14 15/02

Chiisai Ouchi

Und zum Abschluss eines bis auf ganz wenige Ausnahmen eher durchschnittlichen Berlinale-Wettbewerbs kommt ganz leise der japanische Beitrag von Yamada Yoji daher. Der mittlerweile 82. Film des japanischen Altmeisters versöhnt dann am Ende doch noch ein wenig und hilft vor allem über die maßlose Enttäuschung des in der Programmierung direkt davor platzierten Filmes Die Schöne und das Biest hinweg.

(Still aus Chiisai Ouchi, Copyright: "The Little House" Film Partners)

Dabei macht Yamada auf eine interessante Art und Weise alles das richtig, was Die Schöne und das Biest falsch gemacht hat. Beide Filme beruhen auf bekannten Büchern und beide sind ganz und gar klassisch verfilmt. Doch während Die Schöne und das Biest nicht mehr als einen Abklatsch mit schlechten Special Effects und Yvonne Catterfelds nackter Brust abliefert, verweilt Chiisai Ouchi zwar im ultra-klassischen japanischen Kino, tut dies aber mit so viel Bewusstsein und Eleganz, dass man Freude daran findet.

Chiisai Ouchi erzählt in langen Rückblenden aus dem Leben Takis (Kuroki Haru), die in den 1930er und 1940er Jahren als Hausangestellte bei der Hirai Familie arbeitete. Die Hirais sind die ersten in der Tokioer Nachbarschaft mit einem modernen Haus. Das rote Dach markiert es unverkennbar in der Landschaft. Die klassische Mutter-Vater-Kind Familie lebt in schwierigen Zeiten, der Krieg mit China ist in vollem Gange und die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges sind ebenfalls nicht aufzuhalten. Doch im kleinen roten Haus dringen diese Nachrichten immer nur von außen ein und spielen lange Zeit keine wirkliche Rolle. Takis Blick auf diese historisch brisante Zeit ist eben der eines Dienstmädchens, die irgendwo zwischen der klassischen "alten" Zeit und der Moderne versucht ihre Arbeit zu tun und dabei alsbald große Loyalität und Liebe vor allem ihrer Hausherrin gegenüber empfindet. So schleppt sie den Sohn des Hauses als er an Polio erkankt und droht nie wieder laufen zu können, ein halbes Jahr lang täglich zu einer weit entfernten Klinik, damit dieser dort Massagen bekommt.

Und auch die Affäre mit dem jungen, intellektuellen Arbeitskollegen des Mannes, die Frau Hirai eher schlecht als recht versteckt, nimmt sie in ihre Dienste mit auf, wenn auch mit schwerem und einmal auch angedeutet gebrochenem Herzen. Yamada führt mit ruhiger Hand seinen Film durch die Geschichte und führt Liebesdrama und historische Momente geschickt zusammen. Chiisai Ouchi ist kein Meisterwerk, dafür aber absolut solides, klassisches Kino, das viele der "modernen" Filme des diesjährigen Wettbewerbs sowohl in Sachen Handwerk, also auch in  Bezug auf die Fähigkeit, Emotionen aus dem Publikum herauszukitzeln, ganz locker an die Wand spielt.

(Beatrice Behn)

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