B-Roll BLOG

17 05/08

Locarno 2017: "Freiheit" von Jan Speckenbach

„Die Freiheit ist ein wundersames Tier

Und manche Menschen haben Angst vor ihr

Doch hinter Gitterstäben geht sie ein

Denn nur in Freiheit kann die Freiheit Freiheit sein." (Georg Danzer-Die Freiheit)

Wenn das deutsche Kino in Filmen wie Western, Toni Erdmann oder Der traumhafte Weg in letzter Zeit so etwas wie einen Lauf mit starken Beiträgen auf großen internationalen Festivals hatte, dann zeigt Jan Speckenbachs Freiheit, was man eigentlich sowieso wissen sollte: Ein solcher „Lauf" hat weniger mit nationalen Gegebenheiten, als mit individuellen Ansätzen und gegebenenfalls Verbindungen innerhalb einer Filmkultur zu tun. Speckenbachs Freiheit treibt im Nichts seiner eigenen Anmaßung und findet weder im bemühten Aufbau seiner Handlung noch im intensiven Spiel der Darsteller seine eigene Freiheit.  


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17 03/08

Locarno 2017: "Nothingwood" von Sonia Kronlund

Salim Shaheen, ein brüllendes Unikat viriler Begeisterungsfähigkeit belebt Sonia Kronlunds Nothingwood so sehr, dass der Film hinter ihm zu verschwinden droht. Shaheen, so wird uns von der Filmemacherin erzählt, ist ein Filmemacher aus Afghanistan, der dort trotz anhaltender Kriege und Gefahren seit Jahrzehnten B-Movies in Serie produziert. Eigentlich war er General, doch er hat lieber seine Soldaten gefilmt - selbst als Bomben um sie herum niedergingen, wie einige Mitarbeiter erzählen. 110 Filme sind es zu Beginn von Kronlunds Besuch, Shaheen führt Regie, kümmert sich um die Produktion und selbstverständlich übernimmt er auch so manche Hauptrolle in seinem Ensemble. Lesen und Schreiben kann er nur ein bisschen, aber er beherrscht die Verarbeitung des eigenen Lebens in filmischer Form und vor allem den mitreißenden Gestus eines euphorischen Überschwangs. 


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17 31/07

Für mehr Vorfilme im Kino

Einst hat man ihnen Gedichte geschrieben, der deutsche Kabarettist und Lyriker Hans Harbeck etwa reimte verzückt:

Und dann Grotesken, die mit froher Wucht
den Geist der Schwere treiben in die Flucht
und an der Hand von Unsinn immer Siegen
Die Keaton, Chaplin, Schünzel, Pat und Lloyd
Lachpillen in das Publikum gestreut
bringt das älteste Gebälk zum biegen

Heute singt keiner mehr solche Loblieder auf Vorfilme oder die Erfahrung vor dem Film im Allgemeinen. Bevor man sich eine Vorführung im Kino ansieht, wird man eher gequält: Mit lärmiger Werbung, uninteressanten bis nervigen Trailern, vielleicht wird man noch von den Minions oder den Darstellern von Fack ju Göhte dazu aufgefordert, das Handy auszuschalten. Das war – und das ist – nicht immer so.


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17 25/07

Schauspiel im Zeitalter der Performance Capture

Die Debatte wird mit Sicherheit auch dieses Jahr wieder geführt. Sollte Andy Serkis nicht endlich für einen Oscar als bester Schauspieler nominiert werden? Nicht für seinen Part als Ulysses Klaue im Marvel-Universum natürlich (der dazugehörige Film Black Panther kommt sowieso erst 2018 ins Kino), sondern für eine Rolle, in der sein Gesicht nicht zu sehen ist: die des Schimpansen Caesar in Planet der Affen - Survival. Serkis ist, wie schon in den beiden vorhergehenden Planet-der-Affen-Filmen und wie in King Kong und Der Herr der Ringe, die treibende Kraft hinter Caesars Performance, aber Serkis alleine könnte die Rolle nicht spielen. Er braucht das Team der Effektfirma Weta Digital, die Serkis in Caesar verwandeln.

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17 20/07

Es geschieht wieder – Die dritte Staffel von "Twin Peaks"

„It’s happening again“ war die Tagline, mit der die dritte Staffel von Twin Peaks beworben wurde. Mit ihr lösen David Lynch und Mark Frost das Versprechen ein, das die ermordete Laura Palmer dem ermittelnden FBI-Agenten Dale Cooper am Ende der zweiten Staffel gegeben hat: Es gibt ein Wiedersehen nach 25 Jahren. Mittlerweile sind zehn der 18 angekündigten Episoden gelaufen – und eines lässt sich mit Sicherheit feststellen: Ja, es passiert wirklich noch einmal. Wie vor gut 25 Jahren verändert, ja, revolutioniert Twin Peaks die Serienlandschaft.

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17 19/07

Exklusiv: Filmclip und Verlosung für ein Special-Screening für "The Party"

Die Abgründe, die sich hinter eigentlich ganz harmlosen Zusammenkünften wie einem Abendessen oder einer Feierlichkeit verbergen, sind ja in vielen Filmen der Dreh- und Angelpunkt für sich entspinnende Dramen und langsam entfaltende Beziehungskonflikte. Sally Potters The Party bildet innerhalb der Reihe von thematisch ähnlichen Filmen allerdings insofern eine Ausnahme, weil es hier nicht gemächlich, sondern vom ersten Moment an überaus flott zur Sache geht: kurz und prägnant, mit funkelnden Dialogen, aus denen sich die ganzen Verwicklungen ergeben und Figurenkonstellationen entwickeln, ohne dabei auf Rückblenden zurückgreifen zu müssen, dazu eine mobile Kamera, die das theaterähnliche Geschehen durch extreme Flexibilität dynamisiert und dem verbalen wie körperlichen Schlagabtausch einen regelrechten Sog verpassen. The Party ist atemloses Kino, das mit Witz und Intelligenz nicht nur Beziehungen, sondern die ganze Tragik und Komik der englischen Oberschicht wie mit dem Rasiermesser seziert.

Und dieses Meisterwerk der Tragikomödie ist ein verdammt großer Spaß. Hier ist ein exklusiver Clip:


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17 17/07

Davis und Crawford - Pionierinnen aus dem Hollywood-System

Nach ihrer Jury-Tätigkeit auf dem diesjährigen Festival de Cannes kritisierte die Schauspielerin Jessica Chastain (Zero Dark Thirty, Die Erfindung der Wahrheit) in einer Pressekonferenz die Darstellung von Frauen auf der Kinoleinwand, die sie als "quite disturbing" empfand. Auch viele ihrer Kolleginnen – etwa Meryl Streep, Patricia Arquette oder Emma Watson – haben in den vergangenen Jahren ihr Befremden über den Mangel an Geschlechtergerechtigkeit in der Filmindustrie geäußert; Geena Davis, die in den 1980er und 1990er Jahren mit Werken wie Beetlejuice oder Thelma & Louise zu den großen Stars in Hollywood zählte, gründete 2004 das Geena Davis Institute on Gender in Media, um sich der weiblichen Repräsentation in der Unterhaltungsbranche zu widmen. Der aktive Kampf gegen klischeehafte Frauenrollen sowie gegen systemimmanenten Sexismus ist jedoch kein neues Phänomen, sondern wurde bereits im rigiden, patriarchalischen Studiosystem der Traumfabrik (in den 1930er bis 1960er Jahren) ausgetragen – so zum Beispiel von Bette Davis und Joan Crawford, die heutzutage gewiss eher als exzentrische, verfeindete Diven einer vergangenen Ära denn als feministische Vorreiterinnen wahrgenommen werden.


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17 13/07

Hartl & Behn besprechen: Spider-Man: Homecoming, Fallen – Engelsnacht & Dream Boat

In ihrer letzten Folge vor der Sommerpause geht es nochmals heiß her: Sonja Hartl nimmt sich den neuen Spider-Man: Homecoming zur Brust und Beatrice Behn hat einige Hühnchen mit Fallen - Engelsnacht zu rupfen. Und dann gibt es da noch Dream Boat, eine Doku, die schon nach Urlaub riecht.

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17 12/07

Schmerzhafte Bestandsaufnahme: Thriller aus Deutschland - Die kino-zeit-Kolumne

Eigentlich gehöre ich ja zu denen, die sagen, dass der deutsche Film besser als sein Ruf sei und sich auch im vielgescholtenen deutschen Genrefilm etwas tue. Das beweisen ja Der Samurai oder auch Der Nachtmahr.


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17 05/07

Hartl & Behn besprechen: Ich - Einfach unverbesserlich 3, Small Town Killers & Die Erfindung der Wahrheit

Sommerhitze und der dadurch geförderte leichte Wahnsinn halten Beatrice Behn und Sonja Hartl nicht davon ab, sich um die Filmneustarts der Woche zu kümmern. Da werden auch die Minions in Ich - Einfach unverbesserlich 3 kritisch betrachtet, dem Dänenhype mit Small Town Killers ein Ende gesetzt und Jessica Chastain respektvoll aber mit Abstand in Die Erfindung der Wahrheit betrachtet. Und jetzt: ab ins Kino. Und nicht vergessen ein Eis vorher zu essen.

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