14 13/02

Bai ri yan huo

"Schwarze Kohle, dünnes Eis" - so lautet die Übersetzung des internationalen Titels des chinesischen Wettbewerbsbeitrag von Diao Yinan, der bislang mit zwei Filmen auf sich aufmerksam machte: Uniform aus dem Jahre 2003 und Night Train aus dem Jahre 2007, der in Cannes in der Reihe Un Certain Regard gezeigt wurde. Mit seinem neuen Werk hat er nun eine Stufe der Karriereleiter erklommen und es kann gut sein, dass Bai ri yan huo am Ende mit einem Preis im Gepäck die Heimreise antritt.

(Still aus Bai ri yan huo, Courtesy: Internationale Filmfestspiele Berlin)

Schon der Beginn ist eine wahre Freude: Da folgt die Kamera einem in bunte Plastikfolie eingewickelten Gegenstand, der auf der Ladefläche eines LKW voller Steinkohle durch die Straßen einer Stadt im Norden Chinas rollt. Dann wird die Kohle und mit ihr das Paket in einer Fabrik entladen und auf einem Laufband weiterbefördert, bis einer der Arbeiter die grausige Entdeckung macht, dass sich in der Folie der abgetrennte Arm eines Menschen befindet. Schnell ist die Polizei verständigt, die durch zahlreiche andere ähnliche Funde in verschiedenen Orten der Provinz bereits alarmiert ist - es beginnt die fieberhafte Suche nach dem Mörder. Unter den ermittelnden Beamten befindet sich auch der Polizist Zhang Zili (Liao Fan), dessen Frau ihn gerade verlassen hat. Bei der Verhaftung eines Verdächtigen sterben durch Unachtsamkeit und Ungeschicklichkeit zwei Polizisten, Zhang selbst wird schwer verletzt und muss daraufhin den Dienst quittieren.

Fünf Jahre später arbeitet Zhang beim Sicherheitsdienst einer Firma, als ähnliche Mordfälle bekannt werden, die fatal an die damaligen Vorkommnisse erinnern. In Zhang, der eigentlich ein ziemlich kaputter und versoffener Typ ist erwacht das alte Jagdfieber wieder und er nimmt Witterung auf. Eine Spur führt schließlich zu der Reinigungsangestellten Wu Zhizhen (Gwei Lun Mei), die alle Opfer kannte. Natürlich verliebt sich Zhang prompt in die attraktive Frau und gerät dadurch selbst in ernsthafte Gefahr.

Bai ri yan huo ist ein gewaltiges Biest von einem Film und durchaus ein ernsthafter Kandidat auf einen Bären am Ende des Festivals. Und das liegt keineswegs allein daran, dass die Konkurrenz nach einem erfreulichen Auftakt nun durch die Bank eher schwächelt bis nervt. Der Film paart Elemente des Thriller, des Film noir und bisweilen gar des Giallo (diese Farbdramaturgie und Lichtsetzung!) mit bissigem Humor und fein platzierten Gewaltausbrüchen, verweist nebenbei auf soziale Missstände, bringt einen versoffenen Ermittler und eine femme fatale zusammen, ist schmutzig, böse, mal unvermittelt brutal, dann wieder fast zärtlich und vor allem mit einem exzellenten Auge für Bilder, Atmosphären und Lichtstimmungen gesegnet. Bislang ohne jeden Zweifel einer der gelungensten Beiträge des Wettbewerbs und auf jeden Fall ein Film, bei dem keine Sekunde der Langeweile herrscht. Und das will im gerade etwas ins Stocken geratenen Renommierstück der Berlinale 2014 schon etwas heißen.

(Joachim Kurz)

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