What Is Love

13. Februar 2012

What Is Love? Was Liebe ist und wie man sie am besten lebt, darüber wird sich schon seit Menschengedenken gestritten. Ruth Maders neuer Dokumentarfilm versucht dieses weite Feld in minimalistischen Kurzepisoden mit verschiedenen Protagonisten abzuklopfen. Sie zeigt Menschen in verschiedenen Lebenslagen, mit verschiedenen Lebensentwürfen, die recht typisch scheinen für das in Westeuropa, bzw. in diesem Fall Österreich vorherrschende Gesellschaftsgefüge. Vom Kameraausschnitt stark eingerahmt werden sie gezeigt, die Kandidaten, die Mader sich aussuchte und die laut Regisseurin "den normalen Bürger" im Alltag zeigen sollen. Die Kameraarbeit ist geradezu schablonenhaft, keine schlechte Idee, denn die streng inszenierten Bilder halten zu allen den gleichen Abstand und verknüpfen in ihrer kühl-analytischen Ästhetik die zum Teil doch sehr verschiedenen Episoden und Menschen miteinander.

Und da sind sie nun, die "Normalbürger" in ihren "Normalleben", beides Begriffe, die natürlich einer großen Subjektivität entspringen. Die junge Augenärztin, die den Film eröffnet, ist Single. Sie spricht kaum, ist fast immer allein, außer sie nimmt teil am regen Familienleben ihrer Schwester. Doch auch hier bleibt sie Beobachterin. Der Finanzmakler - Haus, zwei Kinder, Ehefrau - ist kurz davor all das zu verlieren, denn der Job ist ihm wichtiger geworden, seine Liebe ist ihm entschwunden. Ein etwas älteres Ehepaar wählt den Weg der "gewaltfreien Kommunikation". Ein Priester versucht Gottes Liebe an Menschen weiter zu geben, doch seine Gemeinde veraltet und stirbt aus.

Einige dieser recht disparaten Teilgeschichten enden, wenn es gerade spannend zu werden verspricht, andere sind eher verstörend und wollen sich nicht so recht erschließen. Und je länger man sich die einzelnen Episoden ansieht, desto mehr rücken sie ab von der eigentlichen Frage nach Liebe und nähern sich mehr der Problematik zwischenmenschlicher Kommunikation an. Ist es das, was Liebe eigentlich ist? Ein Gefühl, im Grunde aber Kommunikation im Alltag? Fest steht eines: Die nicht kommunizierenden Protagonisten haben keine oder verlieren sie gerade. Und die Kommunikationsstarken? Die Antwort darauf mag für jeden Zuschauer eine andere sein - und genau darauf, so scheint es, will der Film auch hinaus.

Doch ein etwas eigenartiger Nachgeschmack bleibt und er betrifft den Wunsch, dass hier "normale" Bürger gezeigt werden. Mit Ausnahme einer Episode sind Maders Protagonisten allesamt gutbürgerlich, heteronormativ und gut betucht. Nur eine Familie kommt aus der Arbeiterschicht und wird bei ihrer Tätigkeit in einer Fabrikhalle gezeigt. Ein Dokument durchschnittlicher Lebensumstände in der jetzigen westlichen Gesellschaft ist dieser Film definitiv nicht.

(Beatrice Behn)

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