14 15/02

Die Schöne und das Biest

Mal ganz ehrlich, was war das denn? Das fragten sich fast alle Zuschauer der Pressevorführungen der Neuadaptionen des Märchenklassikers Die Schöne und das Biest, die im Jahre 1946 von Jean Cocteau verfilmt wurde und später einige filmische Neuauflagen (u.a. als Animationsfilm von Disney) erhalten hatte. Die neue Version von Christophe Gans allerdings ist weit entfernt davon, ein Klassiker zu werden. Viel eher gereicht sie dazu, schnellstmöglich in Vergessenheit zu geraten. Denn trotz einer exquisiten Besetzung - unter anderem wirken Vincent Cassel und Léa Seydoux mit - stimmt hier wirklich gar nichts.

(Still aus Die Schöne und das Biest, Copyright: Concorde Filmverleih)

Die Geschichte des Volksmärchens ist wohlbekannt und eigentlich unkaputtbar - zumindest dachte man das bisher. Die unter anderem von Studio Babelsberg und deutschem Geld mitfinanzierte Koproduktion, die bei der Berlinale (gottlob) außer Konkurrenz gezeigt wurde, beweist allerdings auf drastische Weise, dass es unzerstörbare Stoffe, die jeder noch so schlechten Bearbeitung trotzen, wohl schlichtweg nicht gibt.

Nach dem Untergang seiner drei Handelsschiffe zu Beginn des 19. Jahrhunderts muss ein alleinerziehender Kaufmann (André Dussollier) sein prunkvolles Anwesen in der Stadt verkaufen und mit seinen drei Söhnen und drei Töchtern aufs Land ziehen, um dort ein einfacheres Leben zu führen. Als sich der Mann verirrt und zu einem geheimnisvollen Schloss gelangt, findet er dort Reichtümer vor - und eine Rose, die sich seine Lieblingstochter Belle (Léa Seydoux) sehnlichst gewünscht hat. Als die Blume aber an sich nehmen will, steht plötzlich eine schreckliche Bestie vor ihm, die dafür eine Gegenleistung - nämlich sein Leben - von ihm fordert. Als Belle von diesem Handel erfährt, ist sie bereit, sich für das Wohl der Familie zu opfern. Doch als sie auf dem Schloss des Ungeheuers ankommt, rührt ihre Schönheit die Bestie und sie wird verschont. Langsam entsteht zwischen Belle und dem Untier, das in Wirklichkeit ein verwunschener Prinz ist, eine Beziehung, die schließlich in Liebe mündet...

So herzzereißend sich die Geschichte auch ausnimmt: Unter der Regie von Christophe Gans gerät das Ganze zu einer Kitschbombe mit unglaublich schlechten CGI-Effekten, hundsmiserablen Dialogen, fürchterlicher Musiksoße über den Bildern und einem sensationellen Gespür für schlechtes Timing. Irgendwann katapultiert einen diese groteske Ansammlung von Fehlgriffen so derart hinaus aus dem Film, dass man an den unpassendsten Stellen lachen muss. Für Kinder ist dieses Märchen definitiv zu laut und zu grell, für Erwachsene zu banal und kitschig - und so bleibt die Frage im Raume, wer sich diesen Quark eigentlich anschauen soll.

(Joachim Kurz)

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