15 05/02

Paper Planes

Das Kinder- und Jugendfilmfest der Berlinale an weist in diesem Jahr eine hohe Dichte - bzw. genauer: spürbare Leerstelle - an abwesenden Eltern auf, und der Eröffnungsfilm der Kinderfilmsektion "Generation Kplus" macht da keine Ausnahme - allerdings nimmt er sich, das unterscheidet ihn von den ernsthaften Dramen, die ringsumher zu finden sind, seinem Thema sehr leichtfüßig an.


(Bild aus Paper Planes, Copyright: Jane Bennett)

Paper Planes erzählt die einigermaßen phantastische Geschichte des elfjährigen Dylan (Ed Oxenbould, den man schon in zweimal auf der Berlinale sehen konnte), der eher zufällig bei einem Wettbewerb an seiner Schule irgendwo in der australischen Provinz einen wirklich sehr weit fliegenden Papierflieger faltet - und sich damit sofort für die nächste Ausscheidung, dann den Landeswettbewerb und schließlich die Weltmeisterschaft in Tokio qualifiziert. Den Ton setzt dabei schon der Vorspann, der einzelne Arbeitsschritte einer voll automatisierten Papierfabrik zeigt - unterlegt mit einem sehr fröhlichen Song, von dem vor allem die Worte "there's beauty in the world" hängen bleiben: Die Welt ist voller Schönheit.

So sind die meisten Konflikte, auf die Dylan trifft, auch sehr kindgerecht harmlos: Bei seiner Suche nach dem richtig gestalteten Flieger (denn nach dem ersten Zufallstreffer landen alle seine Faltversuche spätestens nach wenigen Metern auf der Nase) helfen ihm sein Lehrer und vor allem sein Großvater, der im Zweiten Weltkrieg noch Kampfpilot war und sich nun mit viel Schalk im Nacken nicht in seinem Seniorenheim einschließen lässt. In einer der komischsten Szenen des Films bricht er mit seinem Enkel in ein Flugzeugmuseum ein, um ihn auf einen imaginierten Flug in dem Flugzeugtyp mitzunehmen, mit denen er gegen Hitlerdeutschland flog.


(Bild aus Paper Planes; Copyright: Jane Bennett)

Die einzigen echten Probleme sind ein hyper-ehrgeiziger Junge, den Dylan gleich auf seinem ersten größeren Wettkampf trifft - und der Umstand, dass Dylans Vater sich nach dem Tod seiner Frau völlig hängenlässt. Sam Worthington spielt Jack mit einer wohltuenden Mixtur aus lethargischem Schmerz und echter, etwas hilfloser Liebe für seinen sehr lebendigen, wenn auch etwas nerdigen Sohn. Ihm ist im Wesentlichen zu verdanken, dass Papierflieger nicht stellenweise zu einem Rührstück gerät.

Komplexes Charakterkino ist es gleichwohl natürlich nicht; die kleine Japanerin Kimi, die Juniorenmeisterin in Japan ist, bringt Dylan bei, dass es nicht ums Gewinnen gehen sollte, sondern darum, etwas Schönes zu schaffen - solche Kalenderblattsprüche wirken aus dem Mund präpubertärer Kinder doch etwas sehr aufgesetzt. Und vielleicht ist Dylans freundliche, stets besonnene Art auch ein ganzes Stück zu zen-artig erwachsen.


(Trailer zu Paper Planes)

Aber das kann einem auch ein wenig egal sein - denn in Paper Planes geht es, die Kamera stürzt sich immer gleich mit in die Lüfte, mit Jagdbombern, Greifvögeln und Papierflugzeugen - um den entfesselten Flug der gefalteten Kunstwerke, und natürlich einfach darum, eine lockere und leichte Geschichte zu erzählen: ein bisschen Abenteuer, ein bisschen Gefühl, das alles aber in so wohl dosierten Mengen und so gekonnt dargeboten, dass daraus einfach anderthalb Stunden schöne Unterhaltung werden.

(Rochus Wolff)