12 15/02

Zarafa

Zarafa beruht lose auf der wahren Geschichte einer gleichnamigen Giraffe, die im Jahre 1827 nach einer zweijährigen Reise europäischen Boden betrat. Sie war ein Geschenk an den damaligen französischen König Karl X. und die erste nach der so genannten "Medici Giraffe", die die strapaziöse Reise von Afrika nach Europa lebend überstanden hatte. Danach wurde sie achtzehn Jahre lang in Paris im Jardin des Plantes beherbergt und nach ihrem Tod schließlich ausgestopft und im Museé du Histoire in La Rochelle ausgestellt.

Zarafas Leben (und Leiden) wurde bald zur Grundlage für verschiedene Bücher, unter anderem einem Kinderbuch von Adam Jaromir, auf dem der gleichnamige Film ebenfalls basiert. Die tatsächlichen Umstände spielen hier nur noch peripher eine Rolle, Zarafas Geschichte wird ganz in der Tradition Walt Disneys mit vielen weiteren "bunten" Charakteren angereichert und das so sehr, dass der Film eigentlich eher "Maki" heißen sollte. Denn eben dieser Maki, ein kleiner afrikanischer Waisenjunge, ist die eigentliche Hauptfigur. Nachdem er und eine Freundin von Sklavenhändler gefangen genommen wurden, kann sich der Knirps befreien und fliehen. Dabei trifft er auf Zarafa, hier noch ein Jungtier, und deren Mutter. Diese wird ganz der Disney'schen Bambi Tragik entsprechend von den Sklavenhändlern erschossen, was dazu führt, dass Maki der kleinen Zarafa ewige Treue schwört. Als diese dann vom Beduinen Hassan eingefangen wird, um sie als Geschenk nach Frankreich zu bringen, folgt Maki dem Tier auf Schritt und Tritt und landet letztendlich selbst in Europa.

Zarafa ist traditionell in 2D produziert und wurde von einigen der derzeit besten Animationskünstler hergestellt, die auch schon für Filme wie Ratatouille, UP, The Incredibles und Kiriku zeichneten. Handwerklich ist der Film perfekt und wunderbar anzusehen. Doch inhaltlich gibt es weniger Grund zur Freude. Je länger man Maki und Zarafa auf ihrer Reise folgt, desto mehr fällt auf, dass der Film mit einer Unmenge Klischees über die verschiedenen Kulturen und Völker hantiert. Natürlich stimmt es, dass zumindest physiognomisch der Animationsfilm die Übertreibung und Stereotypisierung als ästhetisches Mittel wahrnimmt. Doch spätestens im Inhalt und der Handhabung der Charaktere wird es doch recht grenzwertig. Der feilschende Araber, der unterernährte, ungebildete Afrikaner, der aber ein fast schon magisches Verhältnis zur Natur und den Tieren hat, der adipöse Europäer, die hysterischen Frauen, die der Rettung bedürfen - die Liste ist der klischeehaften Darstellung ist lang; viel zu lang, um diesen Film ungefiltert und ohne Kommentar seinen Kindern zu zeigen.

So bleibt Zarafa ein hübsch anzuschauender Film, der aber auf jeden Fall mit Vorsicht zu genießen ist.

(Beatrice Behn)

Foto (C) Pathé

Partner

  • Deutsche Film- und Medienbewertung
  • Arthaus Filme
  • Filmförderung Baden-Württemberg
  • Filmfest München
  • Festival Scope