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14 04/08

"And the winners are..." - Zum Abschluss des 8. Fünf Seen Filmfestivals

Am Sonntag war dann Schluss. Gestern endete das 8. Fünf Seen Filmfestival mit einem neuen Besucherrekord von mehr als 17.000 Besuchern und der Preisverleihung in der Schlossberghalle in Starnberg. Insgesamt waren seit dem 23.7. mehr als 160 Filme in den Spielstätten Starnberg, Seefeld, Herrsching, Wörthsee, Dießen, Weßling und Landsberg zu sehen. Zudem gaben sich über 60 nationale und internationale Filmemacher die Ehre. Zeit für einen kleinen Rückblick auf das diesjährige Programm und die Preisträger...


(Preistrophäe beim 8. Fünf Seen Filmfestival, Copyright des Bildes: joerg@reuther-fotografie.de)

Eine Schule, eine Klasse, ein Lehrer und ein Selbstmord. Das sind die Ingredienzen, aus denen sich Class Enemy zusammensetzt. Ein spannungsgeladenes, aber stilles Drama, das auf wahren Begebenheiten beruht. Regisseur Rok Biček kann auf seine alte Schule zurückblicken, in der etwas ähnliches vorgefallen ist. In derselben Schule fanden auch die Dreharbeiten statt.


(Bild aus Class Enemy von Rok Biček, Quelle. fsff.de)

Doch kurz zum Inhalt: Ein neuer Deutschlehrer kommt an die Schule in Ljubljana, Slowenien. Dort ersetzt er eine wirklich beliebte, liberale Lehrerin, die ein Kind erwartet. Die Klasse ist ganz normal: Pubertierend. Als der neue Lehrer ankommt, ist es ein Schock für die Klasse. Robert Zupan ist streng, auf den Unterricht fokussiert und so gar nicht einfühlsam. Auch die eigene Sympathie gilt zu Beginn nicht dem Deutschlehrer. Und ebenso ambivalent erscheint das Gespräch mit einer Schülerin über sie und ihre Zukunft - darf und kann ein Lehrer so mit einer Schülerin sprechen? Wird eine Grenze überschritten? Zupan möchte nicht der Freund der Schüler sein. Er will ihnen etwas beibringen. Vielleicht ist es seine Art zu versuchen, das beste hervorzuholen. Doch der Hass, der ihm durch seine verschrobene bis miese Art entgegenquillt, ist nachvollziehbar. Die Situation eskaliert. Der Zuschauer muss seine eigenen Sympathien überdenken. Es gibt weder gut noch böse in Class Enemy. Der Film hinterlässt ein ambivalentes Gefühl. Er thematisiert wichtige Fragen - der Bildung, der Ethik und des menschlichen Verhaltens, auf die es schlicht keine klaren Antworten gibt.


(Trailer zu Class Enemy)

Class Enemy hat sich gegen sieben weitere Film im Wettbewerb um den Fünf Seen Filmpreis durchsetzen können. Darunter der bereits auf der Berlinale gezeigte Film Jack, Risse im Beton, das einfühlsame Drama Anderswo, der schwarz-weiße Coming-of-Age-Film Left Foot Right Foot, Sto Piti / At Home, die Geschichtsaufarbeitung Wolfskinder und die abstrus-absurd-geniale Geschichte Via Castellana Bandiera.


(Bild aus Via Castellana Bandiera, Quelle: fsff.de)

Eine schwere Entscheidung. Verdient gehabt hätten es wahrscheinlich alle. Liebevoll gemacht und mit einem gewissen Etwas versehen, waren allen voran auch die beiden Filme Left Foot Right Foot und Via Castellana Bandiera, über die ich gerne ein, zwei Worte verlieren möchte. Das italienische Drama Via Castellana Bandiera von und mit Emma Dante ist irritierend faszinierend. Den Zuschauer 90 Minuten lang mit vorwiegend einem Setting zu fesseln, ist gelungen - Chapeau davor! Außerdem ist die Geschichte dahinter dermaßen absurd, dass man gerne einfach nur den Kopf schütteln möchte (und dies wahrscheinlich im Dunkeln des Kinosaals auch getan hat). Schließlich kann das Drama als Metapher für Engstirnigkeit und Sturheit gesehen werden. Nicht zuletzt versinnbildlicht Via Castellana Bandiera damit einige aktuelle politische Situationen.


(Trailer zu Via Castellana Bandiera)

Zwar konnte der französisch-schweizerische Film Left Foot Right Foot nicht den Hauptpreis abräumen, hat aber den Nachwuchspreis erhalten. Verdient! Auf eine komplett andere Art und Weise als Class Enemy oder Via Castellana Bandiera sticht der Film von Regisseur Germinal Roaux hervor. Inhaltlich ist die schwarz-weiße Gestaltung des Coming-of-Age-Dramas nicht unbedingt motiviert. Aber: Es funktioniert. Es ist anders. Es ist gut. Es erregt Aufmerksamkeit.


(Bild aus Left Foot, Right Foot, Quelle: fsff.de)

Umgeben von Geldsorgen, Plattenbau, nicht allzu liebevollen Eltern und Problemen einen Job zu finden, versuchen Marie und Vincent ihr (gemeinsames) Leben auf die Reihe zu bekommen. Doch unlängst leben sie kaum noch miteinander und vertrauen sich vieles nicht mehr an. Die Situation spitzt sich rapide zu, als Vincents Großmutter verstirbt und er auf seinen autistischen Bruder Mika aufpassen muss. Durch Missverständnisse, Geheimnisse und Lügen gerät die Lage außer Kontrolle. Left Foot Right Foot ist ein liebevolles sowie verstörendes Drama. Besonders ist auch die inhaltliche und gestalterische Parallele, die durch den Autisten Mika visualisiert wird. Auch gut: die Musikauswahl!


(Trailer zu Left Foot, Right Foot)

Neben diesen drei Filmen hat das Fünf Seen Filmfestival viele weitere fantastische Filme in unterschiedlichen Kategorien präsentiert. Leider würde eine Nennung nur zu einer langen Liste führen, die an dieser Stelle bestimmt niemand lesen möchte. Der Vollständigkeit halber seien hier aber dennoch die anderen Preisträger genannt. So kann sich das deutsche Drama Jack mit dem Drehbuchpreis schmücken, Zum Beispiel Suberg erhält den Dokumentarfilmpreis und Recycling Lily wurde zum Publikumsliebling gekürt. Erwähnenswert sind definitiv auch noch die zwei Filme, die den Horizonte-Filmpreis erhalten haben: Die Dokumentarfilme Neuland und Everyday Rebellion. Anschauen! Und jetzt bleibt uns eigentlich nur noch zu sagen: Bis zum nächsten Jahr!

(Lisa Hedler)