15 13/02

Goldenes Königreich

Es beginnt und endet mit dem Feuer eines Streichholzes - und dass in Goldenes Königreich "modernere" Formen der Beleuchtung praktisch keine Rolle spielen, unterstreicht noch einmal mehr, wie aus der Zeit gefallen, nicht klar in der Historie positioniert dieser Film wirkt, wie abgeschieden auch sein Handlungsort ist.


(Filmbild aus Goldenes Königreich, Copyright Bank & Shoal)

Irgendwo in den Bergen und Wäldern von Myanmar wohnen die vier jungen Novizen, Kinder noch, mit einem älteren Mönch gemeinsam in einem kleinen Kloster. Hier meditieren und beten sie, werden unterrichtet, arbeiten und albern herum; jeden Tag kommt ein Mann aus dem nächstgelegenen Dorf mit ein wenig Essen - es soll, so sagen sie, genug sein, den Körper zu erhalten und sich dem spirituellen Leben zu widmen, nicht mehr, nicht weniger.

Dann erhält der Abt einen Brief - ein spürbarer Fremdkörper ist seine Ankunft, sie wird fast unheilvoll in Szene gesetzt: Er muss sich in die Hauptstadt begeben, wofür und für wie lange - das verrät er nicht. Die Jungen sind auf sich gestellt, natürlich wird weiterhin das Essen gebracht. Aber im Tal sind auf einmal Schüsse zu hören, niemand bringt ihnen zu essen. So kommt Unruhe in ihr Leben, der Älteste, Witazara (Shine Htet Zaw trägt den Film fast im Alleingang), macht sich schließlich auf den Weg, um Hilfe zu holen.

Das wird natürlich eine Reise, die weniger Fortbewegung ist als Entwicklung, Reifung, spirituelle Suche und schließlich ein Weg zu sich selbst. Die Welt des jungen Novizen, seine Ängste und Gedanken beim Weg durch die Wälder und zerstörten Ansiedlungen, erinnert stellenweise an grüne, geistergefüllte Bilder aus den Filmen von Apichatpong Weerasethakul; und "wenn ich ansehe, was mir Angst macht, verschwindet es." Dabei begegnet Witazara nicht nur der Versuchung und den Geistern seiner eigenen Vergangenheit, sondern auch einem Mann auf der Suche nach dem Tod - und jenen, die den Tod bereits unfreiwillig gefunden haben.

Brian Perkins' Debütfilm eignet sich Tempo und Haltung seiner buddhistischen Protagonisten an - Goldenes Königreich ist kein Road-Movie mit viel Bewegung, sondern ein langsames Umkreisen eines nicht näher beschriebenen und beschreibbaren Zentrums. Der Film ruht ganz auf den Schultern seiner jungen Darsteller, an die der Film so nahe heranrückt, als wolle er zur Dokumentation werden: wie unterschiedlich die Jungs meditieren, schon darin zeigt sich ihr Charakter, welche besondere Stellung die Mönche in dieser Welt haben, und so fort.


(Filmbild aus Goldenes Königreich, Copyright Bank & Shoal)

Und tatsächlich ist Goldenes Königreich so natürlich auch der Versuch, eine bestimmte Lebensform einzufangen, die sich ansonsten womöglich dem filmischen Zugriff etwas verschließt - definitiv aber dem westlichen Blick. Gleichwohl ist, und darin liegen natürlich auch Kern bzw. Hintergrund der Erzählung, die Geschichte des Films sehr spezifisch - eben doch zeitlich lokalisierbar in der jüngeren Vergangenheit.

Der Buddhismus spielt in diesem Jahr in einigen Filmen der Berlinale Generation eine größere Rolle; und so gibt etwa der stilistisch wie inhaltlich insgesamt leider eher uninteressante Dokumentarfilm Es ist wie es ist einen interessanten Einblick in ein von der Moderne durchaus berührte und veränderte buddhistisches Mönchsleben. Ob Perkins da also ein romantisches, romantisiertes Bild zeichnet? Als Außenseiter lässt sich das nicht beurteilen - aber womöglich, das wäre ja schon ein Erkenntnisgewinn an sich, sind die Lebensweisen und religiösen Praktiken mindestens so vielfältig wie die Filme darüber.

(Rochus Wolff)