• Blogs
  • )
  • B-Roll
  • )
  • Locarno 2014: "Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss" von Florian Mischa Böder
14 11/08

Locarno 2014: "Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss" von Florian Mischa Böder

Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss dauert nun schon ziemlich lange. Denn Koralnik (Benno Fürmann) wartet seit mittlerweile acht Jahren auf seinen Einsatz. Von der EU als Killer ausgebildet, braucht ihn dann doch irgendwie keiner. Doch die Regeln in diesem Geschäft sind streng. Bloß nicht auffliegen! Keinen Kontakt zu anderen Leuten haben! Immer nach den strikten Vorgaben leben, die sich irgendwelche EU-Bürokraten mal ausgedacht haben.


(Bild aus Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss von Florian Mischa Böder, Courtesy: Filmfestival Locarno 2014)

Während seine anderen Kollegen schon aufgegeben haben, diese Regularien eins zu eins umzusetzen, bleibt Koralnik eisern. Er ist halt ein Deutscher. Doch das hat Auswirkungen auf seine psychische Gesundheit.  So langsam wird der Killer kauzig. Eines Tages trifft er Rosa (Mavie Hörbiger). Besser gesagt sie trifft ihn, indem sie ihr Auto in seines rammt. Obwohl er hin und her gerissen ist und seine inzwischen zur Obsession gewordene Angst seine Tarnung zu verlieren ihn fast davon abhält, trifft er sich mit ihr. Die neurotische Blondine macht ihm den Abend aber zur Hölle. Sie schmuggelt ihm Drogen ins Getränk und Koralnik ist völlig zugedröhnt, als zum ersten Mal seit langer Zeit sein Telefon klingelt - ein Auftrag!

Die Idee des Filmes klingt zugegebenermaßen sehr gut. Was machen Auftragskiller ohne Auftrag? Was, wenn Jason Bourne eigentlich nur ein ganz normaler Typ wäre, der nichts zu tun hat? Wie wäre James Bonds Leben verlaufen, wenn sich 007 an strikte EU-Auflagen hätte halten müssen? Stoff für eine ganz gute Komödie ist das allemal - vor allem wenn man das Agententhema mal wirklich ernst nimmt und in die Realität verfrachtet. Doch leider kränkelt Florian Mischa Böders Film an mehreren Stellen: Eine davon ist eindeutig Benno Fürmann, der diesen Film leider nicht zu tragen vermag. Zwar weiß er durchaus, wie man in Sachen Komödie ein paar Gags nach Hause bringt, doch insgesamt versucht er eher angestrengt, sich in die Rolle des neurotischen Killers einzuarbeiten und verpasst nicht immer, aber leider doch zu oft das delikate Timing, welches eine Grundbedingung für eine gelungene Komödie ist. Rosa, die zweite Hauptfigur des Filmes, wiederum verliert sich völlig zwischen Neurose und "Manic Pixie Dream Girl" - sie findet niemals zu einer glaubhaften Figur, was wohl vor allem daher rührt, dass hier die leichte Überzeichnung, die zu Humor führen soll, übertrieben wurde. Es gibt einige kurze Momente, in denen beide gut zusammen funktionieren und diese Augenblicke zeugen von dem möglichen Potential des Filmes. Doch das macht es letztendlich umso trauriger, denn der Funke, der für einige Momente zündet, erhellt vor allem die vielen Augenblicke, in denen die Mischung eben nicht funktioniert.

Das erste Drittel des Filmes ist noch recht erfrischend. Böder arbeitet sich hier an der Ausgangsidee eines realitätsnahen Autragskillers à la Jason Bourne ab, doch spätestens ab dem Punkt, an dem Koralnik versucht, den ersten und bisher einzigen Auftrag seiner "Karriere" auszuführen, wird das Ganze mehr und mehr zur Farce. Je schneller die Handlung, desto mehr Slapstick kommt ins Spiel, desto vorhersehbarer wird die Komik, desto prätentiöser erscheint einem der Film. Und irgendwann wird klar: Die Ausgangsidee, so gut sie auch sein mag, reicht nicht aus. So passiert, was in solchen Sachen fast immer passiert: Die Idee wird wieder und wieder durchexerziert. Das Pferd wird geritten, mal vorwärts, mal rückwärts, mal seitwärts - bis es eben tot ist.

Und trotzdem, man sollte mit diesem Film nicht zynisch werden und ihn nicht einfach verwerfen als wieder einen Versuch eine deutsche Komödie zu machen, der misslungen ist. Im Gegenteil, Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss hat etwas, das sich anfühlt wie ein kleiner Rohdiamant. Da schimmert ein Potential des deutschen Kinos durch, das nicht in den zarten Anfängen zu stecken scheint.  Aber es ist definitiv interessant, es kribbelt ein bisschen, es ist nicht das alte Lied. Insbesondere das erste Filmdrittel hat etwas. Hoffen wir, dass Böder daran anknüpfen kann.

(Beatrice Behn)