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The Galapagos Affair: Satan Came to Eden

Die Red Hot Chilli Peppers machen nicht nur sehr eigene Musik, sondern reisen auch gerne an außergewöhnliche, abgelegene Orte. Doch egal wohin es sie auch ziehen mag, sie stellen immer wieder fest "die Deutschen sind bereits da". Dass dies anscheinend vor fast 100 Jahren bereits recht ähnlich aussah, zeigt die Dokumentation The Galpagos Affair: Satan Came to Eden. Diese stammt von Dayna Goldfine und Dan Geller, die wie die Mitglieder der Red Hot Chilli Peppers ebenfalls Amerikaner sind. Der Film widmet sich den ersten Menschen, die sich Anfang des 20. Jahrhunderts auf der zuvor noch vollkommen unbesiedelten Galapagos-Insel Floreana niedergelassen haben. Wir ahnen es jetzt bereits: Auch bei ihnen handelte es sich um Deutsche...

(Still aus The Galapagos Affair: Satan came to Eden, Copyright: Allan Hancock)

Im Jahre 1929 kehren der zivilisationsmüde Arzt und Nietzsche-Anhänger Friedrich Ritter und seine Geliebte Dora Strauch ihrer deutschen Heimat den Rücken zu und ziehen auf die damals noch kaum bekannten Galapagos-Inseln. Selbst dort suchen sie sich keine der etwas größeren und bereits erschlossenen Inseln als ihre neue Heimat aus, sondern explizit die kleine und bis dato vollkommen unbewohnte Insel Floreana. Umso größer ist ihr Missfallen, als kurz darauf weitere Deutsche auf "ihre" Insel ziehen. Die Familie Wilmer hat mit Ritters großspurigen philosophischen Anwandlungen überhaupt nichts am Hut, sondern will einfach ein friedliches Leben in Einklang mit der Natur leben. Aber noch schlimmer ist in Ritters Augen eine angebliche Baronin, die zusammen mit gleich zwei Männern angereist kommt, von denen der eine angeblich ihr Architekt und der andere ein Ingenieur ist. Die bereits zu Beginn angespannte Stimmung unter diesen drei Parteien wird mit der Zeit zusehends feindselig. Als eines Tages die Baronin zusammen mit einem ihrer Geliebten für immer verschwindet, kommt schnell ein nicht unbegründeter Mordverdacht auf. Doch wer in diesem Wespennest könnte der Mörder sein?

The Galpagos Affair: Satan Came to Eden ist eine sehr interessante und streckenweise sehr spannende Dokumentation. Ihr kommt sehr zu Gute, dass von den behandelten ersten Inselbewohnern umfangreiches Archivmaterial vorhanden ist. Hierzu gehören neben zahlreichen Fotos verschiedene kurze Schwarzweißfilme. Es gibt sogar einen inszenierten Kurzfilm mit der Baroness als Hauptdarstellerin. Von Friedrich Ritter und Dora Strauch wiederum existieren viele Zeitungsartikel, da es die beiden in ihrer alten Heimat ungewollt zu einiger Berühmtheit als kuriose Exoten gebracht hatten. Hier liegt auch eine der Ursachen, weshalb das neue Paradies für das Paar bald ein Ende fand. Denn ihre unverhoffte Berühmtheit führte zu zahlreichen Besuchern, welche die von ihnen gesuchte Abgeschiedenheit zeitweise wieder zu Nichte machten.

Der Krimiplot ist zwar der große Aufhänger des Films. Hauptsächlich widmet er sich jedoch grundsätzlichen Fragen zu dem Leben auf einer abgeschiedenen Insel: Was motiviert Aussteiger solch einen radikalen Schritt zu wagen? Gibt es gemeinsame Charaktermerkmale, die alle Neu-Insulaner verbindet? Und wie sieht es mit der nächsten Generation aus, die auf solch einer abgelegenen Insel zur Welt kommt? Zum letzteren Punkt werden auf den Galapagos-Inseln lebende Kinder von Einwanderern interviewt. Insgesamt zeigt sich eine stark ambivalente Sicht auf das Aufwachsen und Leben auf solch einer Insel. Oder wie es eine Frau formuliert: "Ein Teil der Galapagos-Erfahrung bestand sicherlich in der Erkenntnis, dass das Paradies kein Ort ist".

(Gregor Torinus)

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