Auf Abwegen – Episodisches Erzählen im Film
Kinostart:
17.04.2006
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Gegen die Einförmigkeit
Episodenfilme üben auf ihr Publikum einen besonderen Reiz aus. Wahrscheinlich liegt es an ihrer Besonderheit: Eine kontinuierliche, fortlaufende Story verfolgen Episodenfilme meist nicht. Vielmehr verlaufen mehrere Handlungen parallel nebeneinander. Mal werde sie durch Berührungspunkte an einer oder mehreren Stellen miteinander in Verbindung gebracht – wie beispielsweise in Pulp Fiction. Oder sie werden, wie in Night on Earth, durch ein Thema, das den roten Faden zwischen den Episoden spannt, miteinander verbunden. Ab und an stehen Handlungen auch in gar keinem Zusammenhang, dann bildet vielleicht nur ein Ort – wie beispielsweise in Four Rooms – die Klammer. Nicht selten werden für solche Filme gleich mehrere Regisseure aktiv. Sie drehen je einen der Kurzfilme, die erst in der Postproduktion zu einem Gesamtwerk zusammen geschnitten werden.
Dank Karsten Trebers Auf Abwegen – Episodisches Erzählen im Film können sich (Episoden-)Filmliebhaber jetzt ausgiebig und wissenschaftlich mit dem Genre auseinandergesetzt. So lernt man hier, dass der erste Episodenfilm aus dem Jahre 1916 stammt, Intolerance heißt und D.W. Griffith Regie führte. Und wenngleich sich der Abhandlung eine beachtliche Filmographie anschließt, zielt das Buch „nicht darauf ab, eine umfassende Geschichte oder chronologische Entwicklung des episodischen Erzählens im Film zu erstellen“, erklärt Treber. „Stattdessen soll zunächst das ästhetische und philosophische Fundament des episodischen Erzählens“ erschlossen werden. Im zweiten Schritt wird „anhand einer Auswahl von bedeutsamen Filmbeispielen das konkrete Spektrum seiner bisherigen Ausdrucksmöglichkeit aufgezeigt.“ Alle Kapitel sind daher nach „thematischer und struktureller Verwandtschaft der Filmhandlungen“ geordnet, nicht nach chronologischer Abfolge.
Zugegeben, Auf Abwegen ist keine leichte Lektüre. Man sollte wissen, dass es sich dabei um die Dissertation von Karsten Treber handelt, mit der er 2003 an der Mainzer Universität promovierte. Somit ist Auf Abwegen ein Informationsgeladenes Fachbuch, das aber nicht nur Filmwissenschaftsstudenten Freude bereiten dürfte. Obwohl es klein gedruckt und mit zahlreichen Fußnoten versehen ist – so wie es sich für eine wissenschaftlich Arbeit eben gehört – liest es sich leicht. Dem Autor ist es gelungen wissenschaftlich zu bleiben – das beweist vor allem das Vorwort – und gleichzeitig einen Plauderton anzuschlagen. Auf Abwegen ist so leicht geschrieben, dass man unwillkürlich Seite um Seite weiter blättert und einfach weiter lesen möchte. Während des Lesens laufen vor dem inneren Auge die bekannten und geliebten Episodenfilme noch einmal ab. Einstellungen, Sequenzen und ganze Szenen werden auf einmal besser oder vielleicht erst wirklich verstanden. Kurz: Beim Lesen wächst die Lust sich die Filme noch einmal anzusehen; mit dem neu erworbenen Wissen, mit einem sensibilisierten Blick. Und was kann es für einen Filmliebhaber schöneres geben?
(Jasmin Haery)
Dank Karsten Trebers Auf Abwegen – Episodisches Erzählen im Film können sich (Episoden-)Filmliebhaber jetzt ausgiebig und wissenschaftlich mit dem Genre auseinandergesetzt. So lernt man hier, dass der erste Episodenfilm aus dem Jahre 1916 stammt, Intolerance heißt und D.W. Griffith Regie führte. Und wenngleich sich der Abhandlung eine beachtliche Filmographie anschließt, zielt das Buch „nicht darauf ab, eine umfassende Geschichte oder chronologische Entwicklung des episodischen Erzählens im Film zu erstellen“, erklärt Treber. „Stattdessen soll zunächst das ästhetische und philosophische Fundament des episodischen Erzählens“ erschlossen werden. Im zweiten Schritt wird „anhand einer Auswahl von bedeutsamen Filmbeispielen das konkrete Spektrum seiner bisherigen Ausdrucksmöglichkeit aufgezeigt.“ Alle Kapitel sind daher nach „thematischer und struktureller Verwandtschaft der Filmhandlungen“ geordnet, nicht nach chronologischer Abfolge.
Zugegeben, Auf Abwegen ist keine leichte Lektüre. Man sollte wissen, dass es sich dabei um die Dissertation von Karsten Treber handelt, mit der er 2003 an der Mainzer Universität promovierte. Somit ist Auf Abwegen ein Informationsgeladenes Fachbuch, das aber nicht nur Filmwissenschaftsstudenten Freude bereiten dürfte. Obwohl es klein gedruckt und mit zahlreichen Fußnoten versehen ist – so wie es sich für eine wissenschaftlich Arbeit eben gehört – liest es sich leicht. Dem Autor ist es gelungen wissenschaftlich zu bleiben – das beweist vor allem das Vorwort – und gleichzeitig einen Plauderton anzuschlagen. Auf Abwegen ist so leicht geschrieben, dass man unwillkürlich Seite um Seite weiter blättert und einfach weiter lesen möchte. Während des Lesens laufen vor dem inneren Auge die bekannten und geliebten Episodenfilme noch einmal ab. Einstellungen, Sequenzen und ganze Szenen werden auf einmal besser oder vielleicht erst wirklich verstanden. Kurz: Beim Lesen wächst die Lust sich die Filme noch einmal anzusehen; mit dem neu erworbenen Wissen, mit einem sensibilisierten Blick. Und was kann es für einen Filmliebhaber schöneres geben?
(Jasmin Haery)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Auf Abwegen – Episodisches Erzählen im Film
Autor:
Karsten Treber
Erscheinungsort:
Remscheid
Erscheinungsdatum:
2005
Seiten:
370
Verlag:
Gardez
ISBN:
3-89796-159-8
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