14 12/02

Aloft

Im Jahre 2009 wurde die gebürtige Peruanerin Claudia Llosa mit ihrem erst zweiten Spielfilm Eine Perle Ewigkeit zum Wettbewerb der 59. Berlinale eingeladen. Es war nicht nur das erste Mal überhaupt, dass ein peruanischer Film um den Goldenen Bären konkurrierte, sondern Llosa gewann die begehrte Trophäe tatsächlich auch noch. Fünf Jahre hat es gedauert, bis die lateinamerikanische Autorenfilmerin ihren dritten Spielfilm Aloft fertiggestellt hat. Die internationale Koproduktion wartet mit einem illustren Cast auf, zu dem Jennifer Connelly, Cillian Murphy und Mélanie Laurent in den Hauptrollen gehören. Doch kann der Nachfolgefilm zu Eine Perle Ewigkeit auch die verständlicher Weise sehr hohen Erwartungen erfüllen?

(Still aus Aloft, Copyright: José Haro)

Nana (Jennifer Connelly) arbeitet auf einer Farm. Sie hat zwei kleine Söhne, von denen der jüngere an einem Gehirntumor erkrankt ist. Die Mutter wünscht, dass Ivan seinem erkrankten Bruder Gully zur Seite steht. Doch Ivan widmet seine Zeit lieber seinem geliebten Falken Inti. Eines Tages lässt sich ein Wunderheiler in dem Ort nieder. Durch ihn entdeckt Nana ihre eigenen heilenden Kräfte. Die beiden bauen gemeinsam filigrane Konstruktionen aus Ästen, die sie bei der Heilung fremder Kinder unterstützen. Ein tragischer Vorfall führt zur Trennung von Nana und ihren Kindern. Später sieht man Ivan als erwachsenen Mann und Familienvater, der es zwischenzeitlich zu einem anerkannten Falkenzüchter gebracht hat. Eine Reporterin (Mélanie Laurent) kommt unter dem Vorwand Ivan zu seiner Arbeit interviewen zu wollen. Doch offensichtlich ist sie noch mehr an Ivans Mutter interessiert. Diese ist jetzt selbst eine bekannte Heilerin, die auf einem zugefrorenen See nördlich des Polarkreises residiert. Entgegen extremer anfänglicher Widerstände begleitet Ivan schließlich die Journalistin auf deren Reise zu seiner Mutter.

(Still aus Aloft, Copyright: José Haro)

Aloft nimmt sich viel Zeit um seine Charaktere einzuführen. Diese werden für den Zuschauer schnell sehr plastisch. Jennifer Connelly und Cillian Murphy gelingt es hervorragend ihre sensiblen, verletzlichen und zugleich starken Figuren darzustellen. Dahingegen bleiben einige wichtige Motivationen und Geschehnisse bis ganz zum Schluss im Dunkeln. In dem Film wird die Gegenwart, in der Ivan bereits ein erwachsener Mann ist, mit der Vergangenheit verschränkt, die seine Kindheit zeigt. Beide Handlungsstränge laufen lange Zeit scheinbar unverbunden nebeneinander her. Doch am Ende münden sie beide in eine entscheidende Szene, welche in einer äußeren Analogie beide Zeitebenen zusammenführt. Hierzu wird eine recht aufdringliche optische Metapher bemüht, die ein wenig im Gegensatz zu der starken Zurückhaltung der restlichen Inszenierung steht. Zugleich ist Aloft einer der Filme, bei denen man sich am Ende fragt, ob die ständigen Wechsel der Zeitebenen nicht eine Fülle auf der Handlungs- und auf der Sinnebene suggerieren soll, die tatsächlich gar nicht vorhanden ist.

Um die anfängliche Frage somit zu beantworten: Aloft ist kein filmisches Meisterwerk, das ernsthafte Aussichten auf einen Preis bei der 64. Berlinale hat. Und doch ist dies ein schöner Film, der es schafft beim Betrachter ein ernsthaftes Interesse für seine leicht sperrigen Charaktere zu erwecken. Claudia Llosa gelingen immer wieder Bilder von großer Zärtlichkeit und Poesie. Nur wirken manche szenische Folgen, wie die Geburtshilfe bei einem Schwein und dem anschließenden wilden Sex im Duschraum viel zu gewollt, als das man der Regisseurin und Drehbuchautorin abnehmen würde, dass sie mit ihnen wirklich ein ernsthaftes Anliegen verfolgt und nicht nur auf den bloßen Effekt setzt.

(Gregor Torinus)

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