• Blogs
  • )
  • B-Roll
  • )
  • Film/Musik zum Wochenende: „The Waiting Room Project" von The Tindersticks
16 22/01

Film/Musik zum Wochenende: „The Waiting Room Project" von The Tindersticks

Selten, viel zu selten, hat man als Filmkritiker ja Gelegenheit, etwas über Musik zu schreiben - und schon gar nicht über Musik, die einem besonders am Herzen liegt. Wie gut, dass es da die britische Band The Tindersticks gibt, deren Musik für mich die Musik gewordene Umsetzungen von bisher nicht realisierten Filmprojekten ist. Die sehr eigene und unverwechselbare Stimme von Lead-Sänger Stuart A. Staples, die sparsame Instrumentierung irgendwo zwischen Pop, Kammermusik, Chanson, dezenten Noise-Anklängen und Filmscore, die Geschichten, von denen die Songs erzählen, und die allesamt Stoff böten für Dutzende von Kurzfilmen - all das macht aus den TheTindersticks etwas ganz Besonders.

 
(The Tindersticks - Hey, Lucinda)

Warum ich gerade heute über die The Tindersticks schreibe? Das hat einen guten Grund. Genau genommen sind es eigentlich zwei: Zum einen erscheint heute ihr neues Album The Waiting Room Zum zweiten hat die Band parallel zum Album-Release ein Filmprojekt promotet, das die Veröffentlichung begleitet. Die Idee hinter dem Projekt ist ebenso einfach wie bestechend: Jeder der Songs wurde von einem anderen Regisseur visuell umgesetzt.


(The Tindersticks - We Are Dreamers)

Der rund 51-minütige Film, der all diese Einzelwerke vereint, entstand in Zusammenarbeit mit dem renommierten Kurzfilmfestival in Clermont-Ferrand, bei dem Stuart Staples (schon das ist ungewöhnlich für einen Musiker, der nicht primär für die große Leinwand komponiert) in der Jury saß. Das kommt natürlich nicht von ungefähr. Wer ein wenig mit der Historie der The Tindersticks vertraut ist, weiß, dass die Verbindungslinien der Musiker zum Kino nicht erst seit diesem Projekt bestehen. Seit 1996 schreibt die Band, die seit ihrer Gründung Anfang der 1990er Jahre etliche Trennungen und Neuformationen hinter sich gebracht hat, die Filmmusik für die Werke der französischen Regisseurin Claire Denis. Fünf Soundtracks sind seitdem entstanden, zu 


Nenette et Boni (1996)

 


Trouble Every Day (2001)

 


35 Rum / 35 Rhums (2008)

 


White Material 

 


und Dreckskerle / Les Salauds

Wer die einzelnen Filme noch nicht kennt, der wird aber bereits durch die Trailer erahnen können, welche außerordentliche Verbindung Film und Musik in der Kombination Claire Denis und The Tindersticks eingehen. Und wie das Waiting Room Film Project beweist, klappt die Verbindung auch mit anderen Regisseuren bestens.

Übrigens ist die große Filmaffinität der Band schon vor einigen Jahren in einer Kompilation zum Ausdruck gekommen: Im Jahre 2005 veröffentlichen die Tindersticks neun Kurzfilme zu ihren Songs auf einer DVD namens Bareback. Regie führten dort der Emmy-gekürte Martin Wallace und dessen Kompagnon bei der Produktionsfirma Nova, Mr. Jarvis Cocker himself (Kenner natürlich bekannt als Sänger der BritPopper Pulp).


(The Tindersticks - Sometimes it hurts)

Die Neigung zu gediegenen Soundtracks nicht nur der aktuellen Besetzung um Stuart A. Staples am Herzen zu liegen. Auch Dickon Hinchcliffe, Gründungsmitglied und im Jahre 2002 aus der Band ausgestiegen, hat sich mittlerweile einen Namen als Komponist von Scores gemacht, seine Kollaborationen umfassen unter anderem die Filmmusiken zu Debra Graniks Winter`s Bone, Oren Movermans Rampart, Joel Hopkins Liebe auf den zweiten Blick, James Marshs Red Riding -1980 und Shadow Dancer, Cold Souls von Sophie Barthes, Niall Johnsons Mord im Pfarrhaus und zu einigen weiteren Filmen.

Wer also ganz entspannt ins Wochenende hinübergleiten möchte, der lehne sich jetzt zurück, schalte die Vollbild-Funktion seines Player an und drehe die Lautstärke hoch: Ladies and Gentlemen, The Waiting Room Project


The Waiting Room Project