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15 05/10

"Auflehnung, Antriebslosigkeit, Antidepressiva und Apokalypse" - Über die Rebellen des Kinos

In diesen Tagen jährt sich der seinerzeit von der Welt mit einem Aufschrei der Bestürzung aufgenommene Unfalltod des US-amerikanischen Schauspielers James Dean (1931-1955) am 30. September zum sechzigsten Mal. Seine Fans von damals dürften zumindest stark fortgeschritten in die Jahre gekommen sein, doch das mindert seine erstaunliche, nur mit Superlativen zu beschreibende posthume Popularität kaum.


(Trailer-Screenshot aus ...denn sie wissen nicht, was sie tun von Nicholas Ray; Copyright: Public Domain via Wikimedia Commons)

Auch die Filmwissenschaftlerin Marina Küffner hat sich dieser Popularität mit dem Thema ihrer Magisterarbeit von 2013 an der Goethe-Universität Frankfurt angeschlossen, die nun als Buch im signifikanten September im Mühlbeyer Filmbuchverlag veröffentlicht wird, während das biographische Drama Life von Anton Corbijn über James Dean hierzulande in die Kinos kommt.

Mit dem tautogrammatisch beginnenden Titel Auflehnung, Antriebslosigkeit, Antidepressiva und Apokalypse überschreibt die Autorin ihre Ausführungen über die Existenzielle Rebellion im Film seit James Dean bereits mit jenen sozialpsychologischen Schlagworten über Befindlichkeiten und Imaginationsräume, die sie im Folgenden filmanalytischen Gesichtspunkten unterzieht. Denn nach der anfänglichen Betrachtung einiger Aspekte der Biographie James Deans und der ausführlichen Vorstellung seines wohl am stärksten legendenbildenden Films Rebel Without a Cause / ...denn sie wissen nicht, was sie tun von Nicholas Ray aus dem Jahre 1955 beschäftigt sich die Arbeit mit ebensolchen späteren Filmen des Territoriums von Coming of Age, die Marina Küffner als eine Art Vermächtnis des Rebellen James Dean und seiner wenigen, markanten Rollen ausweist.

Zuvorderst vor dem theoretischen Hintergrund des Existenzialismus und auch anhand von Jugendlichkeit, Männerbildern und gesellschaftlichen Dimensionen der männlichen Geschlechterrolle präsentiert die Autorin Post-James-Dean-Betrachtungen zu Filmen wie Donnie Darko von Richard Kelly (2001), The Rules of Attraction / Die Regeln des Spiels von Roger Avary (2002), Charlie Bartlett von Jon Poll (2007) und Kaboom von Gregg Araki (2010). Hier werden die Inspirationen und Nachwirkungen verortet, die Marina Küffner dem so lebendigen wie dynamischen Mythos um die US-amerikanische Kultfigur und ihre Rebellion zuschreibt, der überwiegend aus nur drei Kinofilmen (East of Eden / Jenseits von Eden, Rebel Without a Cause / ...denn sie wissen nicht, was sie tun und Giant / Giganten), etlichen berühmten Fotos von Dennis Stock, einigen Informationen zu einer recht unwegsamen Kindheit und öffentlichen Fragmenten einer zutiefst unruhigen, extremen Persönlichkeit mit visuellem Charisma besteht. Prägnante Zitate zum Helden und Thema seitens einer illustren Prominenz wie Andy Warhol und François Truffaut untermauern ansprechend die Ausführungen der Autorin zum Rebellen-Charakter als Zentrum ihrer Thesen und deren filmanalytischer und -interpretatorischer Anwendung.

(Das Cover von Auflehnung, Antriebslosigkeit, Antidepressiva und Apokalypse – Existenzielle Rebellion im Film seit James Dean; Copyright: Mühlbeyer Filmbuchverlag)

Als wissenschaftliche Abschlussarbeit konzipiert, hebt sich Auflehnung, Antriebslosigkeit, Antidepressiva und Apokalypse – Existenzielle Rebellion im Film seit James Dean, auf dessen Cover ein Foto des berühmten James-Dean-Denkmals in Griffith Park, Los Angeles prunkt, deutlich von den gängigen populärwissenschaftlichen Werken über James Byron "Jimmy" Dean ab. Zwar gestaltet sich der Text mitunter ein wenig schwerfällig und weist formal wie inhaltlich ein paar flüchtige Holprigkeiten auf, doch die Fülle an wertvollen, hintergründigen Kriterien zum Themenkomplex mit reichlich Impulsen zur weiteren, intensiven Beschäftigung mit dem Phänomen James Dean und seinen Umgebungsaspekten wirkt hier absolut ausgleichend. Zuvorderst die Bewegungen über den zementierten Mythos hinaus hinsichtlich seines Einflusses auf eine "existenzielle Rebellion [...] für Generationen von Jugendlichen" klingen hier kostbar an, auch wenn es sicherlich nicht nur und nicht immer dieser Jimmy ist, dem alle derartigen filmischen Ausprägungen seit Mitte der 1950er Jahre angelastet werden können.

(Marie Anderson)

Titel: Auflehnung, Antriebslosigkeit, Antidepressiva und Apokalypse – Existenzielle Rebellion im Film seit James Dean / Autorin: Marina Küffner / Erscheinungsort: Frankenthal / Erscheinungsdatum: September 2015 / Seiten: 245 / Verlag: Mühlbeyer Filmbuchverlag / ISBN: 978-3-945378-25-0