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14 20/12

Der Filmblog-Adventskalender: Tür Nummer 20

Der Filmblog Adventskalender von Alex Matzkeit ist ja mittlerweile fast schon so etwas wie eine kleine Tradition geworden - und wie im letzten Jahr empfehle ich auch heuer ein gewaltiges Ding, das ich mir auch selbst schenken würde, wenn ich es nicht schon besäße. Ein weiterer Zufall will es, dass nach dem letztjährigen Geschenktipp Codex Seraphinianus von Luigi Serafini  auch die neue Empfehlung aus Italien stammt.

Was schenkt man cinephilen Freunden? Natürlich am besten einen Film. Nur welchen? Im Idealfall einen Klassiker. Weil man sich allerdings nie ganz sicher sein kann, welchen Film der zu Beschenkende schon besitzt, greifen Ahnungsinhaber gerne zu den exklusiven Sammlereditionen und limitierten Neuauflagen, die in "limited releases" mit viel Schmuckwerk und Bonusmaterial unters Volk gebracht werden. In diesen erlesenen Zirkeln des fortgeschrittenen Nerdtums nehmen die Veröffentlichungen von 84 Entertainment ungefähr den Stellenwert ein, den früher einmal die Buchreihe "Die andere Bibliothek" unter Bibliophilen hatte. Sie versammeln Kurioses und Seltenes, legen Verschwundenes bis Verstümmeltes neu auf und sichern sich damit die Aufmerksamkeit des arrivierten Cinephilen. Unter den Releases des Labels sticht in diesem Jahr sicherlich die Neuauflage von Dario Argentos Suspiria hervor, dem wohl bekanntesten Film des italienischen Giallo-Meisters, dessen Einfluss auf den Horrorfilm nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

In dem 1977 entstandenen ersten Teil der Mutter-Trilogie (Teil 2: Horror Infernal / Inferno, 1980; Teil 3: The Mother of Tears / La terza madre, 2007) geht es um eine amerikanische Ballett-Elevin, die nach Freiburg im Breisgau (!) reist (lustiges Detail am Rande: Gedreht wurde vor allem in München, das sich als Perle des Breisgaus aber erstaunlich gut macht), um dort an einem renommierten Tanzinstitut ihre Fähigkeiten zu vervollkommnen. Allerdings gehen in dem Anwesen seltsame Dinge vor sich - zuerst stirbt gleich in der ersten Nacht eine der Schülerinnen, dann häufen sich weitere obskure Ereignisse, die den Verdacht nähren, dass die düsteren Mauern ein schauriges Geheimnis verbergen. Was dieses Mysterium aber genau ist, übersteigt ihre Vorstellungskraft...

Argentos Werk zeigt einen Regisseur auf dem Höhepunkt seiner Kunst - seine wilden Farbexperimente und expressiven, messerscharfen Bilder voller exquisitem Grauen, unterlegt von dem herrlichen Score der bekifften Späthippies der italienischen Progressive Rock-Combo Goblin erzeugen einen Sog, dem man sich selbst als Nicht-Fan des Horrorgenres kaum entziehen kann. Und selbst wenn die Geschichte sich am Ende für jene Zuschauer, die dem Okkulten weniger zugeneigt sind, als ein wenig krude herausstellt, ist Suspiria vor allem eines - ein wilder, überaus stylisher und atmosphärisch unglaublich dichter Trip in die Tiefen der im Unbewussten schlummernden Urängste und Alpträume, reines Dope auf Filmmaterial, das mittlerweile nach einer langen Geschichte der Zensierung Anfang des Jahres vom Index für Jugendgefährdendes gestrichen wurde.

Noch mehr Freude bietet nun die Sorgfalt, mit der der Film in enger Abstimmung mit Dario Argento höchstselbst neu auf HD abgetastet und der ursprünglich intendierten Farbgebung angepasst wurde, sowie der kenntnisreiche Audiokommentar von Dr. Marcus Stiglegger und Kai Nauman und das beinahe schon ausufernde Bonusmaterial.


(Der Vergleichstrailer zwischen den verschiedenen Fassungen)

Einziges Problem bei der Sache: Das fett ausgestattete Mediabook mit insgesamt 4 Silberscheiben - eine davon enthält den Soundtrack von Goblin - ist eine limitierte Sammleredition und es ist wahrscheinlich, dass das gute Stück schwer erhältlich sein dürfte. Aber so ist das eben mit Raritäten und Kostbarkeiten. Auf jeden Fall sollte man als ambitionierter Sammler die Neuauflagen aus dem Hause 84 Entertainment künftig genaustens im Augen behalten. (Und nein, ich werde für diese Form der Werbung weder bezahlt noch beschenkt. Was eigentlich ziemlich schade, aber nicht zu ändern ist)

Ein kleiner Nachtrag noch: Sollte Sie jemand nach dem Anschauen des Films am nächsten Tag fragen, warum Sie so gerädert aussehen, schieben Sie es im Zweifelsfall auf das schwere Weihnachtsessen - das erspart lästige Nachfragen und peinliche Erklärungen. Aber das nur am Rande...

(Joachim Kurz)

Bisherige Kommentare

(Anzeige: 1 von insgesamt 1)
Von: chris wortmann am: 20.12.14
gerne lass ich mich an Weihnachten auch schocken!