13 05/07

The Spectacular Now

Teenie-Filme kommen und gehen. Ist man in der ähnlichen Altersgruppe, können sie wie das ganz große Kino erscheinen. Mit der Weisheit des Alters erkennt man jedoch, dass man früher doch allerhand Quatsch toll fand. Eine Ausnahme gibt es aber schon: Die Filme von John Hughes sind zeitlos schön. Weil er wie kein anderer verstand, das jugendliche Gefühl, diese Mischung aus Angst, Selbstzweifel und grenzenloser Überschätzung, auf die Leinwand zu bringen. James Ponsoldt erweist sich als würdiger Nachfolger Hughes'. Sein The Spectacular Now ist kein Malen-nach-Zahlen-Film, er hat Tiefgang.

Sutter Keely ist im letzten Jahr auf der High School, charmant, selbstbewusst, eine Stimmungskanone, der coole Hund, mit dem jeder gerne befreundet wäre. Er lebt im Hier und Jetzt, die Zukunft interessiert ihn nicht. Ansonsten müsste er sich auch seinem Alkoholproblem stellen. Nachdem ihn seine Freundin sitzen ließ, schüttet er sich zu, wacht auf dem Rasen auf und sieht Aimee über sich. Sie ist anders, das nette Mädchen von nebenan, das leidenschaftlich gerne Science Fiction liest, keinen Freund hat und von einer Zukunft träumt. Ungleicher könnten zwei Menschen nicht sein, aber es funkt.

Ein konventioneller Film würde altbekannte Routinen abspulen. Er ist der coole Kerl, sie das Mauerblümchen, das hier jedoch kein Erweckungserlebnis braucht. Sie ist unscheinbar, aber nicht verhasst. Er ist cool, aber nicht der beliebteste Kerl der Schule. Schon in der Charakterisierung läuft The Spectacular Now üblichen Genre-Normen entgegen. Was anfangs ein süßer, netter Film ist, erlangt im Verlauf seiner Geschichte Tiefgang. Als Sutter und Aimee das erste Mal miteinander schlafen - dargestellt auf eine ehrliche, authentische Art und Weise, die weit abseits von Hollywood-Klischees stattfindet - verändert sich die Stimmung. Man merkt, wie Aimee sich ganz und gar in Sutter verliebt, erkennt aber auch, dass er, der antriebslose Kerl ohne Zukunft und mit einem gewaltigen Alkoholproblem, nicht gut für sie ist. Weil er auf sie wirkt, weil er korrumpiert, weil er sie von ihrem Weg abbringt. Anders als Sutter hat Aimee eine Zukunft. Seine Zukunft zeigt sich, als er seinem Vater, einem Trinker, begegnet.

The Spectacular Now erscheint an der Oberfläche wie ein typisches Rührstück, das die Botschaft mit dem Holzhammer darbietet. Nur: Es gibt keine Botschaft, und schon gar keine Predigt. Der Film verdammt nicht, heißt aber auch nicht gut. Er zeigt ein Stück Leben, so wie es ist, wie es sein kann, wie es hundertausendfach überall auf der Welt ist. Am Ende gibt es keine große Offenbarung, keine Erleuchtung und schon gar keine extreme Veränderung der Hauptfiguren. Ponsoldt schließt mit einem Funken Hoffnung ab, aber er lässt offen, ob es für Sutter mehr als nur das spektakuläre Jetzt geben wird. Ja, The Spectacular Now ist ein Teenie-Film, aber einer für Erwachsene.

(Peter Osteried)