18. Februar 2012

Cherry ist ein komischer Film - komisch im Sinne von eigenartig, nicht lustig. Die Grundgeschichte ist so alt, wie der Film selbst und wahrscheinlich noch älter. Ein junges, gut aussehendes Mädchen aus einem schlechten Elternhaus (die Eltern sind Alkoholiker) zieht mit ihrem besten Freund (Dev Patel) aus der öden Kleinstadt nach San Francisco, dem Mekka aller Freiheitsliebenden. Die Schule hat sie abgebrochen und eine Ahnung was sie in der Großstadt machen soll, hat sie auch nicht aber das ist kein Problem, denn sie hat Brüste.

 
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Neun Tage lang hat die Berlinale unseren Rhythmus bestimmt, hat einen strengen Takt vorgegeben, in dem Film auf Film folgte. Wenn heute Abend nun die Goldenen und Silbernen Bären überreicht werden, hat das Warten und damit auch die Berlinale 2012 ein Ende. Schade eigentlich, denn trotz der langsam überhand nehmenden Müdigkeit hat man sich gerade an den Ablauf gewöhnt.

 
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Neben den Teddy Awards wurden gestern auch die Gläsernen Bären für die Besten Filme der Sektion "Generation" vergeben. Der Preis für den Besten Spielfilm erhielt der türkische Regisseur Reis Çelik für seine Darstellung einer Zwangsehe in Lal Gece / Night of Silence. Eine ausführliche Besprechung des Films gibt es hier.

 
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Tsui Hark, der Pionier des Hong-Kong-Kinos der 1980er Jahre, ist einer jener Regisseure, dessen Werke man eigentlich nur auf Filmfestivals zu sehen bekommt. Aus Gründen, die sicherlich nur Verleiher kennen und nachvollziehen, kommen seine Filme so gut wie nie in unsere Kinos. Sein letzter grandioser Detective Dee erlebte immerhin noch eine DVD-Auswertung in Deutschland. Sein neuester Film The Flying Swords of Dragon Gate wird dieses Glück nicht haben. Denn ohne große Leinwand ist er nichts.

 
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"Seid ihr alle gut drauf?!" - die ersten Worte der Teddy Awards 2012, mit denen Jochen Schropp die Nachfolge von Annette Gerlach antritt. Launig energetisch peitscht die Partyansage aus dem grienend weißen Gebiss, Feiermodus an, Schropp besinnt sich offenbar auf die eigene Vergangenheit als Moderator der Loveparade. Macht sich aber trotzdem nicht schlecht; zwischen Stereo Total ("Liebe zu dritt"), Peaches ("Talk to me") und Marianne Rosenberg ("Marleen") wirkt der juchzende Host durchaus glaubwürdig. Sympathiepunkte gibt es immer mal wieder durch einen kecken Spruch.

 
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18. Februar 2012

La Chispa de la Vida bedeutet übersetzt so viel wie "Der Funke des Lebens" und den hat Roberto (José Mota) schon lange verloren. Seit Jahren sucht der arbeitslose Werbestratege einen Job, doch das ist leichter gesagt als getan im derzeit in der Finanzkrise versinkenden Spanien. Immer noch spielt er den Part des Hoffnungsvollen für seine Ehefrau (Salma Hayek) und die Kinder und diese spielen zurück. Doch die Fassade bröckelt gewaltig, in nur zwei Monaten wird die Familie ihr Haus verlieren, wenn Roberto nicht endlich einen Job findet.

 
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17. Februar 2012

Sex, Sex, Sex... Oh, Pardon! Moment: wofür eigentlich? Liebe, nicht nur im Sinne Platons, sondern durchaus in dem Daniel Defoes ist nichts, dessen man sich schämen müsste und Lust ist lustig. Das ist die übergreifende Moral von Kimora Shokus frivoler Komödie The End of Puberty und wenn ein Film schon eine so unmissverständlich vorgetragene Moral haben muss, dann bitte eine solche. Die Worte zu Beginn der Rezension der federleichten Frechheit aus dem Forum sind keine Freudschen Schreibfehler einer überarbeiteten filmkritischen Hand, sondern Zitat einer bedeutsamen Dialogpassage.

 
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17. Februar 2012

"Sie hatten gerade das süße Vergnügen, die Hand eines Mörders zu schütteln", sagt Richard. Um ihm dies zu sagen, hat der galante Sohn einer privilegierten Chicagoer Familie den Chauffeur extra zurückgerufen. Bevor er die Hand des Bediensteten loslässt, zögert er einen Moment, als gelte es den Genuss auszuschöpfen bis zum letzten Tropfen. Der ist auch von anderem geflossen, verraten die roten Flecken auf den Sitzen. "Wein", nur Wein hätten sie im Auto verschüttet, erklärt Leopold, als wähle er bewusst oder unbewusst jenes Symbol - das Symbol für Blut.

 
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"There's always the possibility of a fiasco. But there's also the possibility of bliss", formulierte Joseph Campbell in seinem Standardwerk The Hero with a Thousand Faces über universelle Erfahrungsmuster, die sich in allen Mythologien unseres Planeten nachweisen lassen. Es ist dieser Joseph Campbell der ungewollt enormen Einfluss auf das Kino der letzten 35 Jahre ausübt, denn in den späten 1970ern begann mit Star Wars und seinem Schöpfer George Lucas, der ein Bewunderer Campbells ist, weniger eine Neuerfindung des Films als eine Neuerfindung des Publikums.

 
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17. Februar 2012

"Ich erinnere mich noch an die Schauspieler aus der Zeit", sagt der eine der beiden Kinoliebhaber, die sich in einem kleinen Café über alte Filme unterhalten. Vichara Dany, Cheah Yuthorn, Vann Vannak. Ihre Gesichter strahlen von den Sammlerpostern, Werbeausschnitten und Plakaten, die Davy Chous sehnsuchtsvolle Reminiszenz an das Goldene Zeitalter des kambodschanischen Kinos sanft zu geisterhaftem Leben erweckt. Geheimnisvolle Göttinnen, mutige Krieger, mystische Waffen, leidenschaftliche Liebe, dramatische Kämpfe, Schlangenmädchen, Krokodilmänner: ein cineastisches Zauberreich, das im Nacherzählen von Filmplots, Songaufnahmen und beredt beschriebener Prachtkulissen ein paar letzte Funken Magie versprüht.

 
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