14 12/02

Love is Strange

Love is Strange ist wahrhaftig ein Film über Liebe. Seine Hauptfiguren Ben (John Lithgow) und George (Alfred Molina) sind seit 39 Jahren ein Paar und dank der Einführung der "Homoehe" können sie nun endlich heiraten. Gleich die erste Filmsequenz führt ihre Hochzeit ein, bei der sich Familie und Freunde einfinden. Die zweite Sequenz zeigt all diese Menschen wieder, doch diesmal aus einem anderen Anlass. George, Musiklehrer von Beruf, hat seinen Job verloren, weil er Ben geheiratet hat. Jetzt können die beiden ihr Apartment nicht mehr bezahlen und müssen notgedrungen getrennt voneinander bei Freunden einziehen, während sie etwas Neues suchen. Und das ist, wie man weiß, keine einfache Sache in New York.

(Still aus Love is Strange, Courtesy: Internationale Filmfestspiele Berlin)

Ben zieht zu seinem Neffen und dessen Familie, in der es gerade ordentlich brodelt. Die Ehe der beiden steht auf der Kippe und die Pubertät des Sohnes, inklusive dessen Entdeckungstour in Sachen erste Liebe, erhöhen den Druck um ein Vielfaches. Da hilft es nicht, dass Ben viel Zeit zu Hause verbringt. George wiederum findet sich in einer Party-WG wieder, in der er abends lange warten muss, bis die letzten Gäste von der Couch - seinem Bett - verschwunden sind.

Bleibt man an der Oberfläche, also der Handlung, so ist Love is Strange ein Film unter vielen. Hat man alles schon mal irgendwie gesehen, wenn auch nicht unbedingt in einem homosexuellen Kontext mit alten Männern in der Hauptrolle. Und damit sollen auch die schauspielerischen Leistungen nicht gemindert werden, denn Molina und Lithgow sind einfach brillant. Man möchte meinen, die beiden kennen sich schon seit Ewigkeiten. Doch das ist es nicht, was diesen Film auszeichnet. Denn es geht hier nicht um das WAS, sondern vor allem um das WIE. Der Film transportiert sein eigentliches Thema - Liebe - ganz ohne in Pathos und Drama zu verfallen. Vereinfacht könnte man sagen: Sachs spart sich den Kitsch. Wo großes Drama episch ausgebreitet und Wort für Wort durchbuchstabiert werden könnte, empfiehlt sich der Regisseur und setzt an Stelle der großen Gesten lieber Aussparungen. Es ist schon klar was passiert, aber dabei wird nicht auf die Tränendrüse gedrückt und die Emotionen des Zuschauers erst getriggert und dann gemolken. Vielmehr zeugt Sachs' Modus von einem unglaublichen Respekt seinen Figuren und dem Publikum gegenüber. Hier hat ein erwachsener Mann einen erwachsenen Film für ein erwachsenes Publikum gemacht. Und das benötigt keine Plattitüden, denn es weiß, wie eigenartig die Liebe ist, es weiß, dass das Leben auch großen Kummer bereitet und selbst die epischste aller Beziehungen es im Alltag mit Geldproblemen, Vorurteilen und Anfeindungen zu tun bekommt - und an solchen auch zugrunde gehen kann.

Anstelle virtueller Emotionsbildung praktiziert Sachs auf subtile Art das Geschichtenerzählen aus der Perspektive  kompromissloser Humanität, Würde und Respekt. Und es ist schon fast ein wenig traurig, dass genau das diesen Film von vielen anderen seiner (Genre)-Art unterscheidet.

(Beatrice Behn)

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