14 08/02

The Midnight After

Was zum Henker? Das fragen sich die Protagonisten in diesem Film nachdem sie nachts bei einer Fahrt in einem Bus in einen Tunnel in Hongkong hinein fahren und die einzigen Bewohner der Millionenmetropole sind, als sie wieder herauskommen. Das fragt man sich aber auch als Zuschauer, denn dieser Film ist völlig durchgeknallt. Aber alles in Ruhe und von vorn.

(Still aus The Midnight After - Courtesy: Internationale Filmfestspiele Berlin)

Wo waren wir? Ach ja: Bus. Leute drin. Tunnel. Sie kommen wieder raus und alle anderen sind weg. Und plötzlich ist da nur noch Hongkong, der mysteriöse Hintergrund dieses Films. Die Ampeln leuchten, die Lichter blinken und ansonsten ist da nur Stille. Sehr gruselige Stille. Sechszehn Überlebende gibt es: vom Junkie über Liebespaare bis hin zum übergewichtigen und stets nörgelnden Busfahrer. Was genau passiert ist, weiß keiner und irgendwie interessiert es auch nicht so recht. Die Fragen, um die sich dieser Film aus sehr poppige Art und Weise dreht sind eher folgende:

  • Wenn es keine Menschen und damit keine Gesellschaft mehr gibt, muss man sich dann noch an Regeln halten?
  • Machen Religion und Moral noch Sinn?
  • Um welchen Preis sollte man sein Überleben sichern?

Wer sich mit dem Werk von Direktor Fruit Chan schon ein wenig vertraut gemacht hat, wird sich sicher an einen der grausigsten Horrorfilme der letzten zehn Jahre erinnern - Dumplings. Und mit diesem Wissen The Midnight After zu starten, lässt vermuten, dass es hier sehr grauenhaft und blutig zugehen wird. Tut es auch, aber nicht annähernd so heftig wie erwartet.

Chan hat hier eine ganze wunderbare Adaption eines Online-Romans hingelegt, der in Hongkong zum Kult geworden ist. Die Verfilmung ist gelungen und springt von Horror zu Komödie zu Splatter zu Drama zu Tragödie und wieder zurück. Langweilig wird es keinen Augenblick der 124 Minuten, jedoch muss man sich einlassen könne auf den durchgeknallten und oft nicht ganz zusammenhängenden Erzählstrang. Und natürlich darf man hier nicht die große Aufklärung der Katastrophe erwarten, so wie man sie zumeist im Hollywoodkino doch noch geliefert bekommt. Daraus wird nichts und das ist im Grunde ganz okay so.

Spannend hingegen ist die Tatsache, dass es sich bei The Midnight After um einen der ersten fiktionalen Filme handelt, die die Atomkatastrophe in Fukushima und die damit verbundenen Ängste aufgreift und in seiner ganz eigenen Weise verarbeitet. Wenn man da die Affinität und die Begeisterung für Horrorfilme im asiatischen Raum hinzufügt, werden wohl in nächster Zeit noch einige Filme ähnlicher Art auf uns zukommen.

(Beatrice Behn)

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