Paris, brûle-t-il?
Die brennenden Vorstädte von Paris haben es ganz deutlich gezeigt: jenseits der gerne besuchten Pfade existiert in Frankreich eine Realität, die geprägt ist von Immigration und Multikulti, von Rassismus und sozialen Problemen. In ihrer Studie Cinéma beur - Analysen zu einem neuen Genre des französischen Films untersucht die Romanistin Cornelia Ruhe exemplarische Filme von 1985 bis 1997, die dieses Leben in diesen Brennpunkten der banlieues in den Blick rücken. Sechs Filme, in denen es um das Schicksal maghrebinischer Immigranten und ihrer Kinder geht: Tee im Harem des Archimedes, Hass, Bye-Bye, Kuss-Kuss in Paris, Die andere Seite des Meeres und Lichtjahre von Paris.
"Es handelt sich bei diesen Filmen", so Ruhe, "nicht mehr um eine lose Gruppe von Produktionen, die zufällig thematische Ähnlichkeiten aufweisen, sondern um ein eigenes Genre, das sich seinen Platz in der französischen Kinolandschaft inzwischen gegen alle Vorurteile erkämpft hat." Die Autorin belichtet und beschreibt das junge Genre, das sich nicht mit der simplen Variation einmal gesetzter Situationen zufrieden gibt, sondern sich in reger kritischer Auseinandersetzung mit Stereotypen und der französischen Gesellschaft befindet. Sie zeigt außerdem auf, inwieweit die Kenntnisse über bestimmte Erzähltechniken und -muster, über Charaktere und ihre Entwicklung, aber auch über Filmschauplätze wie die banlieue mit ihren eigenen Geschichten bereits heute ins kulturelle Gedächtnis Frankreichs Eingang gefunden haben. Das narrative Grundmuster des Genre beur habe "sich durch die Filme der vergangenen zwei Jahrzehnte dem französischen Kino soweit eingeschrieben, dass auf allen Ebenen von Produktion und Rezeption innerhalb der medialen Mythologie des heutigen Frankreich darauf zurückgegriffen und damit gespielt werden kann. Nicht mehr nur die Vorstädte sind es, die von den Kindern der Immigration bestimmt werden, sondern die Kultur des Landes ist inzwischen auf vielfältige Weise von ihnen geprägt."
Cinéma beur von Dr. Cornelia Ruhe ist ein filmwissenschaftliches Buch, das einige wertvolle Erkenntnisse birgt, Erkenntnisse jedoch, die nicht voraussetzungslos zu erhalten sind, da die Lektüre bisweilen ein besonderes Maß an Konzentration voraussetzt sowie gute Kenntnisse des Französischen und des Englischen.
(Stefan Otto)
"Es handelt sich bei diesen Filmen", so Ruhe, "nicht mehr um eine lose Gruppe von Produktionen, die zufällig thematische Ähnlichkeiten aufweisen, sondern um ein eigenes Genre, das sich seinen Platz in der französischen Kinolandschaft inzwischen gegen alle Vorurteile erkämpft hat." Die Autorin belichtet und beschreibt das junge Genre, das sich nicht mit der simplen Variation einmal gesetzter Situationen zufrieden gibt, sondern sich in reger kritischer Auseinandersetzung mit Stereotypen und der französischen Gesellschaft befindet. Sie zeigt außerdem auf, inwieweit die Kenntnisse über bestimmte Erzähltechniken und -muster, über Charaktere und ihre Entwicklung, aber auch über Filmschauplätze wie die banlieue mit ihren eigenen Geschichten bereits heute ins kulturelle Gedächtnis Frankreichs Eingang gefunden haben. Das narrative Grundmuster des Genre beur habe "sich durch die Filme der vergangenen zwei Jahrzehnte dem französischen Kino soweit eingeschrieben, dass auf allen Ebenen von Produktion und Rezeption innerhalb der medialen Mythologie des heutigen Frankreich darauf zurückgegriffen und damit gespielt werden kann. Nicht mehr nur die Vorstädte sind es, die von den Kindern der Immigration bestimmt werden, sondern die Kultur des Landes ist inzwischen auf vielfältige Weise von ihnen geprägt."
Cinéma beur von Dr. Cornelia Ruhe ist ein filmwissenschaftliches Buch, das einige wertvolle Erkenntnisse birgt, Erkenntnisse jedoch, die nicht voraussetzungslos zu erhalten sind, da die Lektüre bisweilen ein besonderes Maß an Konzentration voraussetzt sowie gute Kenntnisse des Französischen und des Englischen.
(Stefan Otto)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Cinéma beur
Autor:
Cornelia Ruhe
Erscheinungsort:
Konstanz
Erscheinungsdatum:
2006
Seiten:
270
Verlag:
UVK Verlagsgesellschaft
ISBN:
3-89669-607-6
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