14 14/02

Tape_13

Der erste deutsche Backwood-Slasher im Found Footage-Stil - das klingt doch nach was! Ein rechtes Vergnügen ist die Pionierarbeit von Regie-Debütant Axel Stein leider trotzdem nicht. Auch wenn allerorts das Fehlen eines starken, deutschen Genre-Kinos beklagt wird - eine Aneinanderreihung von Klischees wie in Tape_13 kann die Lösung für dieses Problem nicht sein.

(Still aus Tape_13 - Copyright: Andreas Jäckle)

Die Schwedin Ann (Nadine Petry) und ihr lettischer Verlobter Gero (Lars Steinhöfel) machen eine Reise durch Europa. Doch in der deutschen Eifel bleibt ihr Wagen plötzlich liegen. Rettung naht in Gestalt von Vinzent (Pit Bukowski) und Franzi (Cristina do Rego), die die beiden Urlauber einladen, das Wochenende mit ihnen und einigen anderen Jugendlichen in einer alten Hütte im Wald zu verbringen. Anfangs ist die Stimmung gut, doch nach einer scherzhaften Geisterbeschwörung häufen sich auf einmal die unerklärlichen Vorkommnisse. Der Strom fällt aus, die Türen knarren und vor dem Haus schleicht eine unheimliche Gestalt herum. Als dann auch noch Franzi spurlos verschwindet, ist die Panik perfekt. Steckt irgendeiner der Jugendlichen dahinter? Oder hat man es tatsächlich mit einem Dämon zu tun?

Rein erzählerisch ist Tape_13 durchaus eine Zeit lang spannend. Solange nicht klar ist, aus welcher Richtung die Bedrohung eigentlich kommt, und welcher Art der Horror ist, fühlt sich der Zuschauer ähnlich unsicher, desorientiert und zunehmen paranoid wie die Figuren des Films. Allerdings - und schon an dieser Stelle muss eine fundamentale Einschränkung des Lobes gemacht werden - torpediert Stein diesen ordentlichen Ansatz auf dreierlei Weise. Erstens, indem er kein bekanntes Genre-Klischee auslässt und sich im Finale dann auch noch einmal zu dreist an Paranormal Activity orientiert, seinen Film zweitens in derart aufdringlicher, ungenießbarer Sound-Sauce ertränkt, dass es einem zu den Ohren wieder herauskommt und, drittens, indem er eindrucksvoll zeigt, was man im Found-Footage-Bereich alles falsch machen kann. Auch wenn man die leidlich überzeugende Prämisse akzeptiert, dass Gero alles auf Video aufzeichnet - die Art des Materials, die Kameraperspektiven und -bewegungen erwecken fast nie den Eindruck als wären sie in behauptetem Kontext entstanden. Die aufgesetzten, digitalen Störeffekte machen die Illusion, dass es sich um "echtes" Material handelt, endgültig zunichte.

Das Beste an Tape_13 sind noch seine spielfreudigen Darsteller, voran Pit Bukowski, der als zwielichtiger Vinzent wenigstens für ein bisschen Schwung in der ansonsten reichlich öden Angelegenheit sorgt. Wer allerdings Lust auf gutes Genre-Kino hat und Bukowski in sogar noch besserer Form erleben will, sollte deswegen lieber zu Till Kleinerts verspielt-charmantem Horror-Trip Der Samurai greifen, der ebenfalls auf der Berlinale zu sehen ist.

(Björn Helbig)

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