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13 14/02

Auch dicke Kinder brauchen Hoffnung! - Ein Interview mit Ulrich Seidl

Im Wettbewerb der Berlinale zeigt Regisseur Ulrich Seidl den Abschluss seiner Paradies-Trilogie, Paradies: Hoffnung. Dier ersten zwei Teile, Paradies: Liebe und Paradies: Glaube feierten ihre Premieren auf den Festivals von Cannes und Venedig. Beatrice Behn sprach für kino-zeit.de mit dem österreichischen Filmemacher.

War das eigentlich der Plan die drei Filme auf drei Festivals zu verteilen?
Eigentlich nicht. Ich hatte Angebote aus Venedig für alle Teile aber wenn man alle drei Filme auf einem Festival lanciert, ist ja medial gesehen gar kein Platz. Mit dem Strecken auf drei Festivals kam jetzt also niemand an den Filmen vorbei in den letzten acht Monaten. Wir waren immer im Gespräch. In Österreich und Deutschland sind wir dauernd in den Medien. Ganz geschickt, oder?


Allerdings! Sollte man die drei Filme eigentlich alle drei nacheinander sehen? Oder brennen Einem dann die Synapsen durch?
Man sollte beides tun. Sie erst allein sehen und dann im Block. Ich habe das auch selber schon ausprobiert und es ist halt noch einmal ein anders sehen, alle drei Filme so nacheinander zu schauen. Da entwickelt man dann noch mal eine ganz andere Emotion und sieht noch mehr der Querverbindungen zwischen den einzelnen Teilen.


Und wenn man die Reihenfolge tauscht?
(energisch) Nein! Die Reihenfolge ist so wie sie ist richtig! Das kann ich aber nur emotional und dramaturgisch begründen, nicht inhaltlich. Ich habe lange Zeit probiert, erst Liebe, dann Hoffnung und dann Glaube zu machen, aber dann wäre der härteste Film am Schluss und das ist zu viel. Und so ist jetzt der leichteste Teil am Schluss - und Hoffnung am Ende ist ja grundsätzlich gut.


Wo ist jetzt die Hoffnung im Paradies: Hoffnung? Denn auf den ersten Blick sieht das alles recht trostlos aus: dieser verlassene Ort, die dicken Kinder im Camp...
Auch dicke Kinder brauchen Hoffnung! Man muss zuerst sagen, dass wenn es um Kinder und Jugendliche geht, dann hat die Hoffnung immer ein größeres Potential. Und man darf das glaube ich nicht so streng sehen. Also die Hoffnung kann man hier auf alle drei Filme anwenden. So wie man überhaupt die Titel austauchen könnte, denn alle drei Filme beinhalten Liebe, Glauben und Hoffnung. Und natürlich macht die Melanie (die Hauptfigur in Paradies: Hoffnung, AdR.) im Film die Erfahrung einer enttäuschten Liebe aber auch das macht dann doch wieder Hoffnung auf was Neues.


Und dann singen die dicken Kinder aber auch "If you are happy and you know it, clap your fat" und schlagen sich auf den Hüftspeck. Sind die Filme bewusste Provokation oder bewusste Ironie?

Witz ist da schon beabsichtigt aber nicht gesteuert. Ich mache kein e Pointen wo dann alle lachen sollen. Das Lachen und wann man lacht, hängt von einem selber ab. Es hat oft damit zu tun, dass da Dinge passieren, die einem peinlich sind weil meine Filme so angelegt sind, dass sie sich immer auf den Zuschauer zurückbeziehen. Die Filme sind ein unangenehmes Spiegelbild. Die Provokation kommt da von allein. Mich stört sie nicht. Spannend ist aber, dass sehr oft mit ganz normalen Dingen die Provokation entsteht. Denn eigentlich erzähle ich ja nur normale Wahrheiten, nicht?


Ja, aber die knallen sie dem Publikum ins Gesicht. Sie heben ja die Distanz auf und dann muss man auch mal Lachen, um wieder ein wenig Abstand zu bekommen.

Es soll ja was emotional bewegen. Und zwar nachhaltig.

(Beatrice Behn)

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