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16 23/01

Sonnentanz im Schnee - Sundance-Telegramm Nr. 1

Es ist Januar – und das bedeutet seit mehr als drei Dekaden: It's time for Sundancing! Am 21. Januar 2016 wurde das diesjährige Sundance Film Festival mit der Day-One-Pressekonferenz im Egyptian Theatre in Park City eröffnet. Robert Redford – Präsident und Gründer des Sundance Institute – sprach dabei über den Zusammenhang zwischen Diversity und unabhängigem Kino sowie über den Offbeat-Charakter des Festivals.


(Das Egyptian Theatre in Park City; Copyright: Andreas Köhnemann)

Vom 21. bis zum 31. Januar 2016 findet das Sundance Film Festival wie gewohnt im US-Bundesstaat Utah statt: Abermals verwandelt sich die Wintersport-Gemeinde Park City für elf Tage in den zentralen Ort für Filmschaffende, Branchenpublikum und die (Kultur-)Presse. Das filmische Programm, für das neun Spielstätten zur Verfügung stehen, wird durch das seit zehn Jahren existierende Medienkunst-Programm New Frontier sowie durch zahlreiche Extra-Veranstaltungen wie Podiumsdiskussionen und Musik-Events bereichert. Darüber hinaus werden die Festivalfilme auch in Utahs Hauptstadt Salt Lake City an fünf Spielorten präsentiert; hinzu kommt ein Screening Room im Sundance Mountain Resort sowie das Peery's Egyptian-Theater in der Stadt Ogden. Insgesamt sind 2.024 freiwillige Helfer_innen für das Non-Profit-Institut im Einsatz. In diesem Jahr umfasst das Sundance-Line-up 123 Feature Films (aus 37 Ländern) sowie 72 Short Films (aus 21 Ländern).

Auch auf dem Sundance Film Festival gibt es diverse Wettbewerbe und Jurys; so besteht zum Beispiel die diesjährige Jury der U.S. Dramatic Competition aus der Dramedy-Könnerin Lena Dunham, dem Mad Men-Star Jon Hamm, der viel beschäftigten Besetzungschefin Avy Kaufman (Der Eissturm) sowie Franklin Leonard (dem Mann hinter der Black List, auf welcher jedes Jahr die besten noch nicht umgesetzten Skripts in Hollywood landen) und dem Music Supervisor Randall Poster (Boyhood). Der kompetitive Aspekt steht hier im Vergleich zu anderen großen Festivals wie der Berlinale, den Filmfestspielen von Cannes oder Venedig jedoch weniger im Fokus: Festivaldirektor John Cooper bezeichnete Sundance auf der Eröffnungspressekonferenz als "discovery festival" – eine Plattform für "new voices". Zu diesen zählten in der Vergangenheit Steven Soderbergh (1989 mit Sex, Lügen und Video) und Quentin Tarantino (1992 mit Reservoir Dogs) sowie in jüngerer Zeit beispielsweise Nicole Kassell (2004 mit The Woodsman) und Ryan Coogler (2013 mit Fruitvale Station).


(Präsident und Gründer des Sundance Institute Robert Redford, Executive Director des Sundance Institute Keri Putnam und Festivaldirektor John Cooper bei der Day One Press Conference 2016 in Park City; Copyright: Andreas Köhnemann)

Zwar wollte Redford auf der Pressekonferenz auch auf Nachfrage nicht näher auf den derzeit heftig diskutierten Mangel an Diversität bei den Oscars 2016 eingehen; er gab jedoch ein klares Statement zum Thema Diversity ab: "Diversity comes out of the word independence", meinte er – und dies sei das "principle word" des Festivals. Wenn man unabhängig denke, werde man die Dinge abweichend von der "common form" angehen, was im Endergebnis zu mehr Diversität führe. Auf die Frage, was ihn und das Festival in Utah halte, sprach der bodenständige Actor-Director-Producer die Schönheit der Landschaft an sowie die Tatsache, dass dies nicht der Ort sei, den man für eine solche Veranstaltung erwarte, wodurch das Festival "weird", "different" und "offbeat" bleibe.


(Robert Redford; Copyright: Andreas Köhnemann)

"It's fun!", bestätigen mir auch viele Einwohner_innen von Salt Lake City, denen ich erzähle, dass ich das Sundance Film Festival besuche. Und ich erzähle das sehr oft, weil es hier wohl einfach dazugehört, dass man (in einer Warteschlange, im Restaurant, an einer roten Ampel et cetera) gefragt wird, wie es einem gehe ("How aaahhhrrre you?"), woher man komme ("Oh, Germay – awesome / lovely / nice / sweet!“) und was man in dieser Gegend unternehme. Doch die Sundance-Erfahrung ist tatsächlich noch weit mehr als fun: Es gelingt den Macher_innen, sowohl unter den Ortsansässigen als auch innerhalb des Branchenpublikums eine Festival-Bubble zu erschaffen, die aus purer (Film-)Begeisterung sowie der Neugier auf ungewöhnliches visuelles Storytelling besteht und bereits jetzt zu spüren ist. Utah mag ein paar meteorologische Herausforderungen bereithalten (In Park City habe ich schon etliche Menschen auf Gehwegen ausrutschen sehen; ich selbst bin bereits in eine beachtliche Anzahl von Riesenpfützen getreten) – für Cinephile ist es aber zweifelsohne the place to be. Abseits des Festivals kann man seine Liebe für die siebte Kunst auch in den umfangreichen Film-Abteilungen diverser Buchhandlungen oder in Kombination mit Alkohol, Pizza und/oder Poolbillard im Brewvies Cinema Pub in Salt Lake City ausleben.


(Die Movies-Ecke bei Eborn Books in Salt Lake City; Copyright: Andreas Köhnemann)

Zu den filmischen Beiträgen, die an diesem ersten Festival-Wochenende auf dem Programm stehen, gehören Other People von Chris Kelly sowie Swiss Army Man von Dan Kwan und Daniel Scheinert, in welchem Daniel Radcliffe laut Kurzinhaltsangabe "a mysterious dead body" verkörpern soll. Nun ja – warum auch nicht? Welcome inside the bubble!

(Andreas Köhnemann)