14 11/02

Kraftidioten

Hoch droben in Norwegen verrichtet Nils Dieckman (Stellan Skarsgård) seinen Dienst als Schneepflugfahrer.  Als eine Art Hüter der Zivilsation hält er die Straßen der Gegend frei und wird dafür sogar zum Bürger des Jahres gewählt wird. Dann aber stirbt sein Sohn Ingvar durch eine Überdosis, die sich bald schon als Mordanschlag herausstellt. Durch einen dummen Zufall wurde der junge Mann, der am Flughafen arbeitete, nichtsahnend in einen Drogendeal hineingezogen. Nils verwandelt sich nun mit abgesägten Gewehr und seinem gewaltigen Schneepflug in einen Racheengel, der nicht ruht, bis auch der letzte der Schurken sein Lebenslicht ausgehaucht hat. Ohne es zu wissen, tritt er damit einen Bandenkrieg los, denn die Gang um den smarten, aber von Jähzorn und Problemen mit seiner Exfrau gebeutelten Greven (Pål Sverre Valheim Hagen)  vermutet die Serben hinter den Morden, die sich nun häufen. Und das läßt sich deren Boss Papa (Bruno Ganz) nicht gefallen.

(Still aus Kraftidioten, Courtesy Berlinale 2014)

Man merkt Kraftidioten an, dass Hans-Petter Molland (Ein Mann von Welt) gerne einen Film in Stil der Coens mit einer Prise Tarantino drehen würde. Hinzu kommt quasi als eigene Note eine kräftige Prise staubtrockenen skandinavischen Humors, der gerne mal übers Ziel hinausschießt (Ex-Ehefrauen mit der Faust ins Gesicht zu schlagen ist definitiv nicht lustig). Wirklich witzig ist vor allem die Grundidee, die die Titelsequenz amerikanischer Filme aufgreift und ins Gegenteil verkehrt: "In Order of Disappearance" steht dort zu lesen und tatsächlich wird jede der zahlreichen Figuren, die bei dem großen Umlegen ihr Leben lässt, mit einem Kreuz und einer Texttafel bedacht - im Falle der serbischen Gangster orientiert sich die Form des Kreuzes dann an der Gestaltung der serbisch-orthodoxen Kirche. Ansonsten variiert der Film wohlbekannte Versatzstücke und wirkt bisweilen in seiner Mischung aus Brutalität und Humor der eher groben Art sehr kalkuliert auf die Fans der Coens und Quentin Tarantino abzielend.

So sind es vor allem die grandiosen Schneelandschaften, in denen Nils seine Opfer in Hasendraht eingewickelt in einen Wasserfall schmeißt, damit die Fische etwas zu nagen haben, die dem Film immerhin teilweise schön anzuschauende Bilder geben. Den Mangel an Originalität können aber auch die Schneemassen nicht verdecken, die Nils mit seinem Schneepflug aus dem Weg räumt. Zwar ist man während des Wettbewerbs der Berlinale für leichtere Kost durchaus zugänglich, doch Kraftidioten wäre in einer anderen Sektion und nicht gerade in der Hauptreihe des Festivals deutlich besser aufgehoben gewesen.

(Joachim Kurz)

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