Drug War - Filmfest München 2013 Blog - kino-zeit.de - das Portal für Film und Kino
13 06/07

Drug War

Bei Johnnie To erwartet man handfeste Shootouts, virtuose Feuergefechte, stilisierte Action, nach der man sich alle Finger ableckt. In Drug War muss man darauf lange warten, setzt To in seinem ersten auf dem chinesischen Festland gedrehten Film doch mehr auf Thriller-Elemente und präsentiert ein Procedural, das zeigt, wie große Fische im Drogengeschäft eingesackt werden.

Captain Zhang geht ein mittelgroßer Fisch ins Netz. Der Drogenhersteller bietet jedoch einen Deal an, da er nicht sterben will. Er liefert Bill Li, einen der ganz großen Drogenmagnaten, ans Messer. Doch das elaborierte Spiel, das nötig ist, um Li auch dingfest zu machen, erweist sich als äußerst gefährlich.

Irgendwo in Drug War schlummert ein richtig guter Film. Möglich, dass das entsprechende Skript in Tos Schublade liegt, mit einem „Abgelehnt"-Stempel der chinesischen Zensurbehörde darauf. Das Ergebnis hat mit diesem guten Film aber nicht mehr viel gemein. Die Geschichte ist ganz und gar verfahren, die Authentizität, die der Film anfangs noch verströmt, wird auf dem Altar filmischer Konvention geopfert. Für einen Baukastenfilm nach Schema F reicht das, was Drug War bietet, bei To erwartet man aber ungleich mehr als ein Werk, das von halbgaren Figuren bevölkert ist, die das Ganze zur Farce werden lassen; so wie der unglaublich nervige Gangster Haha, der seinen Spitznamen bekommen hat, weil er ständig mit einem falschen Lachen aufwartet.

Auf Tos ganze Stärke, fulminante Action, muss man dann ziemlich lange warten. Das bleihaltige Finale ist "Heroic Bloodshed" in Reinkultur: voller Pathos, grimmig und mitreißend. Das rettet den wirren Film zwar auch nicht, sorgt aber für eine die Stimmung hebende Schlussnote.

(Peter Osteried)