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16 16/02

"Ted Sieger's Molly Monster" von Matthias Bruhn, Michael Ekblad und Ted Sieger

Molly Monster ist ein Einzelkind. Noch. Sie lebt mir ihrem Papa Popo und ihrer Mutter Etna gemütlich und glücklich in ihrer Monsterwelt: Auf dem einen Hügel schläft und spielt sie, nebenan auf den Hügeln sind Küche und schließlich elterliches Schlafzimmer verteilt. Nun hat sich aber Du-weißt-schon-was angekündigt, und Molly hat für ihren kleinen Bruder – oder ihre kleine Schwester – eine Mütze gestrackt, die das Ei warmhalten soll. Ihr bester Freund, das Aufziehspielzeug Edison, ist allerdings recht eifersüchtig ...


(Bild aus Molly Monster von Matthias Bruhn, Michael Ekblad und Ted Sieger; Copyright: Global Screen)

Wer Molly Monster nicht kennt, zum Beispiel vom Sandmännchen her, soll sich nicht grämen, sondern sollte sich eher ein paar Kinder zulegen – oder heimlich ein paar Folgen der Zeichentrickserie ansehen, die erfreuen auch das Elternherz. Für den Kinofilm Molly Monster haben sich nun die Regisseure Ted Sieger (von dem die Figur ursprünglich stammt), Michael Ekbladh und Matthias Bruhn eine etwas umfangreichere Handlung (Drehbuch: John Chambers) vorgenommen, diese aber auch nicht über sehr vorschulkindertaugliche siebzig Minuten hinweg ausgewalzt. Das ist wohltuend straff in eng miteinander verwobenen Episoden erzählt und zugleich so locker gestrickt, pardon: gestrackt, dass es die Aufmerksamkeitsspanne auch jüngerer Zuschauerinnen und Zuschauer nicht überfordert.

Sobald das Ei nämlich gelegt ist, müssen Popo und Etna Monster aufbrechen zur Eierinsel, wo traditionell alle Monster zur Welt kommen – dummerweise vergessen sie im Durcheinander Mollys Geschenk, und so bricht sie mit Edison sofort auf, die Mütze hinterherzubringen. Zumal sie eh nicht einsieht, warum sie, bitteschön, nicht mit auf die Insel darf.

So stapft das selbstbewusste, nassforsche und sehr sympathische Monsterkind (dem Sophie Rois wunderbar ihre Stimme leiht) durch eine Welt, die den Wert des klassischen 2D-Zeichentricks hochhält; in der an jeder Ecke Musik und Gesang tönen, eingängig, aber nie langweilig; und wo sich immerzu neue Phantasieblüten öffnen, so dass man aus dem Staunen und Freuen schier nicht herauskommt.


(Bild aus Molly Monster von Matthias Bruhn, Michael Ekblad und Ted Sieger; Copyright: Global Screen)

Ein Briefkasten macht sich, kaum hat man eine Postkarte eingeworfen, selbst auf den Weg zum Empfänger. Am Berge leben seltsame Kitzelwesen, die Molly unter großem Gelächter und Gekicher bis zum Gipfel eskortieren. Und allein das Gefährt, mit dem Mollys Eltern sich auf ihre Reise begeben, ist ein kleines Feuerwerk der Ideen: Etna fährt und steuert, während Popo hinten auf einer gefederten Plattform das Ei ausbrütet – denn das ist selbstverständlich Aufgabe des Vaters.

Ganz nebenher werden bei Molly Monster so (und anders) klassische Rollenverteilungen und Arbeitsverhältnisse ausgehebelt, ohne auch nur einen klitzekleinen gehobenen Zeigefinger abzuleiten: Hier ist alles ganz selbstverständlich monstermäßig besonders; und wie nebenher verhandelt der Film am Beispiel von Edison die Frage, ob die Ankunft eines Geschwisterkindes Anlass zu Eifersucht sein muss. Man sollte nicht vergessen, dass das für ein Kind ein Ereignis ist, das seine ganze Welt durcheinanderwirft – Molly Monster thematisiert das wie nebenbei, und zieht dann doch aus der Auflösung den emotionalen Schlusspunkt der Geschichte.

Während viele Animationsfilme heute eher versuchen, weiter, größer, schneller zu agieren, immer mit dem Blick auf actiongeladene amerikanische Produktionen, setzt Molly Monster mit viel Ruhe und Gelassenheit einen klaren Kontrapunkt, der sich ganz auf kleine Momente und kleine Protagonistinnen verlässt. Ein Glück.

(Rochus Wolff)

Ted Sieger's Molly Monster läuft am Mittwoch (17.02.) um 10.00 Uhr im Filmtheater am Friedrichshain.

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