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13 22/10

Der 18. Schlingel – Ein Rückblick auf das Chemnitzer Filmfestival für Kinder und junges Publikum

Das Internationale Filmfestival für Kinder und junges Publikum in Chemnitz, auch "Schlingel" genannt, widmet sich den jüngsten Kinofans auf verschiedenen Ebenen. In erster Linie sind es natürlich die zahlreichen Filme für Kinder ab 5 Jahren, die die kleinen Cineasten erfreuen.

(Copyright des Bildes: Sächsischer Kinder- und Jugendfilmdienst e.V., Internationales Filmfestival SCHLINGEL) 

Doch auch jenseits der Leinwände zeugt alles davon, dass es hier einmal nicht um die Interessen der Erwachsenen, sondern um die der Jüngsten geht. So tritt der "Schlingel" auch selbst in Erscheinung: Dieses Jahr durfte der Schüler Yuca-Paul Wagner in das beliebte Kostüm schlüpfen, das Festival am 14. Oktober 2013 offiziell eröffnen und vor allem so manchen Film professionell anmoderieren. Nach jeder Vorführung gab es für das junge Publikum die Möglichkeit, einem oder mehreren Vertretern des Filmteams Fragen zu stellen und natürlich Autogramme zu erjagen.

Neben dem Filmprogramm fanden verschiedene Workshops statt, in denen sich Kinder unterschiedlichen Alters ganz praktisch mit dem Medium Film auseinander setzen konnten. So entstanden Fernsehbeiträge für das Format "Schlingel TV" und der Animationsfilm Der graue Wald, der von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Trick-Boxx gezeichnet wurde und bei der Preisverleihung am 19. Oktober 2013 seine begeisterte Premiere feierte.

Selbstverständlich spielten die Kinder auch bei der Preisvergabe eine Schlüsselrolle. Gleich vier Jurys durften sie stellen. Besonders beeindruckend gestaltete sich hierbei die Europäische Kinderjury, die sich aus 17 Vertretern aus neun verschiedenen europäischen Ländern zusammensetzte. Diese durfte dann auch gleich zwei Preise vergeben, einen für den besten Film und einen für den besten Nachwuchsdarsteller. Durchaus überraschend entschied sich die Jury mit Die Zwölf Monate von Karel Janák für einen traditionellen Märchenfilm. Den kleinen Zuschauern hatte es vor allem der Humor der Inszenierung angetan. Den erwachsenen Zuschauer kann der Film aber auch durch seine Ehrlichkeit überzeugen: Kostüme und Kulissen sind als solche stets zu erkennen. Die tschechische TV-Produktion versucht niemals mehr zu sein als ein Märchenfilm und vermittelt gerade dadurch dieselbe romantische Faszination, die Drei Nüsse für Aschenbrödel auch heute noch verströmt.

Als bester Kinderdarsteller wurde Maas Bronkhuyzen für seine gelungene Darstellung der Hauptfigur in Grüße von Mike ausgezeichnet. Die junge Jury überzeugte vor allem die Natürlichkeit des niederländischen Kinderschauspielers und seine Fähigkeit der tragischen Geschichte Witz zu verleihen. Grüße von Mike erzählt vom leukämiekranken Mike, der nach seiner Genesung nicht nach Hause zurückkehren kann, da seiner Mutter auf Grund einer Alkoholerkrankung vorübergehend das Sorgerecht entzogen wurde. Diese durchaus tragische, aber kindgerecht unterhaltsam erzählte Geschichte überzeugte auch die Fachjury Spielfilm, die Grüße von Mike den Hauptpreis der Stadt Chemnitz verlieh.

Selbige Jury zeichnete den kanadischen Beitrag Die Pee-Wees als besten Juniorfilm aus. Wenig überraschend entschied sich auch die neunköpfige Juniorjury für diesen sehr US-amerikanisch anmutenden Eishockeyfilm. Die jungen Juroren lobten die Spannung der Geschichte und die außergewöhnliche Kameraführung. Dass die Geschichte abseits der Eisfläche, in der es um Trauerarbeit und ein angespanntes Vater-Sohn-Verhältnis geht, sich wenig originell und recht vorhersehbar ausnimmt, schien die Jurys weniger zu stören. Die doppelte Auszeichnung von Die Pee-Wees ist ein Zugeständnis an das primär auf kommerziellen Erfolg ausgerichtete Kinderkino.

Sowohl die Jugendjury als auch die Kinder des Matthes-Enderlein-Gymnasiums Zwönitz, die den Fair-Play-Preis vergaben, entschieden sich für den niederländischen Film Reue, der sich mit dem Thema Mobbing in der Schule beschäftigt. Die Kinder zeigten sich von der Geschichte sehr bewegt und lobten die Eigenschaft des Films, dem Zuschauer Einblick in die Situation eines Mobbingopfers zu verleihen.

Der Förderpreis der DEFA-Stiftung ging an Am Himmel der Tag, der Jugend- und Kinderfilmpreis des Goethe-Instituts an Scherbenpark. Die europäische Kinderfilmvereinigung ECFA prämierte den französischen Film La Cité Rose. Zum ersten mal war dieses Jahr auch die FIPRESCI-Jury vertreten, die sich für Olegario Barreras Der blaue Apfelbaum aus Venezuela entschied.

Auch der deutsche Eröffnungsfilm Das kleine Gespenst ging nicht leer aus und erhielt den Lichtenauer Publikumspreis. Nach den Vorführungen durften die Festivalbesucher mit ihren leeren Getränkeflaschen abstimmen, die je nach Urteil in drei verschiedene Müllsäcke eingeordnet werden konnten. Vielleicht hat dieses Ergebnis also auch ein klein wenig mit der ausverkauften Auftaktveranstaltung des Festivals zu tun.

Im Gegensatz zu großen Festivals wie Cannes oder Venedig spielt es beim "Schlingel" aber ohnehin eine untergeordnete Rolle, ob die Preise nun zu Recht vergeben werden oder nicht. Bei diesem Filmfest geht es, das wurde auch in den Ansprachen des Festivaldirektors Michael Harbauer immer wieder deutlich, in erster Linie darum, den Kinderfilm als solchen zu feiern und zu fördern. Die aufrichtige Liebe zu dieser Kinosparte war während des Festivals stets spürbar, nicht nur durch die Begeisterungsfähigkeit des jungen Publikums, sondern auch durch die Hingabe der FestivalmitarbeiterInnen. Von der Technikerin bis zum Einleser - alle schienen ihrer Tätigkeit aus Überzeugung und mit große Freude nachzugehen. Nun bleibt nur noch zu hoffen, dass ihr Engagement Früchte trägt und viele der beim Festival präsentierten Filme ihren Weg in die Kinos finden.

(Sophie Charlotte Rieger)