• Blogs
  • )
  • B-Roll
  • )
  • Nein, neu ist nicht besser; da bin ich altmodisch - Sitzplatzerhöhung - die Kinderfilm-Kolumne
15 01/04

Nein, neu ist nicht besser; da bin ich altmodisch - Sitzplatzerhöhung - die Kinderfilm-Kolumne

Jetzt also auch Dumbo. Gerade hat erst Cinderella von Disney eine Frischzellenkur mit Glitter bekommen, noch dazu vom Kostümfilm-Maestro Kenneth Branagh persönlich; nun soll Tim Burton die Geschichte um den fliegenden Elefanten als Realfilm (mit sicherlich jeder Menge CGI) neu verfilmen – der Mann hat ja schließlich gerade erst mit Alice im Wunderland bewiesen, dass er das kann. Beziehungsweise nicht, der Film war ja eher uninteressant.


(Filmbild aus Cinderella; Copyright: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany)

Aber nicht nur Disney ist im Geschäft mit Kinderfilm-Remakes, für die kommenden Jahre sind, alles vor kurzem verlautbart, schon weitere Projekte angekündigt: die BBC will allen Ernstes Watership Down eine Frischzellenkur verpassen, und Mrs Frisby und das Geheimnis von NIMH wird von MGM ebenso überarbeitet wie Elliot das Schmunzelmonster. Für den Dezember 2016 schließlich, wir müssen jetzt ganz stark sein, ist Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt angekündigt. Im Fernsehen kann man sich das Ergebnis solchen Wahns schon ansehen, in den glattgebürsteten computergenerierten Versionen von Wickie, Die Biene Maja und demnächst Heidi.

Ja, ja, ich weiß schon: Die Klage, dass Hollywood (ach was, die ganze Filmindustrie) keine originellen Ideen mehr habe, sich nur noch mit Remakes (und neuerdings Reboots) behelfe, ist älter als das Blockbuster-Kino; allerdings darf man ob der Pläne für ein zweites Spider-Man-Reboot innerhalb von 13 Jahren behaupten, dass das nicht mehr gefällig-kulturkritische Geste ist. Es ist blanke Faktenanalyse nach kurzem Blick in die Filmstartlisten: Den großen Studios fehlen Mut und Ideen – Remakes sind das Filmemachen der Buchhalter.

Ich gestehe gerne, dass ich bei den Kinderfilmen meiner eigenen Jugend ziemlich empfindlich bin. Hier wird ja an den Grundpfeilern meines filmischen Gedächtnisses gekratzt, geschabt und herumgekritzelt. Ich neige, wie vermutlich viele, zur Romantisierung der eigenen Erinnerung – aber so verkehrt können die alten Filme und Fernsehserien ja nicht gewesen sein, wenn sie mich zu dem Menschen gemacht haben, der ich bin, oder? ODER? (Sagen Sie jetzt lieber nichts.)


(Filmbild aus Die Biene Maja - Der Film; Copyright: Universum Film)

Was mir in den meisten Fällen fehlt, ist ein Bewusstsein dafür, wie die jeweils neue Form sich auf die Geschichte auswirkt, was Ästhetik erzählt. Die gefälligen CGI-Insekten aus der neuen Biene Maja-Serie etwa (Willi hat deutlich abgespeckt, Flip hat so kindlich-große Augen wie seine Bienenfreunde) haben an Charakter und Individualität verloren. Anders als im Zeichentrick, bei dem Farbflächen zugleich Klarheit der Form und Auslassung (sprich: Raum für Phantasie) bedeuten, wirken glatte Oberflächen im CGI künstlich und vor allem: abgeschlossen. Da ist kein Raum für Ergänzungen.

Ähnliches gilt auch für den Weg vom Zeichentrick zum Realfilm wie in Cinderella: Bei Branagh geraten die magischen Effekte gleich hyperrealistisch, überpräzise – das funktioniert hier immerhin noch so weit, dass der Zauber eben ganz ins Visuelle verfrachtet wird und dort durch Überwältigung wirkt. (Burton hatte das für seine Alice auch verstanden, die er nicht nur in eine visuell überbordende Welt verfrachtete, sondern auch gleich ganz neu und anders erzählte. Das ist aus anderen Gründen misslungen, aber das gehört nicht hierher.)

Meine präventive Sorge, mein Ärger im Nachhinein über die Remakeitis ist für mich nicht beliebig, sondern gespeist aus der Sorge, dass hier für meine Kinder der Weg zu (für mich) wichtigen Filmen durch ihre (weniger gelungenen) Neufassungen versperrt wird; und dass dieser Zugriff auf das Filmkunstgedächtnis sich vor allem aus Profitinteresse speist.

Deswegen läuft bei uns nicht der Fernseher, und Die Biene Maja gibt es, wie Wickie, – die Originale – nur von DVD. Ich bin recht optimistisch, dass die derzeit entstehenden Remakes keinen so prominenten Platz in der Gegenwartskultur einnehmen werden, dass meinen Kindern wirklich Wichtiges entgeht.

(Rochus Wolff)

Rochus Wolff sucht in seinem Kinderfilmblog nach dem schönen, guten, wahren Kinderkino; das findet er gelegentlich in der Vergangenheit, aber auch die Gegenwart hält zahllose wunderbare Überraschungen bereit.

Bisherige Kommentare

(Anzeige: 1 von insgesamt 1)
Von: Kai am: 08.05.15
Hmm, "Watership Down" ist immer noch eines meiner Lieblingsbücher und der Film dazu einer meiner all time favorites, aber über eine filmische Neuinterpretation im Animationsstil (ohne die blöden Gags) des ultrarealistischen "Dinosaurier 3D - Im Reich der Giganten" würde ich mich freuen. Inklusive der ausufernden Gewalt (also mindestens PG16 bis 18). :) Warum denn dann nicht auch "Die Hunde sind los" neu verfilmen? Einen der depressivsten Filme die ich kenne und Fallbeispiel 2 (neben Watership Down), das Animationsfilme nicht immer für Kinder geeignet sind. Kann man bei Buchverfilmungen (ich zähle einfach mal Märchen dazu) überhaupt von Remakes sprechen? Dann wären ja die Hekatomben an Robin Hood, Dracula, Frankenstein-Filme alle Remakes. Für mich sind das Neuinterpretationen und sind erst einmal durchaus willkommen (bis sie sich als Gurken entpuppen). Bei den grauslichen CGI-Majas und Konsorten geb ich dir aber völlig recht. Sieht billig aus, ist glattgeschmirgelt, braucht keiner. Wobei der Stil der alten Heidi, Maja usw. nun auch nicht die Krone der Animationskunst waren. Deinen Gedanken das "meine Kinder der Weg zu (für mich) wichtigen Filmen durch ihre (weniger gelungenen) Neufassungen versperrt wird" kann ich absolut nicht teilen. Sicherlich will man schönes und prägendes an die nächste Generation weitergeben, aber letzlich suchen diese sich ihren eigenen Weg und Stil. Das sage ich aber jetzt auch nur, weil ich damit bei meinen eigenen Plag.., äh Kindern kläglich gescheitert bin. Die finden den Kram von ihrem ollen Herrn ("üäääh, das ist ja Schwarz-Weiß") meistens kreuzöde (vor allem Star Trek, menno). :-P