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14 08/08

Amerikas Meerjungfrau - Happy Birthday, Esther Williams!

Heute hätte die "million dollar mermaid" Esther Williams ihren 93. Geburtstag gefeiert, doch am 6. Juni vergangenen Jahres verstarb die schwimmende Schauspielerin (beziehungsweise schauspielernde Schwimmerin), die auf dem Höhepunkt ihrer Karriere zu den Kassenmagneten Hollywoods zählte. Anlässlich des heutigen Geburtstags und des zu erwartenden sommerlichen Wochenendes widmen wir der "badenden Venus" (so der Titel eines ihrer erfolgreichsten Filme) eine kleine Hommage.


(Filmplakat zu Dangerous When Wet, Regie: Charles Walters, USA 1953)

Esther Williams passt in die lange Reihe von Sportlern, die sich in Hollywood immer wieder beweisen mussten. Auch Darsteller wie Jim Brown, Fred Williamson, Carl Weathers, Buster Crabbe oder später Arnold Schwarzennegger mussten sich belächeln und auf ihre Körperlichkeit reduzieren lassen. Sie alle zeigen jedoch, dass es verschiedene Rollen und verschiedene Arten zu spielen gibt. Das Kino kann jeden willkommen heißen. Nicht jeder verwandelt sich mit der Bravour eines Marlon Brando in einen anderen Menschen, aber viele können mit ähnliche Begeistrerung und Herzblut den Zuschauer mitreißen und für sich gewinnen. Und eins war bei Esther Williams sicher: Das Publikum liebte sie.

Eigentlich ist es nur konsequent, wenn Schwimmer zu Schauspielern werden: Ein großer Teil der Arbeit als Darsteller ist körperliche Disziplin. Gerade im Hollywood der "Goldenen Ära" waren Bewegungen, Körperhaltung und eine natürliche Aura der Eleganz oft wichtiger, als die perfekte Betonung jedes Satzes. Das Idealbild war der Stars als "Triple Threat", der Singen, Tanzen und Schauspielern konnte. Esther Williams könnte man als "Quadruple Threat" bezeichnen: Die US-amerikanische Schauspielerin war zugleich auch noch eine begnadete Schwimmerin. Und in ihren Filmen bekam sie ausreichend Gelegenheit, das unter Beweis zu stellen. Die Tragik dabei: Irgendwann wurde sie so sehr mit ihrem Image als Badenixe identifiziert, dass sie an Land nicht an die Erfolge iM Wasser anknüpfen konnte - oder wie der MGM-Produzent Joe Pasternak vieldeutig auf den Punkt bringen sollte:"Wet, she was a star - dry, she ain't!"

Schon in ihrer frühen Kindheit war Williams klar, dass sie erst im Wasser wirklich in ihrem Element war. Gemeinsam mit ihrer Schwester verbrachte sie große Teile ihrer Jugend am Strand von Manhattan und in öffentlichen Badeanstalten. Von den örtlichen Rettungsschwimmern lernte sie viel, selbst Techniken wie den Schmetterlingsstil, die in den 1920ern und 1930ern eigentlich Männern vorbehalten waren.

Bereits im Alter von 16 Jahren gewann sie drei US-Meisterschaften in den Kategorien Brust- und Freistilschwimmen, mit 17 war sie die schnellste Schwimmerin Amerikas und stellte mehrere Rekorde auf. Eigentlich hätte sie die USA bei den Olympischen Spielen in Tokio vertreten sollen, die jedoch aufgrund des Zweiten Weltkriegs nicht abgehalten wurden.

Ins Showgeschäft kam sie über Billy Rose's Aquacade (eine Musik-, Tanz- und Schwimmshow), wo sie als Vertretung für Eleanor Holm einspringen sollte. Dort trat sie an der Seite von Stars wie Johnny Weissmuller auf, dem Helden der populären Tarzan-Serie. Der fünffache Goldmedallien-Gewinner war ebenfalls über den Schwimmsport nach Hollywood gekommen.


(Aufnahmen Billy Rose's Aquacade Show bei der Weltausstellung 1939 in New York)

Bei einer der Aquacade-Shows muss sie wohl auch Talent-Scouts von MGM aufgefallen sein, 1941 unterzeichnete sie ihren Vertrag bei Louis B. Mayers Studio. Der Produzent war verzweifelt auf der Suche nach einer hauseigenen Entsprechung zu der bei 20th Century Fox unter Vertrag stehenden Eiskunstläuferin Sonja Henie, die mit Filmen wie One in a Million und Thin Ice das Publikum verzauberte. Jetzt hatte auch MGM seine weibliche Sportlerin.

Ihre ganze Karriere im Filmgeschäft lang hatte Williams mit einem Problem zu kämpfen, das viele Frauen in Hollywood hatten (und oft noch immer haben): Sie wurde von ihren Kollegen und Vorgesetzten selten wirklich ernst genommen. Schon bevor sie das erste Mal vor der Kamera stand hatte sie unverkennbar den Status eines Sexsymbols erreicht. Auch in der prüden Blütezeit des Hays Code gab es von ihr unzählige Bilder im Badeanzug, sie war ein klassisches Pin-Up Girl.

Das reflektierten auch die Plakate zu ihren Filmen: Bei ihren ersten cineastischen Gehversuchen, wie etwa ihrer ersten Rolle Andy Hardy's Double Life , oder kurz danach A Guy Named Joe war sie auf den Filmpostern noch weitgehend bekleidet. Doch spätestens nach Bathing Beauty war klar, womit hier geworben wurde: Williams im Badeanzug. Dabei war es fast gleichgültig, wie lange die Schwimmsequenzen im Film dann wirklich waren. Wie ernst MGM die Filme inhaltlich nahm, lässt sich anhand einer Anekdote gut vermitteln: Zur Premiere des Films schalteten die Werbemanager des Studios eine gewaltige Werbeanzeige auf dem Time Square, in der es einfach nur hieß "Hereinspaziert! Die Handlung ist in Ordnung!" Den Inhalt drängt das Studiosystem hier gerne mehr an den Rand, als es notwendig gewesen wäre.

Dabei hatte Esther immer mehr zu bieten als Sexappeal, denn ihre choreographisch-sportlichen Leistungen waren mehr als eindrucksvoll. Ob an Land, auf Wasserski, im Wasser oder auf der Tanzfläche: Williams konnte mühelos an der Seite von erfahreneren Darstellern wie Gene Kelly, Spencer Tracy, Frank Sinatra oder Betty Garrett bestehen.


(Szene aus Die goldene Nixe; 1952)


(Szene aus Spiel zu dritt; 1949)

Sicher, ihre Filme aus den Glanzzeiten der intensiven Technicolor-Farben waren selten sonderlich tiefgründig oder von dramaturgischer Brillanz, aber die reine Freude des Spektakels kann ihnen niemand absprechen. Und Williams war immer ein substanzieller Teil der Erfahrung. Man merkt, dass sie in Filme wie Die goldene Nixe oder Jupiters Liebling viel Herzblut fließen ließ. Die aufwändigen Wasserballet-Szenen sind nicht nur zu einem häufig imitierten und parodierten Archetyp des Hollywood-Bombasts geworden, sie waren auch äußerst riskant für die Darstellerin. Bei einem Sprung aus 35 Meter Höhe für Die goldene Nixe brach sich Williams einen Halswirbel und musste fast sieben Monate in einer starren Gips-Korsage verbringen. Durch die langen Zeiten, die sie in den Wassertanks ihres Studio verbrachte, rissen ihre Trommelfelle gleich mehrfach und wohl unzählige Male wäre sie beinahe ertrunken.

Im Laufe ihrer fast 20 Jahre andauernden Karriere hat Esther Williams in etwa 30 Filmen mitgewirkt. Auch als sie sich aus dem Filmgeschäft zurückzog, blieb sie keinesfalls untätig. Sie absolvierte Fernsehauftritte, lieh ihren Namen an Badeanzug- und Swimingpoolfirmen, drehte Lehrvideos und war als Kommentatorin bei Schwimmwettbewerben tätig.


Szene aus Jupiters Liebling (1955)

(Lucas Barwenczik)