Cinema Novo - Neues brasilianisches Kino 1954 - 1964
Kinostart:
23.03.2005
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Viva Brasil!
Filmkritiker machen sich über den Sinn und Unsinn von filmischen Darstellungen und der gesellschaftlichen Relevanz dieser Darstellungen Gedanken. Sie formulieren einen gewissen Anspruch an den Film, der ihrer Meinung nach als Spiegel der Gesellschaft, mit allen sozialen Missständen und Konflikten – auch und gerade mit der Regierung – fungieren sollte. Es sind Filmkritiker, die das US-amerikanische Kino ablehnen und eine neue, eigene Filmsprache und Ästhetik fordern. Und schließlich können sie nur einen einzigen Schluss aus ihren Argumentationen ziehen: Selbst Filme zu machen. Filmkritiker also, aus denen Regisseure werden und damit gleichzeitig den Namen einer neuen Filmgattung prägen.
Wissendes Nicken all über all? Sicher, das alles scheint bekannt, skizziert es doch in sehr groben Zügen die Geschichte des französischen Kinos. Doch aufgepasst, so viele Parallelen es auch geben mag, hier und jetzt verschlägt es uns an einen anderen Flecken dieser Erde – nach Brasilien. Das brasilianische Kino der fünfziger und sechziger Jahre – das Cinema Novo – ist Thema einer Dissertation von Regina Aggio, die von Thomas Koebner im Gardez Verlag heraus gegeben wurde.
Und so erfährt der Leser auf mehr als zweihundert Seiten, was es mit dem Cinema Novo denn so auf sich hat: „Das künstlerisch-politische Programm des Cinema Novo bestand in der Darstellung des unterentwickelten Brasiliens“, erklärt die Autorin. Das neue brasilianische Kino stellte Fragen nach der Darstellung gesellschaftlicher Realität, Fragen nach den dabei entworfenen Bildern Brasiliens und war dabei auf der Suche nach einer eigenen und neuen Ästhetik. Die Filmemacher jener Zeit wollten den Alltag Brasiliens so ungeschönt wie nur möglich darstellen. Sie filmten in den Armenvierteln, auf dem Land, am Meer – eben überall dort wo die Missstände offen zu Tage traten und der schöne Schein der Copacabana nicht mehr hinreichte. Ganz bewusst wurde meist mit jungen unerfahrenen Darstellern von der Straße gedreht, die zuvor keinerlei Berührung mit dem Filmgeschäft hatten. Das wahre Leben sollte gespiegelt werden. Dazu passte auch die Forderung nach einer neuen Ästhetik, der so genannten Ästhetik des Hungers, die unter anderem durch eine sehr langsame Kameraführung unterstrichen wurde. Den Werken lag ein pädagogischer Gedanke zu Grunde. Ziel war es, über den Film auch die ärmere Bevölkerung zu erreichen und ihr politisches Bewusstsein zu stärken.
Doch Cinema Novo ist mehr als die neue Ästhetik eines pädagogisch und sozialpolitisch konzentrierten Films, es impliziert auch den Kampf der Filmemacher um mehr Rechte und mehr Erfolg. Es steht für das Bemühen um den Aufbau einer brasilianischen Filmindustrie, die sich der us-amerikanischen Industrie entgegenstellen will. Und so ist Cinema Novo kein Buch zum gemütlichen Schmökern, dazu sind die Texte allzu wissenschaftlich geraten, wie man es eben von einer Dissertation erwartet. Doch Liebhaber des brasilianischen Films und alle, die schon immer wissen wollten, „Wo die Anfänge des Cinema Novo liegen? Wie die Auseinandersetzung mit Filmtheorie und -geschichte verlief? Welche Verbindungen zwischen dem neuen brasilianischen Film und der Entwicklungspolitik der Regierungen unter Kubitschek und Goulart in dem Zeitraum von 1956 bis 1964 bestehen? Mit welchen kulturpolitischen und künstlerischen Ideen die Vertreter der Avantgarde versuchten, in diesem Zeitraum gesellschaftliche und politische Veränderungen zu bewirken?“, werden auf ihre Kosten kommen.
(Jasmin Haery)
Wissendes Nicken all über all? Sicher, das alles scheint bekannt, skizziert es doch in sehr groben Zügen die Geschichte des französischen Kinos. Doch aufgepasst, so viele Parallelen es auch geben mag, hier und jetzt verschlägt es uns an einen anderen Flecken dieser Erde – nach Brasilien. Das brasilianische Kino der fünfziger und sechziger Jahre – das Cinema Novo – ist Thema einer Dissertation von Regina Aggio, die von Thomas Koebner im Gardez Verlag heraus gegeben wurde.
Und so erfährt der Leser auf mehr als zweihundert Seiten, was es mit dem Cinema Novo denn so auf sich hat: „Das künstlerisch-politische Programm des Cinema Novo bestand in der Darstellung des unterentwickelten Brasiliens“, erklärt die Autorin. Das neue brasilianische Kino stellte Fragen nach der Darstellung gesellschaftlicher Realität, Fragen nach den dabei entworfenen Bildern Brasiliens und war dabei auf der Suche nach einer eigenen und neuen Ästhetik. Die Filmemacher jener Zeit wollten den Alltag Brasiliens so ungeschönt wie nur möglich darstellen. Sie filmten in den Armenvierteln, auf dem Land, am Meer – eben überall dort wo die Missstände offen zu Tage traten und der schöne Schein der Copacabana nicht mehr hinreichte. Ganz bewusst wurde meist mit jungen unerfahrenen Darstellern von der Straße gedreht, die zuvor keinerlei Berührung mit dem Filmgeschäft hatten. Das wahre Leben sollte gespiegelt werden. Dazu passte auch die Forderung nach einer neuen Ästhetik, der so genannten Ästhetik des Hungers, die unter anderem durch eine sehr langsame Kameraführung unterstrichen wurde. Den Werken lag ein pädagogischer Gedanke zu Grunde. Ziel war es, über den Film auch die ärmere Bevölkerung zu erreichen und ihr politisches Bewusstsein zu stärken.
Doch Cinema Novo ist mehr als die neue Ästhetik eines pädagogisch und sozialpolitisch konzentrierten Films, es impliziert auch den Kampf der Filmemacher um mehr Rechte und mehr Erfolg. Es steht für das Bemühen um den Aufbau einer brasilianischen Filmindustrie, die sich der us-amerikanischen Industrie entgegenstellen will. Und so ist Cinema Novo kein Buch zum gemütlichen Schmökern, dazu sind die Texte allzu wissenschaftlich geraten, wie man es eben von einer Dissertation erwartet. Doch Liebhaber des brasilianischen Films und alle, die schon immer wissen wollten, „Wo die Anfänge des Cinema Novo liegen? Wie die Auseinandersetzung mit Filmtheorie und -geschichte verlief? Welche Verbindungen zwischen dem neuen brasilianischen Film und der Entwicklungspolitik der Regierungen unter Kubitschek und Goulart in dem Zeitraum von 1956 bis 1964 bestehen? Mit welchen kulturpolitischen und künstlerischen Ideen die Vertreter der Avantgarde versuchten, in diesem Zeitraum gesellschaftliche und politische Veränderungen zu bewirken?“, werden auf ihre Kosten kommen.
(Jasmin Haery)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Cinema Novo - Neues brasilianisches Kino 1954 - 1964
Autor:
Regina Aggio
Erscheinungsort:
Remscheid
Erscheinungsdatum:
2005
Seiten:
281
Verlag:
Gardez Verlag
ISBN:
3-89796-122-9
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