12 25/05

Room 237

Verdammt nochmal, denkt man sich, wenn man Room 237 anschaut, wieso hab ich das nie gesehen? Die Antwort darauf lautet, weil man den Film nicht um die 80 Mal gesehen hat, wie die fanatischen Fans von Stanley Kubricks The Shining, die Rodney Aschers Dokumentarfilm bestücken. Nur wenige andere Filme erhitzen über dreißig Jahre nach ihrer Veröffentlichung noch immer so die Gemüter wie The Shining.

Rodney Ascher, Dokumentarfilmdebütant hat sie aufgespürt, verfolgt und interviewt, die Verrückten, die Verschwörungstheoretiker, die Menschen, die meinen sie haben ihn entschlüsselt, diesen komischen Film. Eins ist klar, schon direkt nach der Entstehung sorgte der Film für Wirbel. Stephen King, Autor der Romanvorlage hat ihn gehasst und es heißt, er hätte danach nie wieder ein Wort mit Kubrick gewechselt. Zuschauer waren verstört von dem Film, die Erzählungen von den Dreharbeiten des fanatischen Regisseurs klangen mehr nach sadistischer Quälerei. Ganze 148 Mal soll er eine Szene gedreht haben, bis sie so war, wie er sie wollte.

Bei all dieser Penibilität ist es umso erstaunlicher, dass The Shining unzählige Filmfehler aufweist. Gegenstände verschwinden oder ändern sich, Teppichmuster wandern von links nach rechts, die Schreibmaschine ändert ihre Farbe. Das muss System haben, das muss eine Nachricht an die Zuschauer sein. Nur welche? Fünf verschiedene Interpretationen fünf verschiedener Menschen porträtiert Ascher in seinem 104 Minuten langen Werk. Zu Gesicht bekommt man sie nicht, nur ihre Stimmen hört man, die eins zu eins aus den Interviews geschnitten wurden, die Ascher mit ihnen führte - Fehler und weinende Kinder im Hintergrund inklusive.

Das gibt dem Film natürlich Authentizität und bestärkt hier und da, dass es sich um ansonsten wohl normale Menschen handelt, von der The Shining Obsession mal abgesehen. Die Worte interpretiert Ascher mit Filmausschnitten, die entweder auf den Inhalt des Gesprächs eingehen oder dieses frei interpretieren. Das ist eine gute Wahl den Zuschauer bei der Stange zu halten und auch ein wenig Abstand zu gewinnen, denn manchmal gehen die Theorien dann doch ein wenig zu weit. Aber was ist es denn jetzt was Kubrick sagen wollte? Na, dass die Amerikaner einen Genozid an den Indianern begangen haben. Nein, falsch! Die Apollo 11 Mondlandung ist schuld. Die musste Kubrick nämlich inszenieren und seine Schuldgefühle hat er dann im Film untergebracht. Oder warum sonst trägt der kleine Junge einen Apollo 11 Strickpulli? Aber nein, nein! Es geht natürlich um den Holocaust. Das ist doch ganz klar. Oder doch eher um sexuelle Repression? Aber wenn ja, von wem? Den Zuschauern? Kubrick?

Was auch immer man von den Interpretationen hält, Room 237 sorgt auf jeden Fall dafür, dass man sich den Originalfilm dringend noch einmal anschauen will. Die Hinweise und detaillierten Auseinandersetzungen lassen The Shining in einem ganz anderen Licht erscheinen, doch Geduld muss man haben. Denn wie alle Fanatiker, reden die fünf Protagonisten gern viel und lang und Ascher hat es nicht geschafft ihre Aussagen zu raffen und den Spannungsbogen zu halten. Das macht irgendwann ein wenig mürbe und treibt den Film in unnötige Längen.

Doch eines bleibt. Was wollte Kubrick jetzt mit all dem sagen? Und ist das überhaupt wichtig?

(Beatrice Behn)