11 17/02

Kampf der Königinnen

Lampenfieber kennen sie nicht. Gelassen blicken die Hauptdarstellerinnen in die Kamera. Wenn andere Damen auf Wettbewerben gegeneinander antreten, mag es hinter den Kulissen Eifersucht und Konkurrenz geben. Dergleichen ist Dominga, Shakira, Melancholie und den anderen Protagonistinnen fremd, die in Nicholas Steiner Dokumentarfilm zum Kampf der Königinnen antreten.

Doch stille Wasser gründen tief. Vorbilder an Friedfertigkeit sind die potentiellen Siegerinnen, wenn sich die Hand eines Kleinkindes ihnen neugierig entgegenstreckt. Doch sie können auch anders. Stehen sie einander im Ring gegenüber, krachen ihre Schädel zusammen, dass die Glocke läutet. Nicht die Ringglocke, sondern die Kuhglocke, denn die Königinnen sind Kühe. Zum Kampf der Königinnen steigen die Huftiere in den Ring, während ihre Besitzer bangend die Daumen drücken. Friedlich und verlassen liegen die Almen in der südlichen Schweiz. Die Wiederkäuer haben an diesem Morgen wichtigeres vor, als Milch zu geben. In stoischer Ruhe verzehren die Konkurrentinnen vor dem Wettkampf ihr gemeinsames Mahl. Vegetarische Kost, Kohlenhydrate und Vitamine, nur nichts, dass vor dem Kampf den Magen belastet.

In ihren massigen Körpern liegt eine verborgene Grazie, die sich erst auf dem Wettbewerbsplatz enthüllt. Steiner beobachtet die Kuh-Kombattanten und ihre menschlichen Trainer in seiner ungewöhnlichen Heimatreportage. Die Kühe stehen im Mittelpunkt der skurrilen Dokumentation, die der Schweizer Filmemacher Nicolas Steiner in der Perspektive Deutsches Kino auf der Berlinale vorstellt. Eine jugendliche Moped-Gang, der Radioreporter, für den die Berichterstattung über den Wettstreit der erste große Auftrag ist, und die bäuerlichen Besitzer sind Nebenfiguren am Rande des Rings. Es kann nur eine geben. Das Schicksal von Landwirt und Nutztier sind eng miteinander verflochten, wenn die Kuhglocke zum Kampf der Königinnen läutet.

Respekt vor der Tradition und stiller Humor gehen Hand in Hand in dem sympathischen Blick auf den außerhalb der Schweiz fast unbekannten Brauch. "Meiner Mutter geht's gut, mir geht's gut, meiner Kuh geht's auch gut", gibt schon vorab einer der Protagonisten den milden Ton der Inszenierung vor. Aber Vorsicht! "It´s kuhl, Männ."

(Lida Bach)

Fotos © Markus Nestroy

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