Keyhole
13. Februar 2012
Wer schon einmal einen Film des kanadischen Filmemachers Guy Maddin gesehen hat, weiß, dass es keine Vorbereitung auf das gibt, was einen erwarten wird. Bei Maddin bleibt nur eins, man muss sich dem Film ergeben und keine Fragen stellen oder Erklärungen suchen, sondern ihn einfach aufsaugen wie einen Traum.

Keyhole, sein erster nicht autobiografischer Film seit langer Zeit, enthält alle typischen Ingredienzien und auch Maddins sehr eigene Handschrift als Auteur. Gedreht ist er, wie immer, in schwarz/weiß, eine angenehme Komponente, denn ansonsten ist nichts schwarz/weiß in seinen Filmen. Maddins Ästhetik ist geprägt von seiner Vorliebe für frühe Filmkunst, seine Geschichten sind verwobene Konstrukte aus Traum und Wirklichkeit mit viel Melancholie aber auch Humor und stets mit einem definitiven psychosexuellen Unterton. Kurz gesagt, Maddin ist einer der wenigen Filmemacher, die eine ganz eigene Handschrift haben und dieser treu bleiben. Und diese muss man mögen oder zumindest akzeptieren können, dann wird man große Freude an seinem Werk haben.

Keyhole vereint all diese Attribute und erzählt von einer Odyssee, nur auf einem viel engeren Terrain, welches im Gegensatz zu Homers Original geradezu mikroskopisch klein wirkt. Hauptcharakter der Geschichte ist ein Haus, in dem es spukt. Zahlreiche umherirrende Verwandte von Ulysses (Jason Patric) fristen hier ihr Dasein bis der Hausherr eines Tages zurückkehrt, um an sein Leben in diesem Totenhaus zu erinnern.
Ulysses kommt nicht allein, er bringt seine Gangsterbande, ganz im Stile alter Film Noir Klassiker mit. Auch dabei, seine französische Geliebte, ein blindes Mädchen, welches ertrunken ist, aber auf wundersame Weise zurückkehrte, um ihn zu führen und ein Junge, gefesselt und geknebelt. Ulysses beginnt seine Odyssee durch Schlüssellöcher auf der Suche nach seinen toten Kindern und seiner toten Frau Hyacinth (Isabelle Rossellini), die sich als Geist mit seinem Erzfeind vergnügt und ihren nackten Vater als Beschützer an ihr Bett gekettet hat.
Die Zusammenfassung lässt es schon erahnen, Keyhole ist kein Film dessen Narrativ als solches Sinn macht. Vielmehr bewegt sich Maddin hier auf vielschichtigen Metaebenen, die es eher zu erfühlen, als kognitiv zu erfassen gilt. Seine Geschichten sind Traumbilder, die der Zuschauer ganz ähnlich einem Psychoanalytikers deutet und sich daraus die eigentliche, die psychologische Geschichte erarbeitet, die Maddin da erzählt. Diese Art von Mitarbeit ist anstrengend aber lohnend und benutzt die Filmkunst auf eine ganz andere Art und Weise, die mitunter Tiefen erreicht, die das normale Erzählkino nur oberflächlich anzukratzen vermag.
(Beatrice Behn)









