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14 27/03

Kürzere Filme schützen den Hausfrieden – Sitzplatzerhöhung: Die Kinderfilm-Kolumne

Es war ein nicht wirklich kalter Winter, nun lässt sich der Frühling eher frisch und feucht an - perfektes Kinderfilmwetter. So gab es letzte Woche bei uns Rasmus und der Vagabund, von Dienstag bis Samstag. Die Verteilung über mehrere Tage liegt natürlich nicht daran, dass Olle Hellboms Film, die inzwischen schon einigermaßen klassische Astrid-Lindgren-Verfilmung aus dem Jahr 1981, wirklich tagelang läuft - aber 105 Filmminuten lassen sich unter der Woche und selbst am Wochenende nur mühsam in unseren Familienalltag integrieren.

(Bildquelle: Klaus Nahr, Creative Commons 2.0 / wikimedia)

Vielleicht sind wir auch ein wenig speziell: der Fernseher und das normale TV-Programm spielen bei uns praktisch überhaupt keine Rolle. Natürlich gibt es immer wieder Filmisches; aber in die Zeit, die sich zwischen Ganztagsschule und Schlafengehen noch auftut, soll ja noch so viel anderes passen: Gespräche, gelegentlich ein paar kleine Hausaufgaben, Vorlesen, Abendessen, Spiele... die normale, sogenannt "abendfüllende" Filmlänge von 90+ Minuten ist nicht besonders gut geeignet für kleine Menschen, die zur Tagesschau ins Bett gehen sollten.

Das führt bei uns unweigerlich dazu, dass wir Filme entweder an sehr verregneten Wochenenden anschauen oder gestückelt über mehrere Tage verteilen. Diese Variante ist dabei nur mit einer gewissen Disziplin und Voraussicht praktikabel: Am besten ist es, vorab eine genaue Zeit festzulegen, wann der Film abgebrochen wird. Dabei hat sich als weise erwiesen, darauf zu achten, dass man mit der Unterbrechung nicht ins letzte Drittel des Films rutscht, denn dort wird dann oft die Spannung so groß, dass eine Unterbrechung zu anschließender Schlaflosigkeit führen kann. Und das wollen wir ja auch nicht.

Zugleich sind solche künstlichen Brüche im Filmgenuss mir als cinephilem Vater natürlich zuwider; Ernest & Célestine oder Mary Poppins konnten wir glücklicherweise am Stück sehen, alles andere wäre Frevel. Gleichwohl fehlt es am passgenauen Filmgenuss, an einer in den Alltag spontan einfließenden Form, die kindlichen Zeitrahmen gerecht wird. Mit anderen Worten: Wir brauchen mehr Kurzfilme, oder genauer: halblange Filme! Denn natürlich können z.B. die Fünfminüter von Shaun das Schaf hervorragend als Betthupferl dienen, es fehlt aber doch an wirklich tauglichen, guten Kinderfilmen von zwanzig bis sechzig Minuten, die sich abends noch bewältigen lassen. Für viele Kinder unter acht Jahren sind das auch Filmlängen, die sie noch konzentriert bewältigen können - längere Streifen sind schon stattdessen überwältigend.

Man kann diese klaffende Lücke eine Weile lang ganz gut mit Serien stopfen - es gibt da genug neue wie alte, die sehenswert sind - und natürlich gibt es eine erfreuliche Flut auch an guten Kurzfilmen von wenigen Minuten, von Pixars Meisterwerken bis zu den Gewinnern der vielen, tollen Kurzfilmfestivals. (In meinem Blog sammle ich auch die schönsten im Netz auffindbaren Kurzfilme für Kinder.) Wirklich anspruchsvolle, sehenswerte halblange Filme aber sind selten - ihre Produktion ist immer schon etwas aufwändiger als bei "kleinen" Kurzfilmen, fürs Kino eignen sie sich aber ebenso wenig wie für die üblichen Fernsehslots. Halbwesen sind das, und als solche in freier Wildbahn eher selten, oder wenigstens: kaum mit realistischem Aufwand greifbar.

Es gab in jüngster Zeit immerhin den wunderbaren Der Grüffelo nebst Nachfolgefilm sowie inzwischen, aus dem gleichen Hause, Für Hund und Katz ist auch noch Platz - beide etwa 25 Minuten lang und perfekt an kindliche Bedürfnisse angepasst. Aber sonst wird das Feld schnell dünn, vor allem an Filmen, die auch außerhalb von Festivals überhaupt gesehen werden können. Gelegentlich gibt es dann so Kurzspielfilme wie Mia und der Minotaurus (35 Minuten), der seine Verfügbarkeit auf DVD wohl hauptsächlich seiner Thematik Drogenmissbrauch und Co-Abhängigkeit verdankt.

Rettung bieten schließlich die Klassiker, allen voran Die Abenteuer des Prinzen Achmed von Lotte Reininger - 66 Minuten pures Glück in Scherenschnitt, ein Meilenstein der Filmgeschichte noch dazu. Alternativ lassen sich garantierte Glücks- und Lachgefühle durch die zahlreichen Slapstick-Streifen von Chaplin oder die großartigen Kurzfilme mit Stan Laurel und Oliver Hardy erzeugen.

Aber trotzdem: Wo bleiben sie, die halblangen Kinderfilme? Das wäre mal ein Gebiet, in dem sich die deutsche Filmförderung, weit verstreut und viel kritisiert, positiv hervortuen könnte.

(Rochus Wolff)

Rochus Wolff fände es großartig, wenn es jedes Wochenende zu festgelegten, günstigen Zeiten regnen würde, damit er seinen Kindern wöchentlich ein Meisterwerk zeigen könnte. Bis dahin macht er sich im Kinderfilmblog weiterhin Gedanken zum guten, schönen, wahren Kinderkino.