BÜCHER
Er hatte bereits vorher in zahlreichen Filmen gespielt und auf der Bühne schon mehrmals verschiedene Rollen in ein und demselben Stück übernommen. 1922 in Strindbergs "Ein Traumspiel", zum Beispiel, den Dekan, den Quarantänemeister, den Kohlenträger, den Polizisten und den Magister. Sein berüchtigster Film entstand jedoch 1940: "Jud Süß", und Werner Krauß übernahm in ihm gleich alle jüdischen Nebenrollen.
Auch die schönste Reihe hat einmal ein Ende. Nach den Bekenntnissen von Regisseuren, Schauspielern, Drehbuchautoren, Kameraleuten, Cuttern und Filmmusikern sind die der Produzenten nun die letzten. Schlussbekenntnisse überschreiben die Herausgeber Béatrice Ottersbach und Thomas Schadt daher auch ihr Vorwort im neuesten Band.
Der Titel dieses dicken Buches kann verwirren. Daher ist zunächst einmal zu klären, worum es sich handelt. "Groucho & Marx" enthält zwei Bücher von Groucho Marx von den Marx Brothers. An erster Stelle, mit Anhang fast 400 Seiten stark, die Autobiografie "Groucho und ich", die im Original "Groucho and Me" heißt und auf deutsch schon unter dem Titel "Die Schule des Lächelns" erschien.
Oskar Roehler und Justus von Dohnányi rücken ihn mit "Jud Süß - Film ohne Gewissen" wieder ins Licht: den Regisseur Veit Harlan und seinen berüchtigsten Film "Jud Süß" aus dem Jahr 1940. Roehlers Entscheidung, die historische Wahrheit nicht eins zu eins zu übernehmen und Figuren zur Geschichte hinzuzuerfinden, bildet einen umso stärkeren Anreiz, sich mit den Geschehnissen zu befassen, wie sie sich außerhalb filmischer Dramatisierung darstellen.
"Im Deutschunterricht lernt jeder ganz selbstverständlich mit Textanalysen umzugehen, um Literatur zu verstehen", schreiben Eva und Dirk Fritsch in der Einleitung zu ihrem Einführungsbuch (S. 10); Filme zu verstehen und die Filmanalyse zu beherrschen, werde allerdings bisher kaum gelehrt. Mit ihrem Buch "Filmzugänge. Strukturen und Handhabung" wollen die Autoren nun einen Beitrag dazu leisten, systematisch in die Praxis der Filmanalyse einzuführen und diese für den Schulunterricht nutzbar zu machen.
Dass sich der Vampir im Gegensatz zum Zombie nie so recht als gesellschaftlicher Seismograph eignete, sondern viel stärker den gesellschaftlichen Regress figürlich fortsetzte, hat vielleicht damit zu tun, dass sich in ihm idealtypisch die Ängste der Herrschaft vor ihrem Niedergang ausdrückten - früher wohl die Furcht der Aristokratie vor der Verschmelzung mit dem Bürgertum, heute sicher die Furcht des Bürgertums vor der Verschmelzung mit den unkeuschen Instinkten des Pöbels.
"Dream Land". Kein anderer Filmtitel sticht so häufig aus der bunten Pracht hervor. Kein anderer Titel repräsentiert die exotische Bilderwelt besser. Umrahmt wird der Schriftzug von dramatisch blickenden Frauen, finsteren Kerlen, einem Schwertkämpfer, einer Schlägerei und einem fliegenden Palast.
Das Motiv des Plots ist geradezu archetypisch: Marcel Prieur (Serge Reggiani), ein etwa 40-jähriger Hoteldirektor, verdächtigt seine schöne Frau Odette (Romy Schneider) des Ehebruchs, gar der Nymphomanie. Während einer langen Nacht erinnert er sich an ihr gemeinsames Leben und häuft auf den schmalen Grat, der die vertraute Geliebte von der betrügerischen Fremden trennt, allerhand Vermutungen und Verdächtigungen.
Der Spielfilm, die Dokumentation und die Animation ließen sich genaugenommen nie haarscharf voneinander trennen. Nicht umsonst erklärt der Spielfilmregisseur Rudolf Thome: "Ich mache Dokumentarfilme über Schauspieler, die Szenen aus einem Drehbuch spielen."
Literatur über Sergio Leone in deutscher Sprache ist rar. Was Bücher angeht, konnte man sich bislang schon glücklich schätzen, wenn man Zugriff auf Oreste De Fornaris "Sergio Leone" hatte, einer Übersetzung aus dem Italienischen von 1984. Jetzt endlich füllt sich die deutsche Leone-Lücke. Harald Steinwender schließt sie mit "Sergio Leone - Es war einmal in Europa" ganz vortrefflich.
Mit "Mach's noch einmal, Charlie!" hat Thomas Binotto vor drei Jahren eine Lücke auf dem Markt der Filmbücher geschlossen: Sein vielfach ausgezeichnetes Kinder- und Jugendbuch war ein Kinoverführer der besonderen Art, der mit leichter Sprache und voller Detailkenntnis den Kinobesuchern der Zukunft Grundzüge der Filmgeschichte und der unterschiedlichen Genres beibrachte.
Der Autor wahrt die Chronologie. Im ersten Satz seines lesenswerten Buches geht es um Andreas Dresens Geburt 1963, im letzten Kapitel um seinen bislang letzten Film "Whisky mit Wodka" von 2008. Dazwischen porträtiert David Lode Dresen als einen Filmemacher, der seine Biografie und natürlich seine Erfahrungen in seine Arbeit einbringt, der jedoch kein Autorenfilmer ist, der selbst im Zentrum seiner Filme stünde.
Er gilt als schwierig, als sperrig, als unbequem. Trotz einer eindrucksvollen Karriere als Filmemacher mit hohem Anspruch, dessen Karriere unlängst vom Gewinn der Goldenen Palme in Cannes für sein neues Werk "Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte" gekrönt wurde, sind viele Journalisten und Cineasten nie so recht warm geworden mit Michael Haneke. Und das liegt nicht zuletzt auch an seinen Filmen, die so ganz anders sind als vieles, was man sonst so im Kino zu sehen bekommt.
   
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