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15 23/12

Es kommt ein Film geladen - Die kino-zeit.de-Kolumne

Weihnachten. Die ganze Spannbreite dessen, was Menschen damit emotional verbinden, lässt sich daran ablesen, was so als "Weihnachtsfilm" gilt. Es beginnt mit einem Klassiker wie Ist das Leben nicht schön?, streift die Sissi-Filme (die nostalgische Seelen im Fernsehprogramm der Weihnachtstage mittlerweile weitgehend vergeblich suchen) und geht dann über Guilty-Pleasure-Schmonzetten wie Tatsächlich... Liebe zu den Streifen, die Weihnachten etwas handfester, gar blutiger abfeiern: Stirb langsam und all jene Horrorfilme, die die unterschwelligen Aggressionen des wahrlich nicht immer friedlichen Festes an die Oberfläche bringen, von Black Christmas über Silent Night bis Rare Exports. Die Kolleg_innen von critic.de tragen da seit Jahren schöne Beispiele in ihrer Reihe "Blutige Weihnachten" zusammen.

(Weihnachten im Fernsehen; Copyright: mattbuck / Public Domain via Wikimedia Commons)

Das ist natürlich nichts für Kinder. Ich muss auch gestehen, dass selbst ich als großer Filmliebhaber sehr dafür bin, den Fernseher und die Leinwand an Weihnachten weitgehend zu vergessen und stattdessen gemeinsam zu spielen, zu essen, zu reden – mit Kindern, Freunden, sogar Familie. Man kommt sonst viel zu wenig dazu. Gleichwohl darf es auch mal ein Film sein, dazu kann man sich mit den eigenen Kindern noch entscheiden: Wollen wir einen bestimmten Film als Tradition etablieren oder schauen wir jedes Jahr etwas anderes?

Und wie bei den Filmen "für Erwachsene" stellt sich außerdem die Frage: Klassiker oder was Neueres, Schmalz oder Humor, Besinnlichkeit oder Ironie? Es gibt ja für alle etwas beim großen Menü der Weihnachtsfilme.

Die großen Klassiker muss man im Grunde gar nicht vorstellen – sei es das Schicksal von Lord Fauntleroy in der Verfilmung von Der kleine Lord, sei es Die Weihnachtsgans Auguste oder Drei Haselnüsse für Aschenbrödel, der allein am Heiligen Abend sechsmal im deutschen Fernsehen läuft: Für wen diese Filme schon in der eigenen Kindheit zum Fest gehörten, der wird sie wahrscheinlich auch an seinen eigenen Nachwuchs weiterreichen wollen.


(Trailer zu Drei Haselnüsse für Aschenbrödel)

Im Fernsehprogramm wird an Weihnachten – wer hätte das gedacht? – vor allem fröhlich dem Eskapismus gefrönt. Haufenweise Märchenfilme in zum Teil furchtbar weichgespülten Fassungen, Schmalz fürs Herz und Weihnachtsvarianten bekannter Blockbuster. Die Schlümpfe, Shrek, Ice Age und natürlich auch, oh weh, Barbie bieten ihre "Weihnachtsgeschichten" feil. Das ist mal mehr, mal weniger interessant, immer aber herzig-gefühlig und tut niemandem weh. Außer vielleicht den Seelen anspruchsvoller cinephiler Geister.

Ohne Kitsch geht an Weihnachten natürlich wenig, aber man kann es ja wenigstens versuchen. Meine Kinder wollen gerne Arthur Weihnachtsmann noch einmal sehen, den wir vor Jahren im Kino gesehen haben – mich stört an dem Animationsfilm zwar, dass er die Geschenkeauslieferung durch den Weihnachtsmann in eine nachgerade militärisch geprägte Organisation einbettet, dafür geht es flott und wenig schmalzig zur Sache.


(Trailer zu Arthur Weihnachtsmann)

Ich werde gegen diesen Wunsch vermutlich Die Muppets Weihnachtsgeschichte ins Spiel bringen, meinen ganz persönlichen Lieblingsweihnachtsfilm – mit Michael Caine als Ebeneezer Scrooge und Kermit dem Frosch als seinem Gehilfen Bob Cratchit. Für mich ist das die schönste Verfilmung von Dickens’ Erzählung, wahrscheinlich aber nur, weil ich die Muppets so gerne mag und Gonzo hier den Erzähler gibt. Das heißt: so richtig bierernst wird es auch bei der großen Gefühligkeit am Schluss nicht.

Wenn Weihnachten etwas kindgerecht dramatischer, aber immer noch hinreichend fantastisch werden darf (mit einem sprechenden Stock bzw. sprechenden Elch), empfehlen sich entweder die drei Knerten-Filme (beginnend mit Mein Freund Knerten) oder Mitten in der Winternacht. Letzterer ist die eindeutig und emphatisch bessere der beiden Verfilmungen des Buches Es ist ein Elch entsprungen von Andreas Steinhöfel – eine Geschichte mit Weihnachtsmann, Trennungskind und einem möglicherweise nicht besonders pflichtbewussten Rotwild.

Und zu guter Letzt gibt es natürlich auch die kindgerechte Variation von "Blutige Weihnachten", für emotional stabile oder, wie man so sagt, sogar robuste Kinder. Mit viel Tradition und klassischem Gruselfilm im Hintergrund kommt Munsters Fröhliche Weihnachten daher, schon wesentlich zeitgenössischer hingegen Kevin – Allein zu Haus. Der war mir als Kind wie Erwachsener eigentlich immer zu realistisch brutal, aber als Antidot zu zu vielen Plätzchen und Freundlichkeiten mag er allemal dienen.


(Trailer zu Kevin – Allein zu Haus)

(Schließlich und endlich: Wer mit der Familie am liebsten nur raus, raus, raus will, kann natürlich auch ins Kino gehen. Aktuell laufen drei der besten kindertauglichen Animationsfilme überhaupt in den deutschen Kinos: Die Melodie des Meeres, Alles steht Kopf und Der Junge und die Welt.)

Dieses Jahr z.B. im Fernsehen:

Der kleine Lord (ARD, 24.12., 10:15 Uhr)

Die Weihnachtsgans Auguste (RBB, 24.12., 12:00 Uhr)

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel (ARD, 24.12., 12:10 Uhr)

Munsters Fröhliche Weihnachten (24.12., 14:55 Uhr)

Arthur Weihnachtsmann (SAT.1, 24.12., 13:40 Uhr)

Kevin – Allein zu Haus (SAT.1, 25.12., 14:00 Uhr)

Mitten in der Winternacht (KIKA 25.12., 19:35 Uhr)

Knerten (alle drei Filme vom 28.-30.12., jeweils um 12:10 Uhr auf KIKA)

Nicht im Fernsehen:

Die Muppets Weihnachtsgeschichte

(Rochus Wolff)

Rochus Wolff sucht in seinem Kinderfilmblog, wenn seine Zeit es ihm erlaubt, nach dem guten, schönen, wahren Kinderkino.