Statt Socken und Krawatten – Einige Geschenktipps für Cinephile - B-Roll Blog - kino-zeit.de - das Portal für Film und Kino
  • Blogs
  • )
  • B-Roll
  • )
  • Statt Socken und Krawatten – Einige Geschenktipps für Cinephile
14 10/12

Statt Socken und Krawatten – Einige Geschenktipps für Cinephile

Kinder, wie die Zeit vergeht. Gerade noch war es Herbst und nun steht in haargenau zwei Wochen schon das Weihnachtsfest vor der Tür. Und mit ihm unweigerlich die Frage, was man denn den befreundeten Cinephilen schenken könnte. Weil auch wir uns mit dieser Frage Jahr für Jahr herumquälen, haben wir in der Redaktion mal einige Tipps und Empfehlungen gesammelt, die als kleine Anregungen dienen könnten.

Bewegte Bilder

Die erste Idee sind - wie könnte es auch anders sein - Filme. Nur: Wie kann man sicher gehen, dass der zu Beschenkende genau diesen Film noch nicht hat? Eine gute Idee sind da Sammlerboxen und spezielle Editionen wie etwa die Stanley Kubrick Masterpiece Collection auf Blu-ray.

 
(Copyright: Warner Bros. Home Entertainment)

oder die Alfred Hitchcock Masterpiece Collection.


(Copyright: Universal Pictures Home Entertainment)

Immer einen Besuch wert sind auch die Kollektionen von Eureka Masters of Cinema und von Criterion, bei der vor allem die neue Tati-Collection ins Auge sticht.  Ein echter Eyepleaser ist auch das bei Criterion erschienene Coffeetable Buch mit den schönsten Designs für das renommierte DVD-Label.

Aufregend schöne und fast immer sowohl technisch wie auch inhaltliche erstklassige Sammlereditionen gibt es in Deutschland von 84 Entertainment - eine der schönsten Neuerscheinungen dort ist beispielsweise die neu abgetastete Blu-ray Edition von Dario Argentos Suspiria. Aber auch die Kataloge von Anolis Entertainment, Bildstörung und Donau Film sind mehr als nur einen Blick wert, sofern man über Freunde mit einer Vorliebe für cineastische Grenzüberschreitungen verfügt.

Für Freunde des klassischen asiatischen Kinos könnte vielleicht die 7-DVD-Box von Yasujiro Ozu, erschienen bei Koch Media, etwas sein. Und für den Fan von japanischen Animes ist die gerade neu erschienene Blu-ray Collection der Werke von Hayao Miyazaki bei Universum Film garantiert ein Quell der Freude.


(Copyright: Universum Film)

Wer sich hingegen für keinen konkreten Film entscheiden mag, sondern lieber ein ganzes Jahr Filmspaß mit Anspruch verschenken will, der könnte auch ein Jahresabo des Video-on-demand-Anbieters MUBI in Betracht ziehen - dort gibt es für knapp 5 Euro jeden Monat ein fein kuratiertes Programm von 30 Filmen. Im Gegensatz zu Netflix und Co. Die vor allem auf Masse setzen, kann man bei MUBI eigentlich jeden der angebotenen Filme blind empfehlen. https://mubi.com/ Oder vielleicht doch Mark Cousins The Story of Film? 15 Stunden Filmgeschichte, die niemals langweilig, sondern stets klug, informativ und unterhaltsam ist. Erspart drei Semester eines Studiums der Filmwissenschaften - mindestens.

 

Kino zum Lesen

Bücher sind natürlich auch immer eine gute Idee - und auch hier gibt es einige sehr schöne Ausgaben mit Filmbezug. Wer sich beispielsweise für Wes Anderson interessiert, dessen The Grand Budapest Hotel in bemerkenswerten Filmjahr herauskam, der dürfte an Matt Zoller Seitz' Buch The Wes Anderson Collection seine helle Freude haben. Eines der leider immer noch viel zu seltenen Beispiele, dass Cleverness und gute Gestaltung sich nicht zwangsläufig ausschließen müssen.


(Copyright: Abrams Book)

Ebenfalls ein Fest für Freunde der cinephilen Buchkunst ist What I Love About Movies aus dem britischen Hause Little White Lies. Das gleichnamige Magazin ist in Sachen Gestaltung bereits eine echte Bank - für dieses Kompendium von Filmemachern und ihren Äußerungen zur ihrer Leidenschaft für das Medium Kino wurden 50 Persönlichkeiten des Kinos befragt, was ihre prägendsten Filmerlebnisse waren. Und wie stets wurden die Texte aufs Liebevollste illustriert - ein Fest für die Augen und eine Ode an das Kino. Bestellen kann man das Buch bei den einschlägigen Online-Buchändlern oder direkt bei Little White Lies. Kostenpunkt: £ 25. Nebenbei erwähnt und falls es jemand noch nicht weiß: Ein Abonnement von LWL ist gleichfalls eine exzellente Idee. 

Wer es gerne etwas fantastischer mag: Guillermo del Toro, der Mastermind hinter Hellboy und Pan's Labyrinth, lässt sich in seinem Buch "Cabinet of Curiosities: My Notebooks, Collections and other Obsessions" sozusagen direkt ins Gehirn schauen - ein Ausblick, der ebenso faszinierend wie bizarr anmutet. Das Werk ist über die einschlägigen Quellen im Internet leicht zu besorgen - und vielleicht ja auch einfach über den Buchladen an der Ecke bestellbar?


(Copyright: Harper Design)

Außerdem empfiehlt Sonja Hartl die Bücher des Fotografen und Filmemachers Anton Corbijn bei Schirmer/Mosel, Rochus Wolff begeistert sich für Christian Keßlers Wurmparade auf dem Zombiehof und Patrick Wellinski für die Essaysammlung Drei Sensationen und zwei Katastrophen: Feuilletons zur Welt des Kinos von Joseph Roth.

Weil ein echter Filmverrückter nicht nur eine ganze Menge liest, sondern viel lieber noch exzessiv ins Kino geht (und weil bei filmischer Heavy Rotation die Gedanken und Ideen zu den Filmen gerne mal auf Papier (zumindest bei der Old School Fraktion) festgehalten werden müssen, hat Moleskine, Hersteller der gleichnamigen Notizbücher, für Filmkritiker und Cinephile gleich ein ganz spezielles Büchlein entworfen, das Passion Journal Film http://shop.moleskine.com/en-us/notebooks-journals/passion/passion-journal-film-7087 Und weil manche Notizen im Dunkel des Kinosaals hingekritzelt werden müssen, bildet ein Stift mit Leuchtfunktion die ideale Ergänzung dazu.

Und dann sind da noch zwei echte Kuriosa: Zwei Bücher des früheren nordkoreanischen Machthabers und Cinephilen Kim Jong Ils On the Art of Cinema und The Character and the Actor - für diktatorische Regisseure und herrische Filmkritiker ein diskreter Hinweis, der dem Schenkenden den Status des wahren Connaisseurs verleiht - beide Werke sind übrigens bei http://www.north-korea-books.com/ erhältlich.

 

Und der ganze Rest...

Poster sind eine weitere Option, denn wer mit Filmen und für Filme lebt, schmückt damit auch gerne die eigenen vier Wände. Wer es klassisch mag, liegt mit Plakaten aus der Hand von Saul Bass niemals falsch. Im Saul Bass Poster Archive kann man in den ikonographischen Entwürfen des Meisters stöbern, bevor man sich dann in den unendlichen Weiten des Word Wide Web auf die Suche macht. http://www.saulbassposterarchive.com/ Falls man nicht auf die vielfach angebotenen Reproduktionen zurückgreifen will, wäre Saul Bass - A Life in Film and Design, das bei Chronicle Books herausgekommen ist und für das $ 75 Dollar aufgerufen werden. 


(Copyright: Laurence King Pub)

Überaus empfehlenswert ist auch die Online-Präsenz von Poster Treasures, einen Versandhändler aus Deutschland, der zudem einen ebay-Shop betreibt und der einige herrliche Originale in seinem Bestand hat - darunter auch riesige 2-sheets und japanische Plakate mit sehr ungewöhnlichem Hochformat 

Eine der schönsten und spannendsten Entwicklungen der letzten Jahre im Bereich Filmposter ist die Subkultur des Alternative Poster Designs, bei der talentierten Grafiker alternative Plakatversionen zu bekannten Filmen entwerfen und diese verkaufen. Wer sich einen Überblick über die Szene verschaffen will, startet am besten bei http://www.alternativemovieposters.com/ und http://www.repostered.com/. Mittlerweile ist auch ein erstes Buch über die Bewegung erschienen: Matthew Chojnackis Alternative Movie Posters: Film Art from the Underground, herausgekommen bei Schiffer Books, Kostenpunkt $ 34,99 http://www.schifferbooks.com/alternative-movie-posters-film-art-from-the-underground-5410.html

Darüber hinaus empfehlen wir die Arbeiten von Matt Owen und Matt Needle, Olly Moss  und Ibrahim Youssef. Fast schon kein Geheimtipp mehr sind die Plakate der polnischen Szene, die ihre westeuropäischen und amerikanischen Konkurrenten in Sachen Reduktion und Design ein ums andere Mal verdammt alt aussehen lassen. Bei http://plakiat.blogspot.de/ gibt es einen schönen Überblick.

Richtig schwierig wird es hingegen, wenn der zu Beschenkende neu und stilecht eingekleidet werden soll - da gibt es außer den Fanshirts wenig liebevoll Gestaltetes, was das Herz des gemeinen Filmfans gehobener Kinokost höher schlagen lässt. Dennoch: Die T-Shirts, Hoodies und Accessoires von Last Exit to Nowhere, die bei ihren Kreationen spielerisch mit Namen aus bekannten Filmen umgehen und daraus etwas ganz Eigenes erschaffen, sind auf jeden Fall ganz vorne mit dabei.

Ähnlich schmuck (unter anderem mit einem stilsicheren Die Hard-Weihnachtspullover geht es bei http://darkbunnytees.com/ zu. Und für ganz unerschrockene Fans von Nicolas Cage gibt es bei beloved noch einen Jumpsuit mit dem Konterfei des Mimen - da bleibt garantiert kein Auge trocken unterm Christbaum.

Wenn es etwas mondäner und dementsprechend teurer sein darf: Die Brooks Brothers haben anlässlich des Kinostarts von Baz Luhmans The Great Gatsby eine gleichnamige Kollektion herausgebracht, die nun schon erheblich günstiger zu haben ist.  Wer Joe Dante liebt, der sollte bei Mondo mal nachschauen (sowieso eine tolle Quelle für Abgefahrenes aus der Welt des Kinos), denn dort gibt es einen Strickpulli im Gremlins-Design Das Modell im schicken Fargo-Design, das ebenfalls im Herbst noch dort angeboten wurde, scheint allerdings schon ausverkauft zu sein - guess why?

Apropos Coens: Wer den Schlabber-Look des Dudes in The Big Lebowski als cool oder zumindest bequem erachtet, der findet das geräumige Strickjackenmodell mit dem indianischen Muster beim US-Traditionsunternehmen Pendleton, dort heißt er schlicht "The Original Westerley" Und wenn es dann doch unbedingt Socken sein sollen, gibt es immerhin welche mit dem Originalmuster aus Stanley Kubricks The Shining - Wetten, dass der stolze Empfänger sich wie ein Waaaaahnsinniger freut, aber definitiv nicht zur Axt greifen wird?

Falls sich in ihrem Freundes- oder Bekanntenkreis ein besonders rechthaberischen Filmkritiker befindet, freut der sich sicherlich über eine schmucke "Armchair Critic" Tasse  oder einen gleichnamigen Wein aus Australien - denn schließlich wissen wir nicht nur alles, sondern vor allem alles besser. Grund genug, uns also mit einer geschmackvollen Gabe den Kopf wieder zurecht zu rücke. 

Und wenn es schließlich unterm Christbaum richtig besinnlich werden soll: "A John Waters Christmas" enthält Songs verschiedener Interpreten, bei denen die liebe Onkels und Tanten ganz schön erstaunt aus dem feinen Zwirn schauen werden, Beatrice Behn, von der dieser Tipp stammt, mag "Santa Claus is a Black Man" am liebsten, ich finde zumindest vom Titel her "Here Comes Fatty Claus" von Rudolph & the Gang interessant.

In diesem Sinne: Ein (f)rohes Fest und viel Inspiration bis dahin beim Aussuchen der Geschenke für die cinephilen Freunde.

(Joachim Kurz)