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Kino erlesen - Eine kleine Filmbuchlektüre, Folge 3

Pünktlich zur Frankfurter Buchmesse eine Vorstellung neuer Filmbücher, allerdings nicht jener, die gerade erst erscheinen, sondern eher solcher aus der Zwischenzeit: Biografien, Lexika und Lego.


(Copyright: Benjamin D. Esham / Wikimedia Commons [CC-BY-SA-3.0-us (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/us/deed.en)], via Wikimedia Commons


Die meisten erinnern an ein Postkartenmotiv, ein zur Ikone erstarrtes Filmbild: Jean Seberg als burschikos kurzhaarige Zeitungsverkäuferin Patricia, die an Jean-Paul Belmondos Seite die Champs-Élysées entlangschlendert. Mit Jean-Luc Godards Nouvelle Vague Klassiker Außer Atem / À bout de souffle wurde Jean Seberg zu einer Film- und Stilikone gleichermaßen. 1938 als Nachfahrin schwedischer Einwanderer in Marshalltown, Iowa im amerikanischen Mittleren Westen geboren und aufgewachsen, wurde sie vom Beginn ihrer Karriere, ein French girl, eine Französin aus den USA, eine Amerikanerin in Paris: als Jeanne d'Arc in Die heilige Johanna / Saint Joan, als Cécile in Bonjour Tristesse oder eben als Patricia außer Atem. Robert Parrish erklärte, ein Film dürfe sich glücklich schätzen, zu diesem Gesicht eine Geschichte zu liefern und drehte mit ihr Plaisirs d'amour / In the French Style. Im Vorwort des schönen Bildbands urteilt Antoine de Baecque, ehedem Chefredakteur der Cahiers du cinéma, Plaisirs d'amour sei "dank Jean Seberg der französischste Hollywood-Film, der je in Paris gedreht wurde". Wenn man das Buch durchsieht, ist es so, als durchblättere man hälftig eine Filmografie, mit Fotos aus 17 ihrer insgesamt 35 Filme und Bildern vom Set, und hälftig ein Familienalbum, mit Jean als Säugling und als Highschool-Absolventin, mit ihren Männern und ihrer Familie. Die Bilder und die ausgewählten Briefe aus ihrer Feder lassen erkennen, dass sie eine starke Persönlichkeit, eine politisch engagierte Frau, ein begeisterungsfähiger und unabhängiger Charakter war.

(Jean Seberg - Photographien und Dokumente aus dem Familienarchiv. Schirmer/Mosel Verlag 2014, 200 S., EUR 39,80, ISBN 978-3-8296-0674-5)


Lilli Palmer hat schon in den siebziger Jahren mit ihrem Bestseller Dicke Lilli - gutes Kind und dem nachfolgenden Der rote Rabe Autobiografisches veröffentlicht. Eine ausführliche Biografie aus anderer Hand ist seitdem ausgeblieben. Jetzt schließt Heike Specht mit Lilli Palmer - Die preußische Diva diese Lücke. Specht orientiert sich an Palmers Büchern, es bleibt ihr auch gar nichts anderes übrig, aber sie ergänzt sie durch eigene Recherchen. Sie gewichtet neu und bringt damit viel mehr Objektivität ins Spiel. Ihr Buch ist eine fundierte Biografie über ein ereignisreiches Leben, das gleichsam gleich drei Schauspielkarrieren nacheinander umfasste. Zuerst im England der dreißiger Jahre, dann in den USA, in Hollywood wie am Broadway, und zuletzt auch in Deutschland.

(Heike Specht. Lilli Palmer - Die preußische Diva. Aufbau Verlag 2014, 423 S., EUR 22,99, ISBN 978-3-351-03567-9)


Vom Autor Lion Feuchtwanger, mit dem sich auch schon Heike Specht in ihrem Buch Die Feuchtwangers befasste, handelt Andreas Heuslers Biografie Lion Feuchtwanger: Münchner - Emigrant - Weltbürger. Spannend zu lesen, schildert sie ein Leben, das zwischen 1884 in München und 1958 in Los Angeles kaum verlässliche Kontinuitäten kennt, dafür all die Höhen und Untiefen eines jüdischen Schriftstellerdaseins im deutschen Kaiserreich, im Königreich Bayern, in der Weimarer Republik und gezwungenermaßen in verschiedenen Exilen. Ab 1943 in der Villa Aurora in Pacific Palisades, die zu einem Zentrum der deutschsprachigen Emigration wurde, ein "Weimar on the Pacific". Zu Lebzeiten wurden zwei seiner Romane verfilmt, später Goya fürs Kino, weitere fürs Fernsehen, gerne als Mehrteiler.

(Andreas Heusler. Lion Feuchtwanger: Münchner - Emigrant - Weltbürger. Residenz Verlag 2014, 352 S., EUR 24,90, ISBN 978-3-7017-4460-2)


Armin Mueller-Stahl schreibt - nicht zum ersten Mal - über sich bzw. hat aufschreiben lassen von Merian-Chefredakteur Andreas Hallaschka. Seine Biografie beginnt und endet an der Ostsee und macht dazwischen Station unter anderem in Prenzlau, Berlin und abermals in Pacific Palisades. "Ich habe in drei Deutschlands gelebt und konnte mit keinem richtig warm werden. Ich konnte es nicht im Faschismus, ich konnte es nicht in der DDR, und ich mochte überhaupt nicht die 'Aufarbeiter' in der alten Bundesrepublik, die über die Menschen der DDR richteten", heißt es darin, doch blickt das Buch auch zurück auf Mueller-Stahls Rollen als Schauspieler, auf die Begegnungen mit Kollegen und anderen, auf die Musik und die Malerei, in der er Momente erlebe, in denen er wirklich fliegen könne.

(Armin Mueller-Stahl. Dreimal Deutschland und zurück. Hoffmann und Campe 2014, 239 S., EUR 19,99, ISBN 978-3-455-50317-3)


In die Welt der Marvel Comics wie ins Marvel Cinematic Universe führt Marvel Avengers, ein schön bebildertes Lexikon, das nicht nur viele Superhelden, sondern auch etliche ihrer Feinde, die Superschurken, vorstellt. Ganz populäre wie Iron- und Spider-Man und unbekanntere wie Lionheart und Squirrel Girl treffen hier auf Kang, Baron von Blitzschlag oder den Mole Man. Einige Figuren, wie der Punisher oder der schwule Northstar, fehlen leider. Ebenso vermisst man Angaben zu den Comics, Filmen oder TV-Serien, in denen die Figuren auftreten. Viele interessante Daten und Fakten bietet dieses Lexikon dennoch.

(Alan Cowsill. Marvel Avengers - Lexikon der Superhelden. Dorling Kindersley Verlag 2014, 208 S., EUR 12,95, ISBN 978-3-8310-2478-0)


Ganz ähnlich aufgemacht ist Muppets - Das große Lexikon, das ca. 150 Haupt- und Nebenfiguren der Muppets von der Muppet Show bis Muppets Most Wanted vorstellt, vom Afghanischen Windhund über Fozzie Bär und Kermit bis zum blauhaarigen Saxofonisten Zoot. Dafür, dass dieses Lexikon informativer ist, als das vorstehende, sorgte Autor Craig Shemin, der 14 Jahre lang Mitarbeiter der Jim Henson Company war und heute Präsident der Jim Henson Legacy ist, die das geistige Erbe des Muppets-Dads verwaltet.

(Craig Shemin. Muppets - Das große Lexikon. Dorling Kindersley Verlag 2014, 200 S., EUR 12,95, ISBN 978-3-8310-2575-6)


Ebenfalls im Dorling Kindersley Verlag erschienen ist ein Begleitbuch zum so gelungenen Lego Movie. Auch hier werden in erster Linie die Haupt- und Nebenfiguren porträtiert, von Bauarbeiter Emmet über Batman bis Lord Business. Der originale Untertitel des Buches, The Essential Guide, trifft den Inhalt besser als der deutsche Titel, denn die Handlung des ersten so richtig professionellen Lego-Films spielt in dieser Veröffentlichung nur eine nachgeordnete Rolle.

(The LEGO®Movie - Das ganze Abenteuer. Dorling Kindersley Verlag 2014, 64 S., EUR 7,95, ISBN 978-3-8310-2560-2)


So perfekt wie Warner Bros. und Animal Logic wird man den eigenen Lego- oder Brickfilm auf dem Küchentisch oder im heimischen Keller nicht produzieren können, doch man befindet sich fraglos auf dem richtigen Weg, wenn man Alexander Altendorfers sehr instruktivem und reich bebildertem Handbuch Stop Motion Animation folgt, das von der Idee über alle möglichen Spezialeffekte bis zur Veröffentlichung eingängig Schritt für Schritt erläutert, und eine Menge Anregungen fürs Heimstudio im Kinderzimmer oder Hobbyraum bietet.

(Alexander Altendorfer. Stop Motion Animation - Kreative Filme mit LEGO®-Figuren. mitp Verlag 2014, 183 S., EUR 19,99, ISBN 978-3-8266-9722-7)

(Stefan Otto)