bietet und wie kaum ein zweites Fotobuch der letzten Jahre Popkultur und Zeitgeschichte miteinander verschmelzen lässt.

Angeblich, so geht die Legende, sei es die "Schuld" von James Dean gewesen, die Hopper überhaupt zur Fotografie gebracht hätte. Die beiden Schauspieler, die sich am Set von ...denn sie wissen nicht, was sie tun kennengelernt hatten, verband eine tiefe Freundschaft, die durch den Tod James Deans ein jähes Ende fand. Dennoch sind die Spuren dieser außergewöhnlichen Begegnung unübersehbar auf Hoppers weiterem Lebensweg – durch Dean und mit ihm tauchte er ein die die Kunst- und Literaturszene L.A.s und begann die neuen Eindrücke, die auf ihn einstürmten, auf Fotopapier zu bannen.

Auf diese Weise entstanden Bilder, die neben Hoppers Auge vor allem sein untrügliches Gespür für Strömungen des Zeitgeistes und der Sub- und Popkultur ebenso wie für aufregende Entwicklungen auf dem Gebiet der Kunst zeigen. Seine Fotos zeigen Stars wie Andy Warhol bei seinen ersten Ausstellungen, Robert Rauschenberg und Roy Lichtenstein, die sich in jenen Jahren gerade erst anschickten, die Kunstwelt aus den Angeln zu heben. Wir sehen wie Stars Paul Newman, John Wayne und Peter Fonda, werden Zeuge von Auftritten von Tina Turner, Neill Young und vielen anderen, die entweder schon auf der Höhe ihrer Kunst waren oder den Aufstieg noch vor sich hatten.

Doch Hoppers Bilder aus den Sechzigern sind nicht nur eine Nabelschau der Reichen, Schönen und Begabten, sie widmen sich auch der Bürgerrechtsbewegung, fangen das Lebensgefühl von Beatnicks, Rockern und Hippies ein, zeichnen sensible Porträts mexikanischer Landarbeiter, sind am Set von Modeaufnahmen und bei Demos und Sit-ins ganz nah mit dabei. Und es ist gerade diese ganz unverwechselbare Mischung aus Glitzerwelt und Gegenkultur, die den großen Reiz dieses Buches ausmacht.

Wenn man die Bilder des Schauspielers und Regisseurs betrachtet, findet man in ihnen vieles vor, was er später auf andere Art und weise zum Leben erwecken wird. Fast scheint es so, als seien die Bilder eine Art Vorstufe für andere Aufgaben. Manche von ihnen scheinen nur darauf zu warten, aus ihrer Erstarrung zu erwachen und sich in Bewegung zu setzen. Was dann auch tatsächlich geschah: Als Hopper mit den Dreharbeiten zu Easy Rider begann, legte er die Fotokamera aus der Hand legen und wandte sich stattdessen voll und ganz dem Film zu. Weil Hoppers Karriere als Regisseur aber aufgrund diverser (Drogen-)Probleme in den Siebzigern gehörig ins Schlingern geriet, ist sein Werk als Filmemacher leider verhältnismäßig überschaubar geblieben. Und weil er später nicht mehr den gleichen Zugang zur Fotografie erlangte, gilt selbiges auch für seine Bilder – was umso bedauerlicher ist, da sie den Betrachter auf faszinierende Weise teilhaben lassen an einer aufregenden Zeit. Man wäre so gespannt darauf gewesen, welche Einblicke Hopper in die Siebziger, Achtziger und Neunziger gewonnen hätte. So aber bleibt zumindest die Freude über einen Schatz aus längst vergessenen Tagen, der die andere Seite des Schauspielers und Regisseurs opulent und liebevoll editiert für die Nachwelt aufbereitet hat.

Dabei ist das Buch Dennis Hopper: Photographs 1961-1967 weitaus mehr geworden als eine Werkschau. Es vereint vielmehr die Bilder Hoppers mit einem lesenswerten Essay über die erstaunliche Karriere des Schauspielers, lässt dessen Leben und filmisches Schaffen ebenfalls in Bildern Revue passieren und kombiniert so Leben und Werk eines Ausnahmekünstlers zu einem Buch, das man trotz seiner gewaltigen Dimensionen und seiner satten fünf Kilo Lebendgewicht wieder und wieder von Anfang bis Ende durchblättern möchte.

Wer es gerne ein wenig exklusiver hat, dem sei noch verraten, dass es wie häufig bei Publikationen des Taschen Verlages noch eine nummerierte und signierte Collector's Edition des Titels mit einer Auflage von 1500 Exemplaren gibt – die ist allerdings schon vergriffen. Aber ehrlich gesagt fährt man mit diesem Buch auch in der Sparversion nicht schlecht.

(Joachim Kurz)

DATEN & FAKTEN

ÜBERBLICK

Titel: Dennis Hopper: Photographs 1961-1967
Erscheinungsort: Köln
Erscheinungsdatum: 2011
Seiten: Dennis Hopper: Photographs 1961-1967
Verlag: Taschen
ISBN: 978-3-8365-2726-2

Cover


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Bisherige Kommentare (Anzeige: 1 von insgesamt 1)
Von: Frank Schneider am: 23.03.11
Ein gewaltiges Buch! Ein wunderschöner Bildband für alle, die sich für Kunst und Film der 70er interessieren. Ferner ein Buch für "Männer". Denn nur Männer können dieses Buch tragen. Ab heute steht es in meinem Buchregal! Gruß aus dem Norden
   
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